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ABB-Aktie -6%: Lohnt der Einstieg trotz Rekordaufträgen?

Kursrutsch trotz Auftragsrekord
Redaktion | Börse

Die ABB-Aktie hat am Dienstag trotz eines Rekordauftragseingangs deutlich nachgegeben. Zeitweise verlor das Papier in der Schweiz mehr als 6% und rutschte erstmals seit April unter 70 Franken. Damit liegt die Aktie rund 21% unter ihrem Jahreshoch von 89,14 Franken aus dem Juni. Was steckt hinter dem Kursrutsch?

Rechenzentren treiben Bestellungen

Der Schweizer Konzern für Elektrifizierung, Automation und Antriebstechnik meldete für das dritte Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von 14% auf 9,7 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 8,6 Milliarden Euro. Der Auftragseingang legte auf vergleichbarer Basis um 40% auf 12,06 Milliarden US-Dollar zu und markierte damit einen neuen Rekord. Getragen wurde dieser Zuwachs von zwei der drei Geschäftsbereiche, am stärksten vom Segment Rechenzentren, wo die Bestellungen im dreistelligen Prozentbereich zulegten.

Auch die Profitabilität verbesserte sich. Die operative Ebita-Marge stieg um 1,6 Prozentpunkte auf 20,8% und liegt damit im oberen Bereich der eigenen Zielspanne von 18 bis 22%. Als Gründe nennt ABB Fortschritte in zwei der drei Geschäftsbereiche, geringere Verluste im E-Mobility-Geschäft und niedrigere Aufwendungen. Der Nettogewinn fiel dagegen auf 1,18 Milliarden US-Dollar und lag damit 2% unter dem Vorjahreswert.

Sektorschwäche belastet Kurs

Für den Kursrückgang gibt es zwei Erklärungen. Zum einen kippte die Stimmung gegenüber KI-nahen Werten an den Märkten, der aus Asien überschwappende Verkaufsdruck bei Technologieaktien belastete den gesamten Sektor. Inflations- und Zinssorgen nach einem erneuten Anstieg des Ölpreises hatten vor allem in Korea im Halbleitersegment für deutliche Abgaben gesorgt. Im selben Sog verlor auch der teilweise konkurrierende Technologiekonzern Siemens 3,7%, Siemens Energy gab 2,8% nach.

Zum anderen zeigten sich Marktteilnehmer in Details enttäuscht. Alasdair Leslie von Bernstein Research lobte zwar das hohe Bestellwachstum, verwies aber darauf, dass Umsatz und operatives Ergebnis lediglich im Rahmen der Erwartungen lagen und auch die leichte Prognoseanhebung bereits eingepreist sei. Er sieht die kurzfristige Nachfrage zwar breit intakt, bemängelt jedoch, dass der Bereich Automatisierung beim Auftragseingang hinter den Erwartungen zurückblieb. Die Analysten von Berenberg kritisierten zusätzlich ein verfehltes Ergebnis je Aktie.

Prognose leicht angehoben

Für das Gesamtjahr 2026 hat ABB die Ziele leicht angehoben. Beim vergleichbaren Umsatzwachstum peilt der Konzern nun den unteren Bereich der Spanne von 13 bis 19% an, zuvor lautete die Formulierung noch auf ein niedriges zweistelliges Wachstum bis zum unteren Bereich dieser Spanne. Bei der operativen Ebita-Marge nennt ABB erstmals eine konkrete Zahl und stellt eine Verbesserung um mindestens 2,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr in Aussicht.

Fazit

Der operative Trend bei ABB wirkt aus unserer Sicht intakt: Ein Rekordauftragseingang von 12,06 Milliarden US-Dollar und eine Marge am oberen Rand der Zielspanne sprechen nicht für eine Geschäftsverschlechterung. Der Kursrutsch speist sich vor allem aus der Sektorrotation weg von KI-nahen Werten sowie daraus, dass ABB die hoch gesteckten Erwartungen nur erfüllt statt übertroffen hat, während das Automatisierungsgeschäft beim Auftragseingang schwächelte. Mit einem Plus von fast 20% seit Jahresbeginn notiert die Aktie weiterhin weit vorne im SMI, was zeigt, wie viel bereits eingepreist war.

Anleger könnten bestehende Positionen halten, solange die Marge im oberen Bereich der Zielspanne bleibt und das Rechenzentrumsgeschäft seine Dynamik behält. Wer einen Einstieg erwägt, sollte das Risiko einer anhaltenden Sektorrotation bei Technologiewerten einkalkulieren, da ein starkes Auftragsbuch kurzfristig wenig gegen einen marktbreiten Abverkauf ausrichten kann.

Quelle: dpa-AFX

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