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Airbus-Aktie: 108 Jets pro Monat – sind 250 € trotzdem drin?

Solide Zahlen, steigende Kurse?
Vincent Uhr

Airbus hat seine Auslieferungen im September auf 72 Flugzeuge gesteigert. Das klingt zunächst überzeugend, reicht für das offizielle Jahresziel aber noch lange nicht. Nach neun Monaten stehen 547 Übergaben zu Buche. Um die angepeilten 870 Maschinen zu erreichen, müsste Airbus im Schlussquartal weitere 323 Jets beziehungsweise durchschnittlich 108 Flugzeuge pro Monat ausliefern. Trotzdem sehen Analysten die Aktie teilweise bei 250 €.

Nicht 82, sondern 108 Flugzeuge

Mit 72 Auslieferungen übertraf Airbus im September den August-Wert von 57 Maschinen deutlich. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen die Übergaben in den ersten neun Monaten um 8%. Zum Übertreffen des Vorjahreswertes von 793 Flugzeugen würden im Schlussquartal monatlich 82 Maschinen genügen.

Das Management peilt jedoch rund 870 Auslieferungen an. Dafür benötigt Airbus einen Rekord-Endspurt, der weit über dem bisherigen Monatstempo liegt. Nach Informationen von Reuters wurden allein rund 20 ursprünglich für das dritte Quartal geplante Maschinen in das Schlussquartal verschoben.

Zusätzliche Risiken entstehen durch fehlende Triebwerke und Qualitätsprobleme. Bei mehreren A321neo-Komponenten wurde der Korrosionsschutz nicht korrekt aufgetragen. Außerdem müssen rund 160 bereits ausgelieferte A330 auf mögliche Fremdkörper im Höhenleitwerk geprüft werden. Airbus betont, dass keine unmittelbaren Sicherheitsrisiken bestehen und aktuell produzierte Flugzeuge kontrolliert wurden.

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Airbus: Der Gewinn wächst schneller als die Auslieferungen

Operativ entwickelt sich Airbus trotzdem stark. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 12% auf 33,18 Milliarden €. Das bereinigte EBIT verbesserte sich um 24% auf 2,73 Milliarden €, während der Nettogewinn sogar um 47% auf 2,24 Milliarden € zulegte.

Besonders überzeugend verlief das zweite Quartal. Die Erlöse sprangen um 28% auf 20,53 Milliarden €, das bereinigte EBIT um 54% auf 2,43 Milliarden €. Neben den höheren Flugzeugauslieferungen trug das Rüstungs- und Raumfahrtgeschäft wesentlich zum Wachstum bei.

Für 2026 erwartet Airbus weiterhin ein bereinigtes EBIT von rund 7,5 Milliarden € und einen freien Cashflow vor Kundenfinanzierungen von etwa 4,5 Milliarden €. Die negativen 1,17 Milliarden € aus dem ersten Halbjahr sind dabei kein ungewöhnliches Warnsignal. Airbus baut vor dem traditionell starken Jahresende Lagerbestände auf und erhält einen großen Teil der Kundenzahlungen erst bei Übergabe der Flugzeuge.

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Die Bewertung verlangt weiteres Wachstum

Bei einem Kurs von rund 188 € wird die Airbus-Aktie mit ungefähr dem 26-Fachen des für 2026 erwarteten Gewinns bewertet. Auf Basis der Schätzung für 2027 sinkt das KGV auf knapp 22. Die erwarteten 4,5 Milliarden € freien Cashflow entsprechen einer Rendite von etwa 3%.

Ein Schnäppchen ist die Aktie damit nicht. Die Bewertung wird jedoch durch eine Nettocashposition von 8,36 Milliarden € und einen gewaltigen Auftragsbestand gestützt. Ende Juni warteten Bestellungen über 9.222 Verkehrsflugzeuge auf ihre Auslieferung. Selbst beim angestrebten Jahrestempo reicht der Bestand rechnerisch für mehr als zehn Jahre.

Bis 2029 will Airbus das bereinigte EBIT auf 12 bis 13 Milliarden € steigern – nach 7,13 Milliarden € im vergangenen Jahr. Gleichzeitig wurde ein Aktienrückkauf über 5 Milliarden € angekündigt.

Analysten sehen bis zu 260 €

Das durchschnittliche Kursziel von 24 Analysten liegt bei knapp 231 € und damit rund 23% über dem aktuellen Kurs. RBC nennt 250 €, JPMorgan 245 € und UBS sowie Bernstein jeweils 240 €. Jefferies bleibt mit 200 € deutlich vorsichtiger. Die gesamte Spanne reicht von 183 bis 260 €.

Die optimistischen Ziele setzen voraus, dass Airbus seine Produktion hochfährt und das Gewinnziel für 2029 erreicht. Ob die 870 Auslieferungen 2026 tatsächlich gelingen, ist dafür weniger entscheidend als die Frage, ob fehlende Triebwerke und Qualitätsprobleme nur Übergangseffekte bleiben.

ℹ️ Airbus in Kürze

  • Die Airbus SE (WKN: 938914) ist Europas größter Luft- und Raumfahrt- sowie zweitgrößter Rüstungskonzern.
  • Mit 793 ausgelieferten Flugzeugen (2025) ist Airbus gegenwärtig der weltweit größte Hersteller von Passagierflugzeugen.
  • Der multinationale europäische Konzern hat seine Zentrale im französischen Toulouse, besitzt jedoch in ganz Europa etwa 70 Entwicklungs- und Produktionsstandorte.
  • Airbus ist Mitglied im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und an der Börse aktuell ca. 149 Milliarden € wert.

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Vincent Uhr

Fazit

Die Airbus-Aktie ist bei rund 188 € fundamental nicht billig, aber angesichts des Auftragsbestands und der Gewinnziele auch nicht überteuert. Das Kursziel von 250 € erscheint mittelfristig erreichbar, wenn der Produktionshochlauf gelingt. Vor den Quartalszahlen am 28. Oktober würde ich wegen des extrem anspruchsvollen Auslieferungsziels dennoch nur gestaffelt einsteigen.