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Rheinmetall-Aktie: Selbst bei guten Nachrichten kauft niemand mehr — warum?

Unter 950 €
Nachdem die Rheinmetall-Aktie erst vor wenigen Tagen die 1.000 €-Kursmarke nach unten durchbrochen hat, scheint nun auch die Marke von 950 € nicht zu halten. Mit einem Kursverlust von über -3% ist der Rüstungskonzern am Dienstagvormittag das klare Schlusslicht im DAX. Warum will derzeit niemand mehr die Rheinmetall-Aktie haben, obwohl es doch gute Nachrichten gibt?

Ab ins All

Es gibt in der Tat mal wieder gute Nachrichten von Rheinmetall. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern startete im benachbarten Neuss die Serienproduktion von SAR-Satelliten in einem Joint Venture mit dem finnischen Satellitenspezialisten Iceye. Nach der vorausgegangenen Planungs- und Aufbauphase ist das Unternehmen damit in die industrielle Umsetzung übergegangen. Geplant ist eine Fertigungskapazität von rund 50 Satelliten pro Jahr.

Die Abkürzung SAR bedeutet „Synthetic Aperture Radar“. Diese Radarsatelliten können durch Wolken hindurch sowie bei Nacht hochpräzise Aufnahmen liefern, was für militärische Lagebilder von großer Bedeutung ist.

Im Rahmen des mehrjährigen Großauftrags (Teil eines Gesamtvolumens von rund 1,7 Milliarden Euro gemeinsam mit Iceye) wurde bekannt, dass sich die Bundeswehr einen exklusiven Zugriff auf eine ungenannte Anzahl dieser SAR-Satelliten gesichert hat, um zeitnah an hochaktuelle Aufklärungsinformationen zu gelangen. Der erste in Serie gefertigte Satellit soll Anfang 2027 mit einer SpaceX-Rakete in den Orbit starten.

Darüber hinaus gab es jüngst weitere Erfolge im All: Über eine strategische Allianz mit dem italienischen Raumfahrtunternehmen Argotec wurde Anfang des Monats ein gemeinsamer Satellit zur Frühwarnung bzw. Technologieerprobung erfolgreich per SpaceX-Falcon-9-Rakete ins All befördert, um die Grundlagen für eine künftige Satellitenkonstellation abzusichern.

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Rheinmetall muss sich wandeln

Mit diesen Schritten treibt Rheinmetall die Diversifizierung seines Portfolios voran und wandelt sich zunehmend von einem klassischen Panzer- und Munitionshersteller zu einem integrierten Technologie- und Rüstungskonzern mit starkem Standbein im Bereich der Weltraum- und Aufklärungsinfrastruktur.

Dass muss der deutsche Rüstungskonzern auch, denn der Krieg in der Ukraine und die Konflikte im Nahen Osten zwischen den USA und dem Iran sowie Saudi-Arabien und den Huthi-Milizen im Jemen machen deutlich, dass militärische Auseinandersetzungen künftig größtenteils in der Luft geführt werden. Bei Drohnen, Raketen und Kampfflugzeugen sowie der Luftabwehr spielt derzeit die Musik.

Das musste Rheinmetall auch beim jüngsten Besuch von Kanzler Merz in Kiyiv zur Kenntnis nehmen. Dort stand das deutsche Luftabwehrsysteme IRIS-T im Zentrum der Unterstützung. Rheinmetall ist zwar auch Teil des Konsortiums, spielt aber im Gegensatz zu den Hauptauftragnehmern Diehl und Hensoldt fast keine Rolle.

Ausführliche Chartanalyse

Eine aktuelle Chartanalyse der Rheinmetall-Aktie findet ihr bei meinem Kollegen Philipp Nyhoegen.

Drei Gründe für die Talfahrt

Die Talfahrt der Rheinmetall-Aktie ist meiner Meinung nach auf drei Gründe zurückzuführen.

Erstens: Rheinmetall leidet unter einem Portfolioproblem. Wie oben erwähnt, spielen sich Kriege heutzutage primär in der Luft und nicht auf dem Boden ab. Im Bereich des Luftkrieges ist der Konzern aber noch schwach aufgestellt. Anleger fokussieren sich deshalb gezielt auf Rüstungswerte aus dieser Waffengattung.

Zweitens: Rheinmetall leidet unter der Politik. In fast ganz Europa vollzieht sich ein politischer Rechtsruck. In vielen Ländern bahnen sich Parteien den Weg an die Macht, die mit der heutigen Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland Schluss machen wollen

Vor allem Deutschland steht im Zentrum dieser Entwicklung. Hier kommt neben der AfD mit der Linken am anderen Ende des politischen Spektrums noch eine Partei hinzu, die ebenfalls seit jeher eine Russland-freundliche Politik verfolgt.

Drittens: Die jüngsten Zinserhöhungen machen es für viele europäische Staaten immer schwieriger, ihre Haushalte zu finanzieren. Vor allem Frankreich hat sich in den letzten Jahren aufgrund seiner hohen Staatsverschuldung zum Sorgenkind Europas entwickelt. Auch vor diesem Hintergrund steht die milliardenschwere Unterstützung der Ukraine immer mehr unter politischem Druck.

Abschließend: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.

ℹ️ Rheinmetall in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und Euro Stoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 44,5 Milliarden €.

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Fazit

Mit einem Forward-KGV von unter 20 ist die Rheinmetall-Aktie in Anbetracht ihrer Wachstumsprognosen inzwischen ein echtes Schnäppchen. Aber sie leidet seit Jahresbeginn unter charttechnischem und politischem Gegenwind.

Eine Value-Aktie bleibt in meinen Augen aber eine Value-Aktie. Anleger können auf dem aktuellen Kursniveau zu einer sehr moderaten Bewertung in die Rheinmetall-Aktie einsteigen.