XRP: Banklizenz erteilt, lohnt der Einstieg bei 1,25 US-Dollar?
Ripple meldet einen Erfolg nach dem anderen, doch XRP kommt nicht vom Fleck. Am heutigen Montag notiert die Kryptowährung bei rund 1,25 US$. Auf Sicht von 30 Tagen hat sie damit rund 15% verloren. Weder die gemeldete endgültige Zulassung einer eigenen Treuhandbank durch die US-Bankenaufsicht OCC noch der siebte Zuflussmonat in Folge bei den US-Spot-ETFs konnten den Abwärtstrend stoppen. Damit stellt sich die Frage: Warum kommen Ripples Fortschritte beim Token nicht an, und ist das aktuelle Niveau eine Chance für Anleger?
Lizenz stärkt vor allem RLUSD
Berichten von Ende Oktober zufolge hat die OCC die finale Genehmigung für die Ripple National Trust Bank erteilt. Ripple hatte den Antrag im Juli 2025 gestellt und im Dezember 2025 eine bedingte Zusage erhalten. Die Bank soll die Reserven des Stablecoins RLUSD verwalten, als Sicherheitentreuhänder für dessen Inhaber auftreten und digitale Vermögenswerte für Unternehmenskunden verwahren. In derselben Woche nahm BNY XRP und RLUSD in seine Verwahrplattform auf, und Moody's vergab für RLUSD ein Investment-Grade-Rating von A2. XRP legte nach der Lizenzmeldung binnen 24 Stunden lediglich um 0,5% auf 1,29 US$ zu.
Die verhaltene Reaktion ist für mich folgerichtig. Die neue Bank stärkt Ripples Geschäft mit dem Stablecoin und der Verwahrung, XRP selbst kommt in ihrem Aufgabenprofil nicht vor. Für das Unternehmen ist die Lizenz ein wichtiger Schritt in das regulierte US-Finanzsystem. Zusätzliche Nachfrage nach dem Token entsteht daraus vorerst kaum.
ETF-Nachfrage verliert Schwung
Die US-Spot-XRP-ETFs verbuchten im Oktober Nettozuflüsse von 18,83 Millionen US$, in der letzten Oktoberwoche waren es 4,32 Millionen US$. Seit dem Start summieren sich die Zuflüsse auf 1,81 Milliarden US$. Im Mai, dem bislang stärksten Monat des Jahres, flossen allerdings noch 131,94 Millionen US$ in die Fonds. Am 29. Oktober kamen 8,43 Millionen US$ hinzu, davon 5,57 Millionen US$ beim Produkt von Franklin Templeton und 2,86 Millionen US$ beim ETF von Bitwise.
Die Marktkapitalisierung von XRP liegt bei rund 79,17 Milliarden US$, damit belegt XRP Rang fünf unter den Kryptowährungen. Gemessen daran sind die monatlichen Zuflüsse inzwischen gering. Ich sehe darin ein Polster, das den Kurs in der Nähe von 1,25 US$ stabilisiert. Für eine Trendwende reicht dieses Volumen bei Weitem nicht.
Das Angebot belastet
Druck kommt von der Angebotsseite. Ripple hat am 1. November planmäßig 1 Milliarde XRP in zwei Tranchen zu je 500 Millionen Token aus dem Escrow freigegeben. Am 2. November wurden zudem 233,46 Millionen XRP aus einer Wallet, die mit dem Hack bei Binance in Verbindung steht, auf sechs neue Adressen verteilt. Ende Oktober war XRP zeitweise unter 1,20 US$ gefallen, nachdem der Kurs Anfang des Monats noch bei rund 1,50 US$ gelegen hatte.
Eine Freigabe aus dem Escrow ist noch kein Verkauf. Solange aber Token aus gehackten Beständen bewegt werden, dürfte der Markt mit zusätzlichem Verkaufsdruck rechnen. Hinzu kommt die laufende Ausweitung des Angebots: Von maximal 100 Milliarden XRP sind 63,35 Milliarden im Umlauf, die jährliche Angebotsinflation liegt bei 5,42%.
Unterstützung bei 1,25 US$
Charttechnisch bewegt sich XRP zuletzt in einer Spanne zwischen 1,22 und 1,29 US$. Der Kurs liegt unter dem 20-Tage-Durchschnitt von 1,263 US$, die Marke von 1,25 US$ dient als Unterstützung. Binnen einer Woche gab XRP um 2,94% nach. Vom Allzeithoch bei 3,84 US$ ist die Kryptowährung rund 67% entfernt.
Fazit
Das Kernproblem von XRP liegt für mich in der Lücke zwischen dem Erfolg des Unternehmens und der Nachfrage nach dem Token. Während Ripple sein reguliertes Geschäft ausbaut, stehen dem Token nachlassende Fondszuflüsse und ein wachsendes Angebot gegenüber. Ohne neuen Impuls von der Nachfrageseite dürfte der Kurs aus eigener Kraft kaum nach oben ausbrechen. Eine Einstiegschance sehe ich im aktuellen Niveau deshalb noch nicht.
Entscheidend wird nun sein, ob die Unterstützung hält und die ETF-Zuflüsse wieder in Richtung der Monatswerte aus dem Frühjahr steigen. Rutscht XRP nachhaltig unter die untere Grenze der jüngsten Spanne, könnte sich der Abwärtstrend in Richtung der Oktobertiefs fortsetzen. Erst ein Ausbruch nach oben würde das Bild aufhellen. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, weil Ripples regulatorische Fortschritte die Basis des Ökosystems langfristig verbessern. Wer neu einsteigen will, könnte die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten, bis sich ein stabiler Boden abzeichnet.
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