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Autoaktien +2,3%: Bringt das deutsch-französische Auto-Paket jetzt Schwung rein?

Hoffnung für Autobauer
Redaktion | Börse

Der europäische Automobilsektor hat am Freitag kräftig Boden gutgemacht. Der Branchenindex aus dem Stoxx 600 gewann am späten Mittag 2,3% und setzte sich damit deutlicher von seinem in der Vorwoche markierten Sechsjahrestief ab. Rückenwind kommt von einer deutsch-französischen Einigung auf ein gemeinsames Auto-Paket. Damit stellt sich die Frage: Trägt diese politische Weichenstellung mehr als eine Tageserholung?

Berlin und Paris liefern

Deutschland und Frankreich haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen verständigt. Beide Seiten erklärten, man strebe eine deutliche Senkung der CO2-Emissionen an und stärke zugleich Europas Kapazitäten für Entwicklung und Fertigung der nächsten Generation von Elektrofahrzeugen. Bundeskanzler Friedrich Merz wertet die Einigung als Investitionssignal an die Industrie. Das EU-weite Verbot von Verbrennungsmotoren soll dabei wohl noch stärker gelockert werden als bisher vorgesehen.

Das Centrum für Europäische Politik sieht in mehr Flexibilität bei den CO2-Flottengrenzwerten für Pkw ein wichtiges Signal zur finanziellen Unterstützung der europäischen Automobilindustrie beim Umstieg auf Elektromobilität. Für die Hersteller geht es dabei um handfeste Beträge. Strenge Grenzwerte bedeuten bei Verfehlung Strafzahlungen und zwingen zu einem Produktmix, der sich kaum an der tatsächlichen Nachfrage ausrichten lässt. Mehr Spielraum entlastet damit direkt die Kostenseite und verschafft den Konzernen Zeit beim Hochlauf der Elektromodelle.

Zykliker zurück im Spiel

Klassische Industriebranchen waren vor dem Wochenende generell gefragt. Marktexperte Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG verwies darauf, dass sich das klassische Branchenprofil in diesen Tagen auszahle, auch wenn Industrie, Chemie und Automobile weniger Zukunftsfantasie versprühten. Er bezog sich damit auf die geringere Abhängigkeit des Dax von Technologiewerten sowie auf den Ausverkauf zur Wochenmitte bei KI- und Halbleiteraktien, den die jüngsten US-Inflationsdaten und Zinssorgen ausgelöst hatten.

Bei den Einzelwerten führten im Dax die Vorzüge von Volkswagen mit einem Plus von +3,9% das Feld der Hersteller an, BMW und Mercedes legten jeweils um die dreieinhalb Prozent zu. Noch stärker reagierten die Zulieferer im MDax: Aumovio gewann 5,8%, Schaeffler 4,9%. Dass die zweite Reihe die Hersteller übertrifft, passt zum Muster solcher Erholungsbewegungen, denn im Abschwung werden Zulieferer meist härter abgestraft und schlagen bei positiven Nachrichten entsprechend heftiger aus.

Fazit

Ein Index, der aus einem mehrjährigen Tief heraus an einem einzigen Tag so deutlich anzieht, zeigt vor allem, wie niedrig die Erwartungen an den europäischen Autosektor zuletzt lagen. Die deutsch-französische Initiative nimmt Druck von der Kostenseite, löst aber weder die Nachfrageschwäche noch den Wettbewerbsdruck. Aus unserer Sicht handelt es sich bislang um eine politische Absichtserklärung, deren Wirkung von der konkreten Ausgestaltung auf EU-Ebene abhängt. Entscheidend wird sein, ob aus der angekündigten Lockerung verbindliche Regeln werden, die den Herstellern Planungssicherheit geben. Bis dahin könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus beobachten, zumal Erholungen aus mehrjährigen Tiefs erfahrungsgemäß schnell wieder verpuffen. Wer bereits investiert ist, könnte die Position halten und die weiteren Beschlüsse abwarten.

Quelle: dpa-AFX

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