Johnson & Johnson-Aktie -6%: Ist der Absturz übertrieben?
MedTech enttäuscht zum zweiten Mal
Der Konzernumsatz stieg um +5,9% auf 25,4 Milliarden US$ und übertraf damit die Konsensschätzung von 25,28 Milliarden US$. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 2,59 US$ ebenfalls 0,05 US$ über den Erwartungen.
Der Schwachpunkt war jedoch erneut das MedTech-Geschäft. Die Erlöse verbesserten sich lediglich um +2,5% auf 8,64 Milliarden US$, während Analysten mit 8,71 Milliarden US$ gerechnet hatten. Außerhalb der USA stagnierte der Umsatz praktisch. Damit verfehlte der Geschäftsbereich bereits im zweiten Quartal nacheinander die Markterwartungen.
Das Management nennt geringere Gesundheitsausgaben im Nahen Osten, Sparmaßnahmen in Europa und den Preisdruck in China als Belastungsfaktoren. Hinzu kommen hausgemachte Schwierigkeiten bei der Herzpumpe Impella und in Teilen des Chirurgiegeschäfts.
Johnson & Johnson will deshalb das langsamer wachsende Orthopädiegeschäft DePuy Synthes bis Mitte 2027 abspalten. Dadurch könnte sich der verbleibende MedTech-Bereich stärker auf Herz-Kreislauf-Produkte, Robotik und margenstärkere Technologien konzentrieren. Kurzfristig verursacht die Trennung allerdings Kosten und zusätzliche Unsicherheit.
Pharmageschäft fängt die Schwäche auf
Deutlich überzeugender entwickelte sich die Pharmasparte. Die Erlöse stiegen um +7,7% auf 16,76 Milliarden US$. Besonders stark schnitt das Immunpräparat Tremfya ab, dessen Umsatz um +68% auf rund 2,4 Milliarden US$ sprang.
Das Wachstum ist wichtig, denn der frühere Blockbuster Stelara verliert aufgrund der Konkurrenz durch Nachahmerprodukte rapide an Bedeutung. Sein Quartalsumsatz brach um -54% auf 716 Millionen US$ ein. Bislang gelingt es Johnson & Johnson jedoch, diesen Rückgang durch Tremfya, Darzalex, Caplyta und neuere Krebstherapien mehr als auszugleichen.
Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern jetzt Erlöse von rund 101,2 Milliarden US$ und einen bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 11,05 und 11,15 US$. Beide Prognosen wurden leicht erhöht. Beim freien Cashflow stellt das Management etwa 21 Milliarden US$ in Aussicht.
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Milliardenbelastung durch den Talkum-Streit
Der ausgewiesene Quartalsgewinn brach dennoch von 5,15 Milliarden auf lediglich 210 Millionen US$ ein. Verantwortlich waren vor allem Sonderbelastungen für die geplante Beilegung der Talkum-Klagen sowie Ausgaben für Übernahmen und Kooperationen.
Johnson & Johnson hat 5,5 Milliarden US$ angeboten, um einen Großteil der verbliebenen Klagen wegen angeblich krebserregender Talkumprodukte beizulegen. Voraussetzung ist, dass mindestens 95% der betroffenen Kläger zustimmen. Laut Management entwickelt sich die Zustimmung bislang in die gewünschte Richtung.
Ein erfolgreicher Abschluss würde ein langjähriges Risiko zumindest deutlich reduzieren. Vollständig beseitigt ist die juristische Unsicherheit jedoch noch nicht.
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Bewertung bietet noch keinen großen Puffer
Auf Grundlage des angehobenen Gewinnziels wird die Aktie mit dem rund 22-Fachen des erwarteten Jahresgewinns bewertet. Das ist für einen defensiven Gesundheitskonzern mit verlässlichem Wachstum vertretbar, aber noch kein Schnäppchen.
Die jährlich hochgerechnete Dividende von 5,36 US$ entspricht beim aktuellen Kurs einer Rendite von rund 2,2%. Johnson & Johnson hat seine Ausschüttung seit mehr als 60 Jahren in Folge erhöht. Der Analystenkonsens von knapp 279 US$ signalisiert nach dem Kursrutsch etwa +12% Potenzial.
ℹ️ Johnson & Johnson in Kürze
- Johnson & Johnson (WKN: 853260) mit Sitz in New Brunswick im US-Bundesstaat New Jersey ist einer der größten Medtech- und Pharmakonzerne der Welt.
- Der Konzern operiert in den beiden Geschäftsbereichen Innovative Medicine (Pharma) und MedTech (Medizintechnik).
- J & J ist einer der weltweit führenden Anbieter von Therapien in der Onkologie und Immunologie. Das MedTech-Segment umfasst vor allem Produkte und Leistungen in den Bereichen Chirurgie und Orthopädie.
- Johnson & Johnson ist Mitglied im Dow Jones Industrial-Index. Mit einer Marktkapitalisierung von 599 Milliarden US$ gehört J & J zu den 20 wertvollsten Unternehmen der Welt.
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Fazit
Der Kursrutsch ist angesichts der zweiten MedTech-Enttäuschung und der zuvor hohen Erwartungen nachvollziehbar, wirkt mit fast -6% aber etwas überzogen. Das Pharmageschäft wächst stark, die Prognose steigt und der Cashflow bleibt robust. Für langfristige Anleger ist Johnson & Johnson auf diesem Niveau wieder interessanter – wegen der weiterhin ambitionierten Bewertung und der offenen Rechtsrisiken würde ich jedoch nur gestaffelt einsteigen.