Bayer-Aktie: Warum ist sie plötzlich wieder auf Talfahrt?
Eine gute Nachricht
Eigentlich gibt es gute Nachrichten von den Leverkusenern. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den ergänzenden Antrag auf Marktzulassung für Finerenon (Kerendia) zur Behandlung von Erwachsenen mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) ohne Diabetes zur Prüfung angenommen. In der Phase-III-Studie FIND-CKD konnte Bayer nachweisen, dass der Wirkstoff im Vergleich zur Standardtherapie das Voranschreiten der Nierenerkrankung signifikant verzögerte und kardiovaskuläre Nierenereignisse verringerte.
Kerendia ist nicht irgendein Medikament von Bayer, sondern derzeit einer der wichtigsten Wachstumstreiber des Pharmakonzerns. Im zweiten Quartal schoss der Umsatz mit dem Medikament um 80% auf 329 Millionen € hoch. Damit ist Kerendia auf bestem Wege, sich zu einem Blockbuster zu entwickeln. Die Erweiterung der Zulassung des Wirkstoffs dürfte das Erlöspotenzial von Kerendia weiter erhöhen.
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Aber auch negative Entwicklungen
Aber es gibt auch negative Entwicklungen, die sich derzeit stärker auf die Bayer-Aktie auswirken als die guten Nachrichten aus der Pharmasparte. Hauptunsicherheitsfaktor ist die immer noch ausstehende gerichtliche Genehmigung des 7,25 Milliarden US$ schweren Vergleichs von Bayer mit den Klägern im Glyphosat-Rechtsstreit. Eine substanzielle Nachbesserung des Vergleichs durch das US-Gericht könnte den Kurs der Bayer-Aktie erneut massiv belasten.
Auch die europäische Politik sorgt dieser Tage für neue Sorgenfalten beim Bayer-Management. Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, die bisher streng geregelten, periodischen Wiederzulassungsverfahren für viele Pflanzenschutzmittel und Wirkstoffe tiefgreifend zu verändern. Nach dem Willen der Kommission sollten künftig zahlreiche Wirkstoffe und Pestizide zeitlich unbegrenzt zugelassen werden statt wie bisher nach festen Zeitintervallen überprüft zu werden. Ziel der Kommission war es vor allem, bürokratische Verfahren zu verschlanken und die Wirtschaft zu entlasten.
Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich im Rat klar gegen die Pläne einer pauschalen unbefristeten Zulassung positioniert. Nach dem Willen der Staaten sollen automatische und regelmäßige Neuzulassungsprüfungen – wenn überhaupt – höchstens für Wirkstoffe und Mittel mit absolut nachgewiesenem geringem Risiko wegfallen, während der Standard für den Großteil der Chemikalien streng bleiben muss. Ein herber Rückschlag für die Agrarsparte von Bayer.
Runter auf 40 €?
Das Chartbild der Bayer-Aktie hat sich in den letzten Tagen massiv verschlechtert. Das bisherige 3-Monatstief bei 46 € wurde mit einem Schlag nach unten durchbrochen. Nun steht ein weiterer Fall bis zum Support bei 40 € zu befürchten.
Immer noch viel zu teuer
Ich habe Anlegern zuletzt Ende September bei einem Kurs von knapp 50 € geraten, nicht in die Bayer-Aktie zu investieren. Meine Meinung gilt auch beim aktuellen Kurs von 43 €.
Die Bayer-Aktie ist mir mit einem Forward-KGV von knapp 15 nach wie vor viel zu ambitioniert bewertet. Wir sprechen hier über einen Konzern in einer Turnaround-Situation, deren erfolgreicher Ausgang überhaupt nicht garantiert ist.
Zwar gibt es derzeit einige Silberstreifen am Horizont. Die Chancen, dass die Causa Glyphosat endlich ein Ende findet, stehen nicht schlecht. Zudem entwickelt sich die Pharma-Pipeline des Konzerns recht gut.
Aber von Wachstum ist Bayer noch meilenweit entfernt. Warum die Börse die Aktie mit einer Prämie bewertet, die nur durch ein nennenswertes Umsatz- und Gewinnwachstum gerechtfertigt wäre, ist mir völlig schleierhaft.
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ℹ️ Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Bayer ist im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 gelistet. An der Börse wird der Konzern aktuell mit ca. 42 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Ich rate Anlegern deshalb, auch weiterhin an der Seitenlinie zu verharren und nicht in die Bayer-Aktie zu investieren. Der aktuelle Kurs enthält immer noch viel zu viel Optimismus.
Das Rendite-Risiko-Verhältnis ist demnach ziemlich unvorteilhaft. Wer unbedingt in den DAX-Titel einsteigen will, sollte auf einen deutlich niedrigeren Kurs warten.