LVMH-Aktie: Ist sie nach den schwachen Zahlen jetzt zu billig?
Die LVMH-Aktie gibt am Dienstag um 1,8% nach und setzt damit eine Talfahrt fort, die den Kurs seit Jahresbeginn beinahe halbiert hat. Mit den Quartalszahlen hat der französische Luxuskonzern den gesamten europäischen Luxussektor mit nach unten gezogen. Damit stellt sich die Frage: Ist die Schwäche bei LVMH ein Einstiegssignal oder erst der Anfang einer längeren Durststrecke?
Quartalszahlen enttäuschen erneut
LVMH hat die Erwartungen des Marktes verfehlt. Marktanalyst Andreas Lipkow vom Broker CMC Markets verweist darauf, dass der Konzern mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen nicht erfüllen konnte. Als Belastungsfaktor macht er die anhaltende Konsumschwäche in China aus, die nach seiner Einschätzung auch andere europäische Luxus- und Konsumwerte unter Druck setzt.
Die Analysten der Deutschen Bank formulieren es schärfer: Dem Konzern sei es gelungen, selbst die bereits niedrig gehängten Erwartungen zu unterschreiten. Entsprechend rechnen sie mit weiter sinkenden Konsensschätzungen. Kurzfristig erwarten sie keine Wende, auch wenn sich die Bewertung der Aktie bereits im Bereich der historischen Tiefs bewege. Das Chance-Risiko-Verhältnis stufen sie dennoch als positiv ein, weil sie die Schwäche eher als zyklisch denn als strukturell einordnen.
Der Sektor zieht mit
Die Reaktion blieb nicht auf LVMH beschränkt. Hermès International, Kering und Richemont gaben am Dienstag sogar deutlicher nach als LVMH selbst, und das in einem leicht anziehenden Gesamtmarkt. Diese relative Schwäche deutet darauf hin, dass Anleger die Zahlen als Beleg für eine branchenweite Nachfrageflaute lesen und weniger als hausgemachtes Problem eines einzelnen Konzerns.
Für das Geschäft von LVMH ist der chinesische Markt die entscheidende Variable. Bleibt die Kaufzurückhaltung dort bestehen, trifft das Umsatz und Margen gleichermaßen, weil die hohen Fixkosten der Markenpflege und des Filialnetzes bestehen bleiben. Sinkende Konsensschätzungen bedeuten zudem, dass die Messlatte für die kommenden Quartale zwar niedriger liegt, der Kurs aber zunächst ohne positiven Katalysator auskommen muss.
Bewertung nahe historischen Tiefs
Nach dem Kursverfall seit Jahresbeginn liegt die Bewertung der Aktie laut Deutscher Bank im Bereich der historischen Tiefs. Günstig allein ist aus unserer Sicht jedoch kein Kaufargument, solange die Gewinnschätzungen noch nach unten laufen. Erfahrungsgemäß wirkt ein niedriges Bewertungsniveau erst dann als Kurstreiber, wenn der Abwärtstrend bei den Schätzungen endet.
Fazit
Wir sehen bei LVMH einen zyklischen Rückschlag und kein kaputtes Geschäftsmodell, womit wir der Argumentation der Deutschen Bank folgen. Gegen einen schnellen Einstieg spricht allerdings, dass weitere Schätzungssenkungen den Kurs erneut belasten könnten. Entscheidend dürfte sein, ob sich die Konsumlaune in China stabilisiert, denn ohne diesen Impuls fehlt der Aktie der Auslöser für eine Trendwende. Für bestehende Anleger mit langem Anlagehorizont könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten. Ein Nachkauf erschiene uns erst dann interessant, wenn die Analystenschätzungen nicht weiter fallen und sich der Kurs über mehrere Wochen stabilisiert.
Quelle: dpa-AFX
LVMH kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über LVMH und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
LVMH weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »