2G Energy-Aktie -15%: Sind jetzt 91 € oder nur 39 € drin?
2G Energy: Warum die Aktie so stark einbricht
Auslöser der jüngsten Verkaufswelle war unter anderem eine kritische Analyse von Parmantier & Cie. Das Researchhaus bestätigte am Donnerstag seine Verkaufsempfehlung und das Kursziel von 39 €.
Die Skepsis ist durchaus nachvollziehbar. Im ersten Halbjahr sank der Umsatz um rund -20% auf 136 Millionen €. Das operative Ergebnis brach von 5,7 auf nur noch 0,8 Millionen € ein. Die EBIT-Marge erreichte lediglich 0,6% nach 3,3% im Vorjahreszeitraum.
Besonders kritisch: Um die bestätigte Jahresprognose zu erreichen, müsste 2G Energy laut Parmantier rund 98% seines geplanten Jahres-EBIT erst im zweiten Halbjahr erwirtschaften. Verzögerungen bei der Auslieferung könnten die Zielerreichung entsprechend gefährden.
Hinzu kommen Fragen zur Finanzierung eines Großauftrags des US-Kunden Energy Vault. Während 2G von einer erheblichen Anzahlung berichtet, verweist Parmantier auf zunächst dokumentierte Reservierungsgebühren von 17 Millionen US$. Ob die unterschiedlichen Angaben auf einen tatsächlichen Widerspruch hindeuten, ist bislang nicht abschließend geklärt.
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Das operative Wachstum bleibt beeindruckend
Trotz der schwachen Halbjahreszahlen spricht einiges dafür, dass sich 2G Energy tatsächlich in einer starken Wachstumsphase befindet. Allein im dritten Quartal übertraf der Auftragseingang 400 Millionen €.
Ein wesentlicher Treiber sind Rechenzentren. Diese benötigen eine zuverlässige Stromversorgung, während die verfügbare Netzinfrastruktur vielerorts an ihre Grenzen stößt. 2G liefert hierfür dezentrale Kraftwerkslösungen, die unabhängig vom klassischen Netzausbau eingesetzt werden können.
Erst im September sicherte sich das Unternehmen einen Großauftrag über 275 Megawatt. Das Volumen übersteigt die gesamte Anlagenproduktion des Jahres 2025.
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Entsprechend optimistisch fällt die mittelfristige Planung aus. Für 2026 erwartet das Management rund 490 Millionen € Umsatz bei einer EBIT-Marge zwischen 9,5 und 10,5%. Im kommenden Jahr sollen die Erlöse auf 600 bis 650 Millionen € steigen. Für 2028 stehen bereits 750 bis 850 Millionen € im Raum.
Die entscheidende Frage lautet deshalb weniger, ob genügend Nachfrage existiert. Vielmehr muss 2G beweisen, dass die hohen Bestellungen tatsächlich termingerecht und profitabel abgearbeitet werden können.
Bewertung und Kursziele: Fast 100% Potenzial?
Nach dem jüngsten Absturz liegt die Marktkapitalisierung bei rund einer Milliarde €. Damit wird 2G Energy ungefähr mit dem Doppelten des für 2026 erwarteten Umsatzes bewertet. Bezogen auf die Umsatzprognose für 2028 reduziert sich dieses Verhältnis auf etwa 1,3.
Sollten die Wachstumsziele erreicht und die Margen weiter verbessert werden, könnte diese Bewertung langfristig durchaus attraktiv sein. Allerdings ist der starke Gewinnanstieg noch nicht bewiesen.
Die Analysten sind entsprechend uneinig. Während Parmantier mit 39 € weiteres Abwärtspotenzial sieht, liegt das Kursziel von Metzler bei 75 €. First Berlin erwartet 83 €, Cantor Fitzgerald 90 € und Berenberg sogar 91 €.
Gemessen am letzten Schlusskurs würde das optimistischste Szenario ein Aufwärtspotenzial von nahezu +95% bedeuten. Selbst das Metzler-Kursziel liegt rund +60% über dem aktuellen Niveau.
ℹ️ 2G Energy in Kürze
- 2G Energy AG (WKN: A0HL8N) ist ein Spezialist im Bereich der dezentralen Energieerzeugung mittels Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) in Blockheizkraftwerken (BHKW).
- Neben dem Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Heek unterhält das Unternehmen fünf weitere Standorte in Europa und ist in 50 Ländern tätig.
- Die Aktie ist im Scale-Segment gelistet und die Marktkapitalisierung liegt bei 855 Millionen €.
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Fazit
Die 2G Energy-Aktie ist nach dem Kurssturz deutlich interessanter geworden. Die schwachen Halbjahreszahlen und die ambitionierte Jahresprognose sollte man aber keineswegs ignorieren. Ich halte das langfristige Wachstumspotenzial durch Rechenzentren für überzeugend und sehe die Aktie auf dem aktuellen Niveau als spekulative Kaufchance. Entscheidend wird sein, ob 2G seine beeindruckenden Auftragseingänge auch in steigende Gewinne verwandeln kann.