Münchener Rück-Aktie: Nur 550 € Kursziel – ist sie jetzt zu günstig?
Jefferies sieht kaum noch Potenzial
Der Grund für die Skepsis liegt in den sinkenden Rückversicherungspreisen. Jefferies bezweifelt, dass die Münchener Rück und ihre Wettbewerber den Preisverfall dauerhaft verhindern können.
Das Problem ist keineswegs theoretisch. Bei der Vertragserneuerung im Juli musste die Münchener Rück bereits einen risikobereinigten Preisrückgang von -5,5% hinnehmen. Gleichzeitig reduzierte der Konzern das gezeichnete Geschäftsvolumen um -9,1%, weil bestimmte Verträge nicht mehr ausreichend profitabel erschienen.
Immerhin kann es sich die Münchener Rück leisten, auf unattraktives Geschäft zu verzichten. Im ersten Halbjahr erzielte der Konzern einen Rekordgewinn von 3,9 Milliarden €. Das Jahresziel liegt weiterhin bei 6,3 Milliarden €.
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Bis 2030 sollen die Gewinne um 8% jährlich steigen
Langfristig verfolgt die Münchener Rück sogar ambitioniertere Ziele. Im Rahmen ihrer Strategie Ambition 2030 will das Management den Gewinn je Aktie jährlich um durchschnittlich mehr als +8% steigern. Die Eigenkapitalrendite soll über 18% liegen.
Ausgehend vom 2025 erzielten Gewinn von 47,15 € je Aktie würde ein jährliches Wachstum von +8% bis 2030 zu einem Ergebnis von rund 69,30 € je Anteilsschein führen.
Beim gegenwärtigen Aktienkurs entspräche das nur etwa dem 7,9-Fachen des für 2030 angestrebten Gewinns. Für 2026 liegt das Verhältnis auf Basis der aktuellen Analystenschätzungen von rund 52 € Gewinn je Aktie bei ungefähr 10,5.
Das erscheint mir für einen profitablen und gut kapitalisierten Rückversicherer nicht teuer. Allerdings setzt die Rechnung voraus, dass das Management seine Wachstumsziele trotz sinkender Preise und möglicher Großschäden tatsächlich erreicht.
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Was sagt die Ben-Graham-Formel?
Interessant wird es bei der vereinfachten Bewertungsformel von Benjamin Graham. Sie multipliziert den Gewinn je Aktie mit 8,5 zuzüglich des doppelten erwarteten jährlichen Gewinnwachstums in Prozentpunkten.
Setzen wir einen Gewinn von rund 52 € und ein Wachstum von +8% ein, ergibt sich rechnerisch ein Wert von rund 1.274 € je Aktie. Damit läge der aktuelle Börsenkurs weit unter dem theoretischen Ergebnis.
Allerdings würde ich diese Zahl keinesfalls als realistisches Kursziel betrachten. Die ursprüngliche Graham-Formel berücksichtigt weder das heutige Zinsniveau noch die besonderen Risiken und Gewinnschwankungen eines Rückversicherers.
Ein konservativerer Blick mit der ebenfalls von Graham abgeleiteten Graham-Zahl, die Gewinn und Buchwert berücksichtigt, führt auf Basis der geschätzten 2026er Kennzahlen zu rund 571 €. Das deutet eher auf eine leichte Unterbewertung als auf ein extremes Schnäppchen hin.
Andere Analysten sehen bis zu 625 €
Die weiteren Kursziele zeigen, wie unterschiedlich die Aussichten beurteilt werden. JPMorgan bestätigt 590 € und rechnet kurzfristig mit geringeren Naturkatastrophenschäden als ursprünglich eingeplant.
Barclays erwartet sogar 598 €. Die DZ Bank sieht einen fairen Wert von 625 €, was rund +14% Kurspotenzial bedeutet. Vorsichtiger bleiben Berenberg mit 565 €, UBS mit 515 € und RBC mit 500 €.
Die nächsten Quartalszahlen am 12. November könnten neue Hinweise liefern. Entscheidend bleibt vor allem, ob die Münchener Rück trotz des schwächeren Preisumfelds ihre hohe Profitabilität halten kann.
ℹ️ Münchener Rück in Kürze
- Die Münchener Rück (WKN: 843002) ist eine der größten Rückversicherungsgesellschaften weltweit. Neben dem Hauptgeschäft der Rückversicherung betreibt sie über ihre Tochter ERGO auch das Erstversicherungsgeschäft. Außerdem ist das Unternehmen im Asset Management tätig.
- Der Konzern agiert weltweit, der Hauptsitz befindet sich in München.
- Die im DAX gelistete Aktie wird an der Börse mit rund 69,7 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Für mich ist die Münchener Rück-Aktie bei rund 547 € fundamental fair bis leicht günstig bewertet. Die Ben-Graham-Formel zeigt zwar ein enormes theoretisches Potenzial, überschätzt meines Erachtens aber die Sicherheit des langfristigen Gewinnwachstums. Entscheidender finde ich die Bewertung von rund dem 10,5-Fachen des erwarteten Jahresgewinns, die starke Bilanz und die ambitionierten Ziele bis 2030. Ich halte die Aktie deshalb weiterhin für einen attraktiven langfristigen Kauf, auch wenn das kurzfristige Kurspotenzial begrenzt sein könnte.