Commerzbank-Aktie: EZB gibt grünes Licht – Übernahme noch 2026?

Geht jetzt alles schnell?
Vincent Uhr
Im Übernahmekampf um die Commerzbank ist eine wichtige Entscheidung gefallen. Die Europäische Zentralbank hat UniCredit am Donnerstag die Genehmigung erteilt, ihre Beteiligung ohne Obergrenze aufzustocken. Die italienische Großbank rechnet nun damit, noch bis Jahresende die Kontrolle über die Commerzbank übernehmen zu können. Gleichzeitig nähern sich die Bundesregierung und UniCredit in ihren Gesprächen an. Bei einem Aktienkurs von 37,88 € stellt sich für Anleger die Frage: Kommt jetzt die endgültige Übernahme – und winkt noch eine Prämie?

EZB macht den Weg für UniCredit frei

Am 15. Oktober verkündete UniCredit einen wichtigen regulatorischen Erfolg. Die EZB erlaubt dem italienischen Geldhaus, die Beteiligungsschwelle von 30% zu überschreiten und die eigenen Anteile anschließend ohne weitere Obergrenze aufzustocken.

Damit fällt eine wesentliche Hürde. UniCredit hatte sich durch Aktienkäufe, Finanzinstrumente und das öffentliche Übernahmeangebot bereits Zugriff auf rund 47,6% der Commerzbank-Anteile gesichert.

Allerdings standen die Übertragung weiterer Aktien und die damit verbundenen Stimmrechte bislang noch unter regulatorischem Vorbehalt. Mit der neuen Genehmigung kommt UniCredit-Chef Andrea Orcel seinem Ziel deutlich näher.

Die Italiener erwarten, dass sie nach Abschluss der verbleibenden Genehmigungsverfahren gegen Jahresende über ungefähr 50% der Stimmrechte verfügen werden. Damit wäre eine Kontrolle der Commerzbank möglich, ohne dass sämtliche Aktien übernommen werden müssten.

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Bundesregierung verhandelt bereits

Interessant ist auch die veränderte Haltung der Bundesregierung. Finanzminister Lars Klingbeil bezeichnete die Gespräche mit UniCredit am Freitag als konstruktiv. Verhärtete Fronten habe er zuletzt nicht wahrgenommen.

Das ist bemerkenswert. Schließlich hatte sich Berlin lange gegen eine feindliche Übernahme ausgesprochen. Mittlerweile konzentriert sich die Bundesregierung stärker darauf, Bedingungen für einen möglichen Zusammenschluss auszuhandeln.

Dabei stehen drei Forderungen im Mittelpunkt: Der Hauptsitz soll in Frankfurt bleiben, betriebsbedingte Kündigungen sollen verhindert werden und die Finanzierung des deutschen Mittelstands soll gesichert bleiben.

Der Bund hält weiterhin gut 13% der Commerzbank-Aktien und besitzt damit erheblichen Einfluss auf bestimmte grundlegende Unternehmensentscheidungen. Eine einfache Kontrolle durch UniCredit dürfte er damit allerdings kaum verhindern können.

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Noch eine Hürde am 16. November

Vollständig abgeschlossen ist die Übernahme dennoch nicht. Die EU-Kommission prüft weiterhin die wettbewerbsrechtlichen Auswirkungen. Bis zum 16. November wird eine erste Entscheidung erwartet. Auch eine vertiefte Untersuchung bleibt möglich.

Für Anleger wird außerdem entscheidend sein, wie UniCredit nach Erlangung der Kontrolle vorgeht. Ein Austausch von Aufsichtsratsmitgliedern und mögliche Veränderungen im Vorstand könnten bereits Anfang 2027 folgen.

Eine höhere Übernahmeprämie ist dagegen keineswegs garantiert. UniCredit könnte mit knapp 50% der Stimmrechte erheblichen Einfluss ausüben, ohne den verbleibenden Aktionären ein neues Angebot unterbreiten zu müssen.

Hinzu kommt, dass die Commerzbank operativ weiterhin solide dasteht. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete sie einen Nettogewinn von 1,81 Milliarden €. Für das Gesamtjahr erwartet das Management mindestens 3,4 Milliarden €. Die Bank besitzt damit auch unabhängig von der Übernahme eine wirtschaftliche Grundlage.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 41,9 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Die Übernahme der Commerzbank wird für mich mit der EZB-Genehmigung deutlich konkreter. Ich halte es inzwischen für gut möglich, dass UniCredit noch 2026 die Kontrolle übernimmt. Eine zusätzliche Übernahmeprämie würde ich allerdings nicht fest einplanen. Bei rund 38 € ist die Aktie für mich weiterhin eine interessante Halteposition, aber keine zwingende neue Kaufchance. Entscheidend wird sein, wie viel wirtschaftlichen Mehrwert UniCredit tatsächlich schaffen kann und ob die verbleibenden Aktionäre daran angemessen beteiligt werden.