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Volkswagen-Aktie im Sinkflug – Analysten sehen trotzdem viel Potenzial

Konzern in der Krise
Bei Volkswagen läuft derzeit vieles schief. Die Prognose wurde massiv gesenkt, Porsche belastet den Konzern mit Milliarden und in China verschärft sich der Wettbewerb weiter. Die Aktie ist entsprechend tief gefallen. Umso auffälliger ist, dass mehrere Analysten weiterhin Kursziele von 100 € und mehr aufrufen.

Bei Volkswagen läuft es derzeit richtig schlecht

Die Gewinnwarnung aus dem September hat noch einmal gezeigt, wie ernst die Lage inzwischen ist. Volkswagen erwartet für 2026 nur noch eine operative Umsatzrendite von bis zu 1%. Zuvor hatte der Konzern noch 4 bis 5,5% in Aussicht gestellt. Gleichzeitig drücken Sondereffekte von rund 10 Mrd. € auf das Ergebnis. Rund 6 Mrd. € davon entfallen allein auf eine Abschreibung des Porsche-Geschäfts.

Und damit sind längst nicht alle Probleme abgehakt. Volkswagen selbst spricht von einer weiteren Verschärfung des Marktumfelds in China. Dort verliert der Konzern unter anderem durch den starken Wettbewerb heimischer Hersteller an Boden, während gleichzeitig der Preisdruck hoch bleibt. Auch Audi und die Kernmarke Volkswagen entwickeln sich schwächer als ursprünglich erwartet.

Dazu kommt der enorme Umbau des Konzerns. Volkswagen steckt mitten in einem der größten Sparprogramme seiner Geschichte, während gleichzeitig Milliarden in Elektromobilität und Software fließen müssen. Das Problem ist also nicht nur ein einzelnes schwaches Quartal. Der Konzern muss an mehreren Stellen parallel wieder profitabler werden.

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Porsche ist inzwischen selbst eine Großbaustelle

Besonders deutlich sieht man die Probleme bei Porsche. Die operative Marge lag 2025 nur noch bei 1,1%, nachdem sie wenige Jahre zuvor noch deutlich zweistellig war. China, US-Zölle und hohe Kosten für die Elektrostrategie haben den Sportwagenbauer stark getroffen.

Porsche reagiert jetzt mit einem ziemlich harten Umbau. Der Konzern will langfristig wieder auf eine operative Marge von 15% kommen, Modellvarianten reduzieren und sich stärker auf hochpreisige Fahrzeuge konzentrieren. Gleichzeitig sollen Kosten in Produktion, Entwicklung und Vertrieb deutlich sinken.

Für Volkswagen ist das enorm wichtig. Porsche war lange einer der großen Ergebnisbringer im Konzern. Wenn ausgerechnet dort kaum noch Geld verdient wird, fehlt VW an einer Stelle Ergebnis, die früher vieles abgefedert hat.

Analysten sehen trotzdem Kurse über 100 €

An den Analystenschätzungen merkt man aber auch, dass inzwischen sehr viel schlechte Stimmung im Kurs steckt. Im September haben 21 Analysten Volkswagen bewertet. 12 davon raten zum Kauf, 9 zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel lag zuletzt bei 108,33 €. Die Deutsche Bank hat ihr Kursziel nach der Gewinnwarnung zwar von 115 € auf 105 € gesenkt, bleibt aber bei „Buy“. Analyst Tim Rokossa sieht China weiterhin als strukturelle Belastung und nicht nur als vorübergehendes Problem.

Jefferies ist noch deutlich optimistischer und bleibt bei einem Kursziel von 120 €. Analyst Philippe Houchois geht davon aus, dass ein großer Teil der operativen Probleme, insbesondere in China, inzwischen bereits in den Erwartungen steckt. Die zusätzlichen Milliardenabschreibungen bei Porsche bezeichnet er allerdings als die schlechteste Nachricht.

Berenberg kommt auf 100 € und bleibt ebenfalls bei „Buy“. Dort wird die Gewinnwarnung für das zugrunde liegende Geschäft etwas weniger dramatisch gesehen, gleichzeitig verweist das Haus aber auf die grundsätzlichen Probleme der europäischen Autoindustrie.

Bernstein bleibt mit „Market Perform“ vorsichtiger, sieht mit 100 € aber ebenfalls einen Kurs deutlich über dem aktuellen Niveau. Die Analysten argumentieren unter anderem, dass Volkswagen sich in Europa gegen chinesische Hersteller bislang besser behauptet habe, als es die Stimmung am Markt vermuten lasse.

Ende Oktober kommen die nächsten Zahlen

Ob die Analysten mit ihren Kurszielen irgendwann recht bekommen, hängt jetzt vor allem daran, ob Volkswagen operativ überhaupt wieder Boden gutmachen kann. Am 29. Oktober veröffentlicht der Konzern den Zwischenbericht für die ersten neun Monate. Zuvor findet am 13. Oktober noch der Q3 Pre-Close Call statt.

Die Erwartungen sind nach der Gewinnwarnung niedrig, was zumindest die Fallhöhe etwas reduziert. Trotzdem bleibt die Lage schwierig. China läuft schwach, Porsche steckt tief im Umbau und gleichzeitig muss Volkswagen Milliarden sparen, ohne beim technologischen Anschluss noch weiter zurückzufallen.

ℹ️ VW in Kürze

  • Die Volkswagen AG, kurz VW, (WKN: 766400) ist ein weltweit führender Hersteller von Automobilen und Nutzfahrzeugen mit einem Portfolio von zehn Automarken. Neben der Kernmarke VW gehören unter anderem Audi, Skoda, Seat, Bentley und Porsche zum Konzern.
  • Neben dem Hauptsitz in Wolfsburg unterhält der Konzern weltweit Produktionsstätten.
  • Die Marktkapitalisierung des Konzerns liegt aktuell bei etwa 35 Milliarden €.

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Fazit

Volkswagen steckt momentan ohne Frage in einer schweren Krise. Die Gewinnwarnung, die Probleme bei Porsche und der Druck aus China lassen sich nicht schönreden. Dazu kommt ein Konzernumbau, der Jahre dauern dürfte und zunächst weiteres Geld kostet. Auf der anderen Seite steht die Aktie inzwischen so tief, dass Analysten trotz all dieser Probleme noch enorme Abstände zu ihren Kurszielen sehen. Zwischen dem aktuellen Kurs und den 100 bis 120 €, die mehrere Häuser aufrufen, liegt entsprechend viel Luft. Damit bleibt VW vorerst aber eher eine Turnaround-Story als eine Aktie, bei der das operative Geschäft schon wieder rundläuft.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.