Deutsche Telekom-Aktie: Ist das die Chance des Jahres?
SpaceX-Schock erschüttert den Telekom-Sektor
Die Nachricht hat es in sich: SpaceX hat mit Grain Management eine Vereinbarung über den Erwerb eines Frequenzportfolios im 800-Megahertz-Band geschlossen. Der Deal wird mit rund acht Milliarden US$ bewertet und umfasst bis zu 14 Megahertz gepaarter Frequenzen. Noch fehlt die Zustimmung der US-Telekommunikationsaufsicht FCC. Dennoch ist die Botschaft an die etablierten Anbieter eindeutig: Elon Musk will Starlink Mobile offenbar stärker auf eigene Beine stellen.
Die Kombination aus Satelliten, zusätzlichen Frequenzen und terrestrischer Infrastruktur könnte SpaceX den Weg zu einem landesweiten Mobilfunkangebot ebnen. Entsprechend heftig fiel die Reaktion an der Börse aus. T-Mobile US verlor zeitweise rund +7%, auch AT&T und Verizon gerieten kräftig unter Druck. Die Telekom-Aktie sackt im frühen Freitagshandel ebenfalls deutlich ab und fällt zeitweise auf rund 24,60 € – den tiefsten Stand seit Anfang Juli.
Für den Bonner Konzern ist das mehr als ein gewöhnlicher Branchenschreck. T-Mobile US gehört zu den wichtigsten Ertragssäulen des Konzerns. Ein neuer Wettbewerber könnte langfristig die Preise unter Druck setzen und die hohen Margen gefährden.
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Milliardenpläne treffen auf technische Grenzen
Allerdings sollte man die Pläne von SpaceX nicht mit einem bereits funktionierenden Konkurrenznetz verwechseln. Die Frequenzen müssen regulatorisch freigegeben werden, und ein flächendeckendes Mobilfunkangebot erfordert erhebliche Investitionen. Insbesondere die Versorgung innerhalb von Gebäuden und in dicht besiedelten Städten bleibt eine Herausforderung.
Erste Marktkommentare halten den Kursrutsch deshalb für übertrieben. Morgan Stanley sieht zudem Chancen für Betreiber von Mobilfunkmasten wie American Tower und Crown Castle, falls SpaceX für den Ausbau zusätzliche Standorte benötigt. Der tatsächliche Wettbewerbsdruck könnte somit langsamer entstehen, als die Börse derzeit befürchtet.
KI-Investorentag: Die Telekom hat eigene Hebel
Abseits des SpaceX-Schocks arbeitet der Konzern an seiner operativen Zukunft. Beim KI-Investorentag stellte das Management Einsparungen von rund 2,5 Milliarden € bei den indirekten Kosten bis 2030 gegenüber 2023 in Aussicht. Gleichzeitig soll das KI-Geschäft mit Unternehmenskunden außerhalb der USA wachsen: Für 2026 sind rund 250 Millionen € Umsatz geplant, bis 2030 etwa 800 Millionen €.
Das sind ambitionierte Ziele. Entscheidend wird sein, ob Automatisierung und neue Softwareangebote tatsächlich die Profitabilität verbessern. Deutsche Bank Research bekräftigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 40 €. UBS bleibt ebenfalls bei „Buy“ und nennt 35,10 € als Zielmarke. Beide Kursziele liegen deutlich über dem aktuellen Niveau, im Durchschnitt sehen Analysten die Aktie mit 35,91 € fair bewertet.
Bewertung und Charttechnik sprechen für Geduld
Der Kurssturz verschärft das charttechnische Bild zunächst erheblich. Die Unterstützung bei 25,55 € wurde durchbrochen. Zwischen 24,50 und 24,60 € liegt eine erste mögliche Auffangzone; darunter rückt das 52-Wochen-Tief bei 23,53 € in den Fokus.
Gleichzeitig ist der Rücksetzer bis an die 50-Monats-Linie bemerkenswert. Dieser langfristige Durchschnitt hat sich seit Ende 2020 wiederholt als wichtige Unterstützung erwiesen. Sowohl im März 2022 als auch in den Sommermonaten markierte er einen Wendepunkt. Dass die Aktie nun erneut in diesen Bereich zurückfällt, macht die Zone für langfristige Anleger besonders interessant – auch wenn vergangene Unterstützungen keine Garantie für eine erneute Trendwende sind.
Hinzu kommt die Bewertung: Nach dem Kursrutsch liegt das erwartete KGV für 2027 den vorliegenden Schätzungen zufolge unter 10, während die prognostizierte Dividendenrendite auf über 4% steigt. Auch das könnte den Titel für langfristige Investoren wieder attraktiver machen.
ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze
- Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
- Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
- Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt etwa 120 Milliarden €.
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Fazit
Ich sehe die aktuelle Schwächephase daher durchaus auch als große Chance. Natürlich ist SpaceX ein ernstzunehmender potenzieller Wettbewerber. Doch zwischen einem milliardenschweren Frequenzkauf und einem profitablen, landesweiten Mobilfunknetz liegen regulatorische, technische und finanzielle Hürden. Die Börse preist mögliche Risiken bereits ein, die sich so noch gar nicht materialisiert haben.
Für mich wird entscheidend, ob die langfristige Unterstützung hält und das Management seine operativen Ziele bestätigt. Kurzfristig sind weitere Ausschläge möglich. Rückblickend könnte sich der heutige Pessimismus jedoch als überzogen erweisen. Wer einen mehrjährigen Anlagehorizont mitbringt, sollte die Telekom deshalb nicht vorschnell abschreiben. Die nächsten wichtigen Hinweise liefert der Quartalsbericht am 5. November.
Anknüpfend daran: In Top 10 Dividenden Picks 2026 werden zehn Dividenden-Aktien vorgestellt, die durch ihre Kombination aus regelmäßigen Ausschüttungen und Aufwärtspotenzial besonders interessante Investmentchancen darstellen.