+++ Dieser kleine Explorer will Europas Rohstoff-Lücke schließen und die Abhängigkeit von China verringern. Jetzt mehr erfahren +++

Commerzbank-Aktie unter 40 €: Jetzt kippen die Kursziele!

Kippt auch die Aktie?
Vincent Uhr
Die Commerzbank-Aktie fällt am Freitag zeitweise auf rund 38,60 € und entfernt sich damit weiter vom Jahreshoch bei 43,37 €. Auslöser ist die nächste Analystenabstufung: RBC streicht die Kaufempfehlung und senkt das Kursziel auf 40 €. Bemerkenswert ist die Begründung. Die Gewinnschätzungen steigen sogar leicht – trotzdem erscheint die Aktie wegen höherer Eigenkapitalkosten weniger wert.

RBC sieht nur noch geringes Potenzial

RBC stuft die Commerzbank-Aktie von „Outperform“ auf „Sector Perform“ ab. Gleichzeitig sinkt das Kursziel von 43 auf 40 €. Vom aktuellen Kurs aus verbleibt damit lediglich ein Potenzial von rund 4%.

Analystin Anke Reingen erhöhte zwar einige ihrer operativen Prognosen. Gleichzeitig setzte sie jedoch höhere Eigenkapitalkosten an. Vereinfacht gesagt verlangen Investoren wegen gestiegener Risiken eine höhere Rendite. Zukünftige Gewinne erhalten dadurch in der Bewertung einen geringeren heutigen Wert.

RBC ist mit seiner Vorsicht nicht allein. Die Deutsche Bank strich bereits ihre Kaufempfehlung und beließ das Kursziel bei 42 €. JPMorgan bewertet die Aktie mit „Neutral“ und nennt 39 € – also ungefähr den aktuellen Börsenkurs. Der durchschnittliche Zielwert von rund 41,30 € verspricht ebenfalls nur noch begrenztes Potenzial.

Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.

Höhere Zinsen wirken in beide Richtungen

Banken profitieren grundsätzlich von höheren Zinsen, weil sie Kredite teurer vergeben können. Genau dieser Effekt hat die Gewinne der Commerzbank in den vergangenen Jahren stark unterstützt.

Steigen die Renditen von Staatsanleihen jedoch zu schnell, entstehen neue Risiken. Die Refinanzierungskosten erhöhen sich, die Konjunktur wird belastet und bei Unternehmen sowie Immobilienfinanzierungen können mehr Kreditausfälle auftreten. Gleichzeitig verlangen Aktionäre eine höhere Rendite für das investierte Kapital.

Am Freitag stehen europäische Bankaktien deshalb vor ihrer schwächsten Handelswoche seit April. Mehrjährige Höchststände bei den Anleiherenditen schüren Sorgen, dass der wirtschaftliche Schaden die zusätzlichen Zinserträge zunehmend überwiegen könnte.

Rekordzahlen sind bereits eingepreist

Operativ bleibt die Commerzbank stark. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um 7% auf 6,5 Milliarden €, während sich der Nettogewinn um rund 40% auf 1,81 Milliarden € erhöhte. Für das Gesamtjahr erwartet das Management mindestens 3,4 Milliarden € Gewinn.

Außerdem sollen rund 3,2 Milliarden € über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückfließen. Die Deutsche Bank argumentiert jedoch, dass die höheren Zinseinnahmen und üppigen Ausschüttungen nach dem starken Kursanstieg bereits weitgehend berücksichtigt seien.

Bis 2030 will die Commerzbank den Nettogewinn auf 5,9 Milliarden € und die Eigenkapitalrendite auf 21% steigern. Diese Ziele bieten langfristiges Potenzial, lassen allerdings wenig Spielraum für eine schwächere Konjunktur, höhere Kreditausfälle oder Verzögerungen beim Kostensenkungsprogramm.

Lust auf Dividendenaktien? Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Keine sichere Übernahmeprämie

Auch die UniCredit-Beteiligung schützt Anleger nicht zuverlässig vor Kursverlusten. Die Italiener verfügen bereits über Zugriff auf annähernd 48% des Kapitals und könnten nach den noch ausstehenden Genehmigungen erheblichen Einfluss ausüben.

Ein neues Angebot mit einer attraktiven Prämie ist möglich, aber keineswegs garantiert. UniCredit könnte zunächst den Aufsichtsrat neu besetzen und die Strategie der Commerzbank verändern. Berichten zufolge stehen ein deutlicher Stellenabbau, geringere Kosten und eine Einschränkung bestimmter internationaler Firmenkundenkredite zur Diskussion.

Für Minderheitsaktionäre entsteht damit eine unangenehme Zwischenlage: Sie tragen die Risiken eines Kontrollwechsels, ohne bereits einen verbindlichen Preis für ihre Aktien zu kennen.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 42,2 Milliarden € bewertet.

Commerzbank kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über Commerzbank und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Commerzbank weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Vincent Uhr

Fazit

Der Rückgang unter 40 € macht die Commerzbank-Aktie nicht automatisch günstig. RBC, JPMorgan und die Deutsche Bank sehen inzwischen nur noch begrenztes Potenzial, während Zins-, Konjunktur- und Übernahmerisiken zunehmen. Bestehende Aktionäre können halten – für einen Neueinstieg würde ich entweder niedrigere Kurse oder ein verbindliches Angebot von UniCredit abwarten.