Moderna-Aktie: +14% an einem Tag – was treibt den Kurs?
Moderna hat am Freitag einen der stärksten Handelstage des Jahres hingelegt. Die Aktie sprang um +14,2% auf 225 US$ und markierte damit gleichzeitig ein neues 52-Wochen-Hoch. Rückenwind kam von neuen Plänen aus den USA rund um personalisierte Krebsimpfstoffe und ausgerechnet am selben Tag kehrte Moderna auch noch in den Nasdaq 100 zurück.
Bei Krebsimpfstoffen wird es für Moderna immer ernster
Auslöser für den jüngsten Schub waren neue Details zu einem geplanten US-Programm, das die Entwicklung personalisierter Krebsimpfstoffe beschleunigen soll. Die National Institutes of Health wollen dabei mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen zusammenarbeiten und das Thema breiter vorantreiben. Moderna gehört zwar bislang nicht als fest benannter Auftragnehmer zu diesem Programm, sitzt mit seiner eigenen Entwicklung aber ziemlich nah an dem Bereich, um den es dabei geht.
Gemeinsam mit Merck entwickelt Moderna bereits den personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff Intismeran autogene. Dafür wird zunächst das Tumorgewebe eines Patienten untersucht und anschließend eine individuell zugeschnittene mRNA-Therapie hergestellt. Sie soll dem Immunsystem zeigen, welche Merkmale der Tumorzellen es angreifen soll.
Das Ganze ist längst nicht mehr nur ein frühes Forschungsprojekt. Im August meldeten Moderna und Merck positive Phase-3-Daten bei Patienten mit operiertem Melanom. Intismeran autogene wurde dabei zusammen mit Keytruda getestet und erreichte sowohl beim rückfallfreien Überleben als auch bei der Zeit bis zum Auftreten entfernter Metastasen die beiden wichtigen Studienziele. Für Moderna war das ein ziemlich großer Schritt, weil damit erstmals eine große Phase-3-Studie gezeigt hat, dass die personalisierte mRNA-Technologie auch in der Krebsmedizin funktionieren kann.
Entsprechend schnell springt die Aktie inzwischen an, sobald es neue Meldungen rund um personalisierte Krebsimpfstoffe gibt. Anleger wetten hier nicht mehr nur auf ein einzelnes Medikament, sondern darauf, dass Moderna nach dem Corona-Geschäft einen zweiten großen Markt mit seiner mRNA-Plattform erschließen kann.
Einen neuen Milliardenauftrag durch das geplante US-Programm gibt es allerdings noch nicht. Der Kurs handelt derzeit vor allem die Aussicht darauf, dass personalisierte Krebsimpfstoffe politisch und finanziell mehr Unterstützung bekommen und Moderna mit seinem bereits weit fortgeschrittenen Programm davon profitieren könnte.
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Die nächste Bewährungsprobe liegt schon im Kalender
Lange warten muss man auf neue Daten ohnehin nicht. Am 24. Oktober sollen beim europäischen Krebskongress ESMO die ausführlicheren Ergebnisse der Melanom-Studie vorgestellt werden.
Bislang ist bekannt, dass die Studie ihre beiden wesentlichen Ziele erreicht hat. Auf dem Kongress wird nun wesentlich genauer zu sehen sein, wie groß der Vorteil gegenüber Keytruda allein ausgefallen ist und wie sich die Ergebnisse auf verschiedene Patientengruppen verteilen.
Nach dem Lauf der Aktie hat dieser Termin inzwischen ein ganz anderes Gewicht als noch vor einigen Monaten. Moderna ist 2026 um mehr als 600 % gestiegen und wird an der Börse inzwischen fast vollständig über die Chancen der Pipeline bewertet.
Das alte Bild vom Corona-Impfstoffhersteller passt damit kaum noch. Anleger schauen inzwischen auf Krebs, seltene Erkrankungen und weitere mRNA-Anwendungen und versuchen abzuschätzen, wie viel davon irgendwann ein echtes Milliardenprodukt werden kann.
