ASML-Aktie +3%: Tragen die Zahlen die 600-Milliarden-Bewertung?
Die ASML-Aktie legte am Mittwoch im Vormittagshandel in Amsterdam gut 3% zu, nachdem der Chipausrüster seine Quartalszahlen vorgelegt hatte. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus damit auf rund 69%, und mit etwa 600 Milliarden € Börsenwert ist das Unternehmen die mit Abstand schwerste Aktie der Eurozone. Reicht die Nachfrage aus dem KI-Geschäft aus, um diese Bewertung weiter zu tragen?
Kapazität wird knapp
Der Umsatz kletterte im dritten Quartal von 9,3 Milliarden € im Vorquartal auf knapp 11,7 Milliarden €. Die Bruttomarge verbesserte sich um 3,5 Prozentpunkte auf 57,5%, unter dem Strich blieben knapp fünf Milliarden € hängen nach fast drei Milliarden € im Quartal zuvor. Für das Schlussquartal stellt der Konzern Erlöse zwischen 14,2 und 15,2 Milliarden € bei einer Bruttomarge von rund 57% in Aussicht.
Schwerer als das abgelaufene Quartal wiegt die Aussage von Konzernchef Christophe Fouquet zur Kapazität. Das derzeit für 2027 und 2028 geplante Angebot werde die Kundennachfrage nach seiner Einschätzung nicht vollständig decken. ASML prüft deshalb, die Kapazität für 2028 über die bereits angekündigte Steigerung von 30% hinaus auszubauen. Einzelne Kunden hätten sogar Interesse signalisiert, bereits Bestellungen für 2029 und 2030 zu platzieren.
Lange Vorlaufzeiten geben Sicherheit
Diese Signale haben Gewicht, weil zwischen Bestellung und Auslieferung der Lithografieanlagen mehr als ein Jahr vergeht. ASML ist weltweit der einzige Hersteller der hochentwickelten Maschinen, mit denen sich die Chips für das Training von KI-Modellen fertigen lassen. Die Zahlen des Konzerns liefern damit indirekt Aufschluss über die Investitionspläne von Chipherstellern wie TSMC, Samsung oder Intel.
Für das laufende Jahr erwartet das Management inzwischen bei Umsatz und Profitabilität jeweils das obere Ende seiner Spannen. 2026 sollen die Erlöse 44 bis 45 Milliarden € erreichen bei einer Bruttomarge von rund 56%. Zuvor hatte das untere Ende der Umsatzspanne noch bei 43 Milliarden € gelegen, die Margenprognose bei 54 bis 56%. Es ist bereits die mehrfache Anhebung der Ziele in diesem Jahr.
Zweifel am KI-Boom bleiben
Die Analystenhäuser lesen die Zahlen unterschiedlich. Janardan Menon von Jefferies sieht das dritte Quartal weitgehend im Rahmen der Erwartungen und hatte die Kapazitätserhöhung bereits erwartet. Er rechnet damit, dass die Bewertungskennzahlen von ASML und der gesamten Branche zyklisch weiter sinken werden. JPMorgan dagegen bewertet die Zahlen und den Ausblick auf das vierte Quartal als besser als prognostiziert.
Ein praktisches Risiko liegt in der Abwicklung selbst. Investoren fragen, ob ASML die Aufträge in dieser Hochphase überhaupt bewältigen kann. Der Konzern verkürzt dafür die Durchlaufzeit zwischen Produktionsbeginn im Reinraum und Auslieferung und hat mit dem Bau eines zweiten Industriestandorts in den Niederlanden begonnen, dessen erste Phase 2029 fertig sein soll. Parallel hinterfragen Branchenvertreter zunehmend die Dauerhaftigkeit des KI-Booms, weshalb Chipwerte in dieser Woche erneut unter Druck standen.
Fazit
Für uns bleibt ASML der Engpass der gesamten KI-Lieferkette, und genau das zeigt die Ansage, die Kapazität für 2028 nochmals aufstocken zu wollen. Anfragen für Liefertermine in den Jahren 2029 und 2030 sind ein stärkeres Signal als jede Quartalszahl. Allerdings hat die Aktie nach dem kräftigen Kursplus seit Jahresbeginn viel von dieser Zuversicht bereits vorweggenommen, und die von Jefferies erwartete zyklische Abwertung der Branche ist kein Randrisiko. Entscheidend dürfte sein, ob die Auftragsdynamik auch dann anhält, wenn die großen Chiphersteller ihre KI-Investitionen erstmals zurückfahren. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, während ein Neueinstieg auf diesem Niveau aus unserer Sicht eher Geduld als Eile erfordert.
Quelle: dpa-AFX
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