JPMorgan hat die Nestle-Aktie am Freitag von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von 90 auf 100 Franken angehoben. Hinter dem Votum steht vor allem der Blick auf das Jahr 2027. Damit stellt sich die Frage: Beginnt für den Lebensmittelkonzern tatsächlich eine Neubewertung?
JPMorgan setzt auf 2027
Analystin Celine Pannuti erwartet laut der am Freitag vorliegenden Studie, dass Nestle im Jahr 2027 seine mittelfristigen Ziele erreichen wird. Genau dieser Zeitpunkt ist für die Hochstufung entscheidend. Das angehobene Kursziel stützt sich auf die Gewinnerwartungen für jenes Jahr, nicht auf die laufende Geschäftsentwicklung. JPMorgan setzt damit auf eine Erholungsgeschichte mit mehrjährigem Vorlauf.
Bewertung auf Mehrjahrestief
Den zweiten Baustein liefert die Bewertung. Rechnet man die Beteiligung an L'Oreal heraus, sind die Nestle-Papiere gemessen am KGV für 2027 so niedrig bewertet wie seit 15 Jahren nicht mehr. Für einen defensiven Konsumkonzern mit globaler Markenbasis ist das eine ungewöhnliche Ausgangslage, die üblicherweise Zweifel an der künftigen Gewinnentwicklung widerspiegelt.
Aus dieser Konstellation leitet JPMorgan die Chance auf eine Neubewertung am Markt ab. Der Hebel läge damit weniger im Gewinnwachstum selbst als in der Bereitschaft der Anleger, für Nestle wieder einen höheren Bewertungsaufschlag zu zahlen. Die Aktie müsste operativ also gar nicht überraschen, sondern lediglich die in Aussicht gestellten Mittelfristziele bestätigen.
Fazit
Wir halten das Argument der Analystin für schlüssig, es hängt aber vollständig an der Zielerreichung im Jahr 2027. Entscheidend wird sein, ob Nestle die eigenen Vorgaben mit konkreten Quartalszahlen untermauert. Ohne diesen Nachweis bleibt die niedrige Bewertung lediglich ein Hinweis auf anhaltende Skepsis am Markt. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, da das Kursziel von 100 Franken Luft nach oben signalisiert. Wer neu einsteigen möchte, könnte dagegen die kommenden Zahlen abwarten, um zu sehen, ob sich die Erholung operativ abzeichnet. Das Risiko liegt in der langen Wartezeit: Bis 2027 kann sich die Erwartungshaltung mehrfach drehen.
Quelle: dpa-AFX
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