Am Freitag musste außerdem ein ganzer Haufen Fonds kaufen
Zum Kurssprung gehört aber noch ein zweiter Punkt, der mit Krebsforschung erstmal wenig zu tun hat. Seit dem 9. Oktober ist Moderna wieder Mitglied im Nasdaq 100 und ersetzt dort Warner Bros. Discovery.
Das sorgt automatisch für Bewegung. Mehr als 200 Anlageprodukte mit zusammen über 800 Milliarden US$ orientieren sich laut Nasdaq an diesem Index. ETFs und andere Fonds, die ihn möglichst exakt nachbilden, müssen bei einer Änderung entsprechend umschichten. Moderna bekam damit rund um die Aufnahme zusätzliche Nachfrage, unabhängig davon, ob ein Fondsmanager die Aktie persönlich gerade günstig oder teuer findet.
Am Freitag liefen deshalb mehrere Dinge ineinander. Die Meldungen rund um das US-Krebsimpfstoffprogramm brachten die Onkologie-Story wieder nach vorne, während die Nasdaq-Aufnahme zusätzlich für Käufe sorgte. Mit fast 29 Millionen gehandelten Aktien lag das Volumen auch deutlich über dem Durchschnitt.
Viele Analysten stehen inzwischen weit unter dem Kurs
Etwas kurios wird es beim Blick auf die Kursziele. Während Moderna bei 225 US$ geschlossen hat, liegen viele Analysten mit ihren Schätzungen mittlerweile weit darunter.
Bank of America erhöhte ihr Ziel am 9. Oktober zwar von 170 auf 200 US$, bleibt aber bei einer neutralen Einschätzung. RBC sieht 130 US$, Morgan Stanley 95 US$ und Citi nach seiner Abstufung auf „Sell“ lediglich 80 US$.
Das muss nicht automatisch heißen, dass die Aktie zu teuer ist. Es zeigt eher, wie schnell der Markt seine Erwartungen in den vergangenen Monaten nach oben geschraubt hat. Viele Bewertungsmodelle stammen noch aus einer Phase, in der Moderna vor allem mit schrumpfenden Covid-Umsätzen verbunden wurde. Heute hängt ein großer Teil der Bewertung daran, was aus Intismeran autogene und dem restlichen Krebsportfolio werden könnte.
Und da liegt auch der Haken an der aktuellen Rallye. Solange immer neue Daten die Onkologie-Story stützen, kann der Markt solche hohen Erwartungen weiter tragen. Bei schwächeren Daten fällt die Fallhöhe nach einem Anstieg von mehr als 600 % allerdings entsprechend größer aus.
ℹ️ Moderna in Kürze
- Moderna (WKN: A2N9D9) ist ein in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts ansässiges Biotech-Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von mRNA-basierten Arzneimitteln konzentriert.
- Weltweite Bekanntheit erlangte der Wirkstoffhersteller durch die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Covid-19.
- Moderna fokussiert sich sich in der Forschung und Entwicklung auf personalisierte Impfstoffe und Therapeutika gegen Krebs und seltene Erkrankungen wie Methylmalonazidurie und Propionazidämie.
- Moderna notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist rund 89,83 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Der Sprung vom Freitag war nicht einfach irgendein Biotech-Hype. Moderna arbeitet bereits an einem weit fortgeschrittenen personalisierten Krebsimpfstoff, die Phase-3-Studie hat ihre wichtigen Ziele erreicht und in den USA soll das gesamte Forschungsfeld nun stärker angeschoben werden. Dazu kam mit der Nasdaq-100-Aufnahme noch zusätzlicher Kaufdruck von Fonds. Richtig interessant wird es deshalb schon wieder am 24. Oktober. Dann legt Moderna die ausführlicheren Melanom-Daten vor. Bei 225 US$ hat der Kurs inzwischen ordentlich vorgelegt, jetzt bekommt der Markt Material, mit dem er prüfen kann, ob die Krebs-Story diesen Vorschuss auch weiter rechtfertigt.
Tipp: Mitglieder des auf Biotech-Aktien spezialisierten No Brainer Club kommen derzeit aus dem Feiern nicht mehr raus. Du möchtest das Mastermind hinter den NBC-Empfehlungen kennenlernen? Dann sichere Dir jetzt den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.