Rheinmetall-Aktie: Ist ein Investment gegen die Börsenstimmung sinnvoll?
Berenberg Bank wird deutlich vorsichtiger
Die Privatbank Berenberg hat ihre Einschätzung zur Rheinmetall-Aktie deutlich gesenkt. Analyst George McWhirter reduzierte das Kursziel von 1.600 auf 1.020 € und stufte die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ herab. Als Begründung führte er Unsicherheiten bei den mittelfristigen Wachstumsperspektiven an. Um auch über 2030 hinaus weiter wachsen zu können, seien deutlich mehr Aufträge erforderlich
Das neue Kursziel liegt zwar über dem aktuellen Kursniveau, die drastische Reduzierung dürfte dennoch für Verunsicherung sorgen.
Andere Analysten bleiben hingegen optimistisch. Jefferies und die Deutsche Bank halten an ihren positiven Einschätzungen fest. Die Deutsche Bank sieht den fairen Wert der Aktie bei 1.800 € und geht davon aus, dass Rheinmetall seine Ziele für das laufende Geschäftsjahr erreichen kann.
Ein wichtiger Faktor bleibt der erwartete Großauftrag der Bundeswehr über rund 12 Milliarden €. Die Vergabe wird für Dezember erwartet. Sollte der Auftrag wie geplant zustande kommen, wäre das ein wichtiges Signal für die weitere Geschäftsentwicklung.
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Spannung vor den nächsten Quartalszahlen
Operativ läuft es bei Rheinmetall weiterhin ausgesprochen gut. Es ist daher davon auszugehen, dass sich das starke Wachstum auch im dritten Quartal fortgesetzt hat.
Im zweiten Quartal stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 69% auf rund 3,3 Milliarden €; im ersten Quartal hatte er noch bei 1,9 Milliarden € gelegen.
Das operative Ergebnis erhöhte sich im zweiten Quartal um 115% auf 562 Millionen €. Daraus ergab sich eine operative EBIT-Marge von 17,1%. Im Vorquartal hatte das operative Ergebnis 224 Millionen € betragen, die Marge lag bei 11,6%.
Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Rheinmetall das hohe Wachstumstempo halten kann. Neben Umsatz und operativem Ergebnis dürfte insbesondere die Entwicklung des Auftragsbestands im Mittelpunkt stehen.
Bewertung
Die Begründung für die deutliche Herabsetzung des Kursziels – insbesondere die Unsicherheit über die Auslastung nach 2030 – überzeugt mich nur bedingt.
Wie hoch die Produktionskapazitäten dann sein werden und welche Aufträge bis dahin eingehen, lässt sich heute kaum verlässlich abschätzen. Der Ausbau der Kapazitäten ist angesichts des hohen Auftragsbestands notwendig. Als privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen dürfte Rheinmetall seine Investitionen und Produktionskapazitäten grundsätzlich an der erwarteten Nachfrage ausrichten.
Die fundamentale Entwicklung ist weiterhin positiv: Rheinmetall wächst dynamisch und arbeitet hochprofitabel.
Zusätzliche Wachstumsperspektiven eröffnet der Einstieg ins Weltraumgeschäft. Gemeinsam mit dem finnischen Unternehmen ICEYE hat Rheinmetall ein Joint Venture gegründet, das SAR-Aufklärungssatelliten produziert und der Bundeswehr weltraumgestützte Aufklärungsdaten bereitstellt. Der Vertrag mit der Bundeswehr hat ein Volumen von rund 1,7 Milliarden ,e und ist auf mehrere Jahre ausgerichtet.
Damit erweitert Rheinmetall sein bisheriges Geschäft mit militärischen Landfahrzeugen und Munition um weitere Bereiche. Neben dem Ausbau des Drohnengeschäfts und Aktivitäten im Marinesektor gewinnt nun auch das Weltraumgeschäft an Bedeutung.
Derzeit stehen Rüstungswerte nicht im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Die Börsenstimmung wird stark von geopolitischen Entwicklungen und den Energiepreisen beeinflusst. Die anhaltenden Spannungen im Nahen Osten sorgen für zusätzliche Unsicherheit.
ℹ️ Rheinmetall in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Seit Anfang 2023 ist der Konzern Mitglied im deutschen Leitindex DAX und aktuell etwa 43,5 Milliarden € wert.
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Fazit
Der Kursrückgang erscheint mir angesichts der weiterhin starken operativen Entwicklung überzogen. Dennoch sollten Anleger die derzeit schwache Börsenstimmung nicht unterschätzen. Auch bei Rheinmetall sind weitere Kursverluste möglich.
Mittel- und langfristig bleibe ich für die Aktie zuversichtlich. Wenn das Unternehmen seine Wachstumsziele erreicht und die Auftragslage weiterhin positiv bleibt, halte ich Kurse um 1.500 € perspektivisch für möglich.
Für risikobewusste Anleger könnte das aktuelle Niveau daher eine interessante Einstiegschance bieten. Alle anderen Anleger sollten vorerst eine Bodenbildung abwarten.
In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die zu großen Profiteuren werden dürften.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Rheinmetall. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.