Commerzbank-Aktie: Deutsche Bank streicht „Buy“ – war es das?
Gerade einmal 2% Kurspotenzial
Das Kursziel der Deutschen Bank liegt nur noch knapp über der aktuellen Notierung. Auch das durchschnittliche Analystenziel von etwa 41,50 € signalisiert kaum weiteres Potenzial.
Begründet wird die Abstufung nicht mit schwächeren Geschäftszahlen. Vielmehr seien wichtige Kurstreiber wie steigende Zinserträge, höhere Gewinnerwartungen und umfangreiche Kapitalrückgaben mittlerweile eingepreist oder durch die starke Kursentwicklung realisiert worden.
Diese Einschätzung ist nachvollziehbar. Die Aktie notiert nur rund 6% unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 43,37 € und hat sich seit dem Tief bei 28,15 € um mehr als 45% verteuert. Aus einer günstig bewerteten Turnaround-Wette ist ein Titel geworden, bei dem die Erwartungen erheblich höher liegen.
Die Rekordzahlen rechtfertigen die Rallye
Operativ befindet sich die Commerzbank weiterhin in ausgezeichneter Verfassung. Im ersten Halbjahr erhöhte sich das operative Ergebnis um 14% auf 2,7 Milliarden €. Der Nettogewinn sprang um rund 40% auf 1,81 Milliarden €.
Die Eigenkapitalrendite erreichte mit 12,6% einen historischen Höchstwert. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 8,5%. Gleichzeitig blieb der Zinsüberschuss trotz sinkender Leitzinsen mit 4,1 Milