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BYD-Aktie: Warum honoriert die Börse den Europa-Erfolg nicht?

Druck im Heimatmarkt

Die BYD-Aktie hat am Donnerstag rund 5% verloren und notierte zeitweise bei 7,76 €. Auf Monatssicht beträgt das Minus etwa 13%, obwohl BYD seine Neuzulassungen in der EU im September mehr als verdoppelt hat. Damit stellt sich die Frage: Warum honoriert die Börse den Europa-Erfolg nicht, und was bedeutet das für die Aktionäre?

Europa-Absatz mehr als verdoppelt

Von Januar bis September stiegen die EU-Zulassungen von BYD um 150% auf 206.002 Fahrzeuge. Der Marktanteil in der EU kletterte binnen eines Jahres von 1,0% auf 2,4%. Damit liegt BYD jetzt vor Tesla, das auf 2,2% kommt. Der Gesamtmarkt wuchs im gleichen Zeitraum nur um 5,7% auf knapp 8,52 Millionen Neuwagen.

Das Auslandsgeschäft ist inzwischen der Wachstumsmotor des Konzerns. Im September setzte BYD weltweit 463.561 Fahrzeuge ab, ein Plus von 17%. Das Inlandsgeschäft schrumpfte dagegen um 13%, während der Absatz im Ausland um 153,6% zulegte. Rund 189.000 Fahrzeuge gingen in den Export. Das Exportziel für das Gesamtjahr hat BYD von ursprünglich 1,3 Millionen auf 1,9 bis 2 Millionen Fahrzeuge angehoben.

Brüssel und Peking bremsen

Dass die Aktie trotzdem fällt, hat aus meiner Sicht vor allem mit der Handelspolitik zu tun. Brüssel erwägt eine jährliche Obergrenze für in China gebaute Hybridautos, die im ersten Jahr bei 350.000 Fahrzeugen liegen soll. Für jede Einheit darüber könnten Zusatzzölle fällig werden, möglicherweise schon ab dem 1. Dezember. HSBC rechnet für 2026 mit chinesischen Hybridexporten in die EU von etwa 750.000 Stück. Bei Plug-in-Hybriden hielt BYD laut HSBC bis August knapp 14% des EU-Marktes. Die Quote würde also genau das Segment treffen, in dem die Chinesen in Europa am stärksten wachsen.

Hinzu kommt Druck auf die Exportmargen. Peking senkt im April 2027 die Mehrwertsteuererstattung für exportierte E-Autos von 13% auf 9%. Das schmälert den Ertrag je verkauftem Auto im Ausland, also genau dort, wo BYD bisher höhere Margen erzielen konnte als im umkämpften Heimatmarkt. Das geplante Werk in Ungarn soll die Zollrisiken verringern, braucht aber Zeit.

Auch das Gesamtbild ist durchwachsen. Im ersten Halbjahr gingen Umsatz und Gewinn zurück, die Bruttomarge verbesserte sich nur leicht. Von Januar bis September verkaufte BYD 3.131.576 Fahrzeuge, rund 3,94% weniger als im Vorjahreszeitraum. Um das Jahresziel von 5 Millionen Einheiten noch zu erreichen, müsste der Konzern im vierten Quartal im Schnitt monatlich 622.800 Fahrzeuge absetzen. Das halte ich für sehr ambitioniert.

Bewertung wirkt eher fair

Mitte Oktober lag das vom Analystenkonsens geschätzte Forward-KGV für das Geschäftsjahr 2026 bei rund 15,5. Nach dem jüngsten Kursrückgang dürfte es inzwischen etwas darunter liegen. Für einen Konzern mit schrumpfendem Heimatgeschäft und politischen Risiken im wichtigsten Exportmarkt ist das für mich eher fair als günstig. Die niedrigeren KGVs der Folgejahre setzen voraus, dass die Gewinne wieder steigen.

Die Analysten bleiben mehrheitlich positiv, werden aber vorsichtiger. Bernstein bestätigte am 9. Oktober das Kaufvotum, senkte das Kursziel jedoch von 136 auf 130 HK$. Goldman Sachs bekräftigte am 15. Oktober die Kaufempfehlung und rechnet mit einem Gewinnanstieg im dritten Quartal. Das 52-Wochen-Hoch steht bei 12,29 €.

Fazit

Ich sehe bei BYD derzeit ein klassisches Auseinanderlaufen von Absatzwachstum und Ertragsqualität. Die Erfolge in Europa sind beeindruckend, doch der Markt preist bereits ein, dass Quote, geringere Exporterstattung und Preiskampf in China einen Teil dieses Wachstums wieder aufzehren könnten. Entscheidend wird nun sein, ob BYD am 29. Oktober mit den Quartalszahlen zeigen kann, dass das Auslandsgeschäft die Schwäche im Inland auch beim Gewinn ausgleicht. Ebenso wichtig ist, wie streng Brüssel die Hybridquote am Ende ausgestaltet.

Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten, weil das Wachstum im Ausland intakt ist und die großen Analystenhäuser an ihren Kaufvoten festhalten. Einen Neueinstieg vor den Zahlen halte ich dagegen für verfrüht. Ein Kauf könnte erst interessant werden, wenn die Quartalszahlen eine stabile Marge zeigen und die Aktie im aktuellen Kursbereich einen Boden ausbildet.

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