Broadcom-Aktie: 230 Milliarden US$ – ist das realistisch?
Aus 58 werden 230 Milliarden US$
Im dritten Geschäftsquartal stieg Broadcoms KI-Halbleiterumsatz um +221% auf 16,7 Milliarden US$. Für das Schlussquartal stellt CEO Hock Tan bereits 21,7 Milliarden US$ und damit ein Wachstum von +236% in Aussicht. Im gesamten Geschäftsjahr sollen es nun 58 Milliarden US$ werden – 2 Milliarden US$ mehr als bislang geplant.
Noch bemerkenswerter ist der weitere Ausblick. Für 2027 erwartet das Management KI-Erlöse von ungefähr 115 Milliarden US$, nachdem zuvor lediglich mehr als 100 Milliarden US$ angepeilt worden waren. Im Geschäftsjahr 2028 sollen sie sich erneut auf etwa 230 Milliarden US$ verdoppeln.
Reine Hoffnung ist das nicht. Allein im vergangenen Quartal gingen Bestellungen für KI-Chips im Wert von mehr als 30 Milliarden US$ ein. Broadcom hat nach eigenen Angaben außerdem genügend Fertigungskapazitäten gesichert, um das Ziel für 2027 erreichen zu können. Die langfristige Visibilität reicht inzwischen bis 2028.
Trotzdem bleibt die Dimension enorm: Die für 2028 erwarteten KI-Erlöse wären fast achtmal so hoch wie der gesamte aktuelle Quartalsumsatz.
Tipp: Wir halten Dich in Sachen KI auf dem Laufenden mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter. Abonniere ihn gleich hier!
Aus Diversifikation wird Abhängigkeit
Schon heute stammen 56% des Konzernumsatzes aus KI-Halbleitern. Im Schlussquartal dürfte der Anteil auf mehr als 62% steigen. Das traditionelle Halbleitergeschäft und die VMware-Sparte werden dadurch relativ betrachtet immer unbedeutender.
Diese Verschiebung besitzt zwei Seiten. Solange die großen Technologiekonzerne ihre Rechenzentren ausbauen, wächst Broadcom deutlich schneller als der Gesamtmarkt. Maßgeschneiderte Beschleuniger bieten Kunden zudem eine Alternative zu den universell einsetzbaren, aber teuren Grafikprozessoren von Nvidia. Hinzu kommen Netzwerkchips, ohne die sich immer größere Rechenzentren kaum effizient betreiben lassen.
Umgekehrt steigt die Abhängigkeit von den Investitionsentscheidungen einiger weniger Kunden. Verschiebt nur ein großer Abnehmer ein Rechenzentrumsprojekt, kann sich das bei Broadcom unmittelbar in Milliardenhöhe bemerkbar machen. Auch neue Aufträge für den Konkurrenten Marvell zeigen, dass selbst enge technologische Partnerschaften nicht zwangsläufig exklusiv bleiben. Das erklärt, weshalb der Markt trotz der langfristigen Wachstumsprognose zurückhaltend reagierte.
Du willst weitere KI-Gewinner kennenlernen? Dann wirf mal einen Blick in unseren kostenlosen Report KI-Gewinner 2026!
Der Cashflow liefert ein starkes Sicherheitsnetz
Die aktuellen Zahlen geben Broadcom ausreichend finanziellen Spielraum. Der Gesamtumsatz stieg um +86% auf 29,59 Milliarden US$. Der bereinigte operative Gewinn legte um +92% auf 20,10 Milliarden US$ zu. Besonders beeindruckend war der freie Cashflow, der sich auf 13,67 Milliarden US$ nahezu verdoppelte und damit 46% des Umsatzes erreichte.
Auch VMware trägt zur Stabilität bei. Die Infrastruktur-Software steigerte ihre Erlöse um +29% auf 8,75 Milliarden US$. Dieses wiederkehrende Geschäft kann Schwankungen im Halbleitersegment zumindest teilweise abfedern.
Kurzfristig liegt hier dennoch der Schönheitsfehler: Für das vierte Quartal erwartet Broadcom 34,8 Milliarden US$ Umsatz und eine bereinigte operative Marge von 66%. Analysten hatten beim Umsatz etwas mehr erwartet. Bei einem Unternehmen, dessen Bewertung bereits eine nahezu perfekte Umsetzung der KI-Pläne voraussetzt, reicht eine kleine Abweichung für deutliche Kursschwankungen.
ℹ️ Broadcom in Kürze
- Broadcom (WKN: A2JG9Z) mit Sitz im kalifornischen San José ist ein Halbleiterkonzern, der Produkte in den Bereichen Analog- und Digitaltechnik, Mixed-Signal und Optoelektronik herstellt.
- Das Unternehmen produziert hochintegrierte Schaltkreise, die die Breitbandkommunikation sowie die Übertragung von Audio, Video und Daten ermöglichen.
- Broadcom bietet komplette System-on-a-Chip-Lösungen und damit verwandte Hardware- und Softwareanwendungen für jede Form von Breitbandkommunikation.
- Zur Produktpalette gehören Lösungen für Digitalkabel-, Satelliten- oder Internet-Protokolle, Set-Top-Boxen, HDTV-Geräte, Smartphones, GPS sowie Kabel-/DSL-Modems und Chips für die Mobilfunkkommunikation.
- Broadcom notiert sowohl im US-Leitindex S&P 500 als auch im Technologieindex Nasdaq 100. Mit einem Börsenwert von rund 1,7 Billionen US$ gehört Broadcom zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt.
Broadcom kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Broadcom und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
Broadcom weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Broadcoms wichtigste Nachricht ist nicht das zurückliegende Rekordquartal, sondern die Aussicht auf 230 Milliarden US$ KI-Umsatz im Jahr 2028. Erreicht der Konzern dieses Ziel, besitzt die Aktie erhebliches langfristiges Potenzial. Gleichzeitig entsteht eine immer größere Abhängigkeit vom KI-Investitionsboom. Deshalb würde ich nach dem Rücksetzer eher schrittweise einsteigen, statt die Aktie aufgrund eines einzelnen starken Quartals sofort als uneingeschränktes Schnäppchen einzustufen.