BYD-Aktie unter Druck – kann Europa die Wende bringen?
China bleibt das größte Problem
Im Heimatmarkt läuft es für BYD längst nicht mehr so rund wie noch vor ein paar Jahren. Der Preiskampf unter chinesischen Herstellern ist enorm, die Nachfrage schwächer und für BYD wird es dadurch schwieriger, das Wachstum dort mit ordentlichen Margen fortzusetzen. Dass der Gewinn im ersten Halbjahr 2026 um knapp 20 % zurückging, obwohl der Konzern weiterhin riesige Stückzahlen verkauft, zeigt ziemlich gut, wo das Problem liegt.
Jetzt kommen auch beim Export neue Belastungen dazu. China senkt ab April 2027 die Mehrwertsteuer-Erstattung für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge von 13 auf 9 %, womit BYD bei jedem exportierten Fahrzeug etwas weniger Unterstützung bekommt. Parallel haben sich China und die EU auf eine Begrenzung chinesischer Hybridimporte geeinigt, die zunächst bei 350.000 Fahrzeugen pro Jahr liegen soll.
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Das Ausland fängt inzwischen viel auf
Wie stark sich das Geschäft verschoben hat, zeigen die September-Zahlen ziemlich deutlich. BYD verkaufte weltweit 463.561 Fahrzeuge und damit 17 % mehr als ein Jahr zuvor, womit der Konzern bereits den fünften Monat in Folge wieder gewachsen ist. Außerhalb Chinas stiegen die Auslieferungen von Pkw und Pick-ups sogar um 153,9 % auf 179.877 Fahrzeuge.
Damit kommt inzwischen ein immer größerer Teil des Wachstums aus Märkten, in denen BYD vor wenigen Jahren noch kaum eine Rolle gespielt hat. Auch in Europa gewinnen chinesische Hersteller weiter Marktanteile und kamen im zweiten Quartal zusammen bereits auf rund 11 % des Elektroautomarkts. BYD gehört dabei zu den Marken, die besonders aggressiv ausbauen.
Für Anleger ist das wichtig, weil das Ausland die Schwäche in China momentan zumindest teilweise auffängt. Gleichzeitig erklärt es aber auch, warum Meldungen zu Zöllen, Importquoten oder anderen Handelsbeschränkungen inzwischen so stark auf die Aktie durchschlagen. Je wichtiger Europa und andere Regionen werden, desto stärker hängt BYD eben auch davon ab, unter welchen Bedingungen dort verkauft werden darf.
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Europa soll mehr als nur ein Absatzmarkt werden
BYD versucht deshalb längst, einen Teil der Produktion direkt nach Europa zu holen. Das erste Werk in Ungarn läuft an, über einen zweiten Standort soll noch in diesem Jahr entschieden werden und sowohl Frankreich als auch Spanien stehen auf der Liste. Langfristig spricht BYD sogar von drei Montagewerken und einer eigenen Batteriefabrik in Europa.
Damit würde sich BYD deutlich unabhängiger von Importregeln machen und könnte gleichzeitig näher an den europäischen Kunden produzieren. Dass der Konzern diesen Weg so konsequent verfolgt, zeigt aber auch, wie sehr sich die Bedingungen verändert haben. Einfach Fahrzeuge aus China nach Europa zu schicken und dort über den Preis Marktanteile zu gewinnen, wird zunehmend schwieriger.
An der Börse zählt momentan trotzdem eher das Risiko. Die Aktie notiert in Hongkong bei rund 72,25 HKD und damit praktisch am 52-Wochen-Tief von 71,40 HKD. Vom Hoch bei 113,40 HKD ist damit inzwischen ein großer Teil wieder verschwunden.
Fundamental ist BYD deshalb nicht plötzlich schwach geworden, der Konzern steckt aber mitten in einem ziemlich teuren Umbau seines Geschäfts. Das Wachstum verlagert sich immer stärker ins Ausland, während dort gleichzeitig neue Regeln entstehen und in China der Margendruck hoch bleibt. Wenn BYD es schafft, die starke internationale Nachfrage trotz dieser Belastungen auch wieder stärker in Gewinnwachstum zu übersetzen, könnte sich die Stimmung an der Börse schnell verbessern. Bis dahin muss die Aktie allerdings erstmal zeigen, dass das Jahrestief tatsächlich hält.
ℹ️ BYD Company Limited in Kürze
- BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vordergründig im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
- Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
- Mit einer Marktkapitalisierung von rund 78 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Autokonzernen in China.
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Fazit
BYD steckt aktuell in einer etwas ungewöhnlichen Lage. In China bleibt der Druck hoch, gleichzeitig wächst das Auslandsgeschäft kräftig und Europa wird mit neuen Werken immer stärker ausgebaut. Der Aktienkurs spiegelt davon bisher kaum etwas wider und hängt weiter am Jahrestief. Auch die Analysten sehen deutlich mehr Luft. JPMorgan kommt auf 88 HKD, Morgan Stanley auf 114 HKD und UBS sogar auf 135 HKD. Der Konsens liegt bei rund 124 HKD. Damit ist die Erwartung klar: Wenn BYD die internationale Expansion sauber in höhere Gewinne übersetzt, hätte die Aktie vom aktuellen Niveau aus einiges aufzuholen.
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