Netflix-Aktie: Hat sie überhaupt noch Potenzial?
Drei Belastungsfaktoren
Es gibt gleich drei Faktoren, die momentan den Kurs der Netflix-Aktie belasten: Unruhe in der Chefetage, strukturelle Sorgen und Analystenherabstufungen.
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Ein Wechsel in der Chefetage
Netflix hat überraschend die Trennung von seiner langjährigen Chief Content Officer Bela Bajaria bekannt gegeben. Als Nachfolger wurde der ehemalige Disney- und Fox-Manager Peter Rice benannt. Solche plötzlichen, hochkarätigen Management-Veränderungen sorgen an der Börse kurzfristig oft für Verunsicherung, insbesondere, wenn gleichzeitig massive Stellenstreichungen angekündigt werden.
Netflix will 1.000 Jobs abbauen, das sind rund 6% der gesamten Belegschaft. Dabei handelt es sich um den größten Stellenabbau seit 2022. Das Management betont zwar, das Geschäft wachse weiterhin, doch der Schritt hinterlässt Fragen zur strategischen Ausrichtung.
Keine Informationen mehr
Gleichzeitig hat Netflix mit einem immer größeren Wettbewerb durch andere Streaming-Dienste und vor allem YouTube zu kämpfen. Der Streaming-Gigant veröffentlicht die Sehstunden seiner Abonnenten nur einmal jährlich.
Das erschwert Anlegern die laufende Einschätzung der Zuschauerentwicklung. Kurz vor den Quartalszahlen steigt damit die Nervosität an der Börse.
Die Kursziele purzeln
Hinzu kommen zum Teil massive Kurszielsenkungen der Netflix-Aktie durch Banken und Analysehäuser in den letzten Tagen und Wochen. Im September senkte die US-Großbank Wells Fargo ihren fairen Wert deutlich von 80 auf 57 US$. Sie sieht damit ein Downside von über -20% für die Netflix-Aktie.
Auch die britische Großbank HSBC schraubte ihr Kursziel für die Aktie erheblich von 96 auf 76 US$ herunter. Die Bank sieht den Streaming-Dienst damit auf dem aktuellen Kursniveau fair bewertet.
Auch die US-Bank KeyCorp senkte ihren Zielwert für die Netflix-Aktie von 92 auf 85 US$. Das Analysehaus Rosenblatt sieht mit einem Kursziel von 75 US$ ebenfalls kein Potenzial mehr für die Aktie. Lediglich die Analysten von BMO Capital sind mit einem fairen Wert von 125 US$ noch sehr bullisch in Bezug auf die weitere Kursentwicklung eingestellt.
Im Seitwärtstrend
Die Netflix-Aktie befindet sich seit mehr als drei Monaten in einem Seitwärtstrend. Bei 67 US$ scheint der Streaming-Titel einen Boden gefunden zuhaben. Bei 82 US$ hat die Aktie aber eine obere Begrenzung gefunden. Ich gehe in den kommenden Wochen von einer Fortsetzung der Kursbewegung in diesem Korridor aus.
Diese Bewertung lässt kein Upside zu
Wie die meisten Analysten sehe auch ich derzeit kein weiteres Upside in der Netflix-Aktie. Sie ist mir auf dem aktuellen Kursniveau zu hoch bewertet.
Das Forward-KGV von Netflix beträgt aktuell 19. Die prognostizierten Wachstumsraten liegen mit 13% (2026) und 11% (2027) deutlich darunter. Das bedeutet, dass der Markt Potenzial bei der Gewinnmarge einpreist. Dieses sehe ich hingegen nicht.
In Zeiten schwacher Konjunktur wird es Netflix meiner Einschätzung nach schwer haben, seine Preisschraube weiter nach oben zu drehen. Außerdem könnte sich das Wachstum im Werbegeschäft abflachen.
Dass Netflix keine unterjährigen Informationen mehr zur Entwicklung seiner Abonnentenzahlen und der Aktivität seiner Nutzer veröffentlicht, halte ich für ein Unding. Es erschwert Anlegern massiv die Einschätzung, ob der Streaming-Dienst noch wächst und den Geschmack seiner Nutzer trifft.
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ℹ️ Netflix in Kürze
- Mit über 300 Millionen Kunden ist Netflix (WKN: 552484) der weltgrößte Streaming-Anbieter für Filme und Serien.
- Das 1997 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz im kalifornischen Los Gatos.
- Netflix ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat einen Börsenwert von ca. 295 Milliarden US$.
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Fazit
Die große Wachstumsgeschichte von Netflix ist vorbei. Die Bewertung der Aktie reflektiert das Ende dieser Growth Story meiner Meinung nach aber nicht ausreichend.
Ich rate Anlegern deshalb von einem Kauf der Netflix-Aktie ab. Sie hat in meinen Augen derzeit kein großes Potenzial mehr.