Die Verbio-Aktie setzt ihre Erholung fort. Am Montag kletterte das Papier des Biospritherstellers im frühen Handel bis auf 31,10 € und damit auf den höchsten Stand seit Ende September, rund eine Stunde nach Xetra-Start standen noch 30,26 € und ein Zuwachs von 1,4% zu Buche. Seit Donnerstagabend summiert sich der Anstieg auf bis zu 21,5%. Trägt die politische Debatte um E20-Benzin eine nachhaltige Neubewertung?
Politik liefert den Auslöser
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" auf die Frage nach dem Klimaschutz erklärt: "Zurzeit setze ich mich mit meinem französischen Amtskollegen dafür ein, dass wir die Beimischung von Biokraftstoffen erhöhen." Gemeint ist eine mögliche Einführung von E20-Benzin, was einer maximalen Beimischquote von 20% für Bioethanol im Benzin entspräche. Für einen Produzenten wie Verbio geht es dabei um den Absatzmarkt selbst: Eine höhere Quote würde die Nachfrage nach Bioethanol strukturell ausweiten, ohne dass das Unternehmen dafür neue Märkte erschließen müsste.
Jefferies hebt das Kursziel
Den eigentlichen Startschuss für die Rally gab am Freitag eine Studie des Investmenthauses Jefferies, nach der die Verbio-Aktien fast 17% zulegten. Branchenexperte Constantin Hesse stufte den Wert von "Hold" auf "Buy" hoch und hob das Kursziel von 36 auf 42 € an. Er zeigt sich deutlich optimistischer für die Gewinnperspektiven. Nach seiner Einschätzung fällt die Marge in der Biodiesel-Produktion höher aus als bisher erwartet, zudem dürfte eine wohl anstehende Verschärfung der Marktlage die Profitabilität stützen.
Investitionszyklus läuft aus
Ein weiterer Punkt, den Jefferies hervorhebt: Verbio hat ein umfangreiches Investitionsprogramm nun fast abgeschlossen. Damit verschiebt sich der Fokus auf die Monetarisierung der Biodiesel-Raffinerie-Plattform. Fallen die Investitionsausgaben, bleibt aus jedem zusätzlichen Margeneuro mehr im Unternehmen hängen.
Die 100-Tage-Linie bremst
Technisch stieß die Erholung am Montag auf Widerstand. Bei 31,10 € stoppte die 100-Tage-Linie den Anstieg, und das in einem insgesamt schwachen Gesamtmarkt. Dass der Kurs einen Großteil des Tagesgewinns gleich wieder abgab, zeigt, wie dünn die Käuferseite oberhalb dieser Marke derzeit ist.
Fazit
Wir sehen bei Verbio eine Kombination aus einem konkreten operativen Argument und einer politischen Hoffnung, die bislang nur eine Absichtserklärung ist. Das Auslaufen des Investitionsprogramms und die von Jefferies höher eingeschätzten Biodiesel-Margen sind die belastbarere Hälfte dieser Geschichte, während eine E20-Quote erst noch politische Abstimmungsprozesse durchlaufen müsste. Nach dem kräftigen Kurssprung innerhalb weniger Handelstage dürfte ein guter Teil dieser Erwartung bereits eingepreist sein. Entscheidend wird nun sein, ob die Aktie den Widerstand bei rund 31 € nachhaltig überwindet. Gelingt das nicht, droht ein Rückfall in die alte Handelsspanne. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten und den Bruch dieser Marke abzuwarten. Ein Neueinstieg könnte aus unserer Sicht erst dann interessant werden, wenn der Kurs oberhalb dieses Widerstands Bestand hat oder die Beimischquote politisch konkret wird.
Quelle: dpa-AFX
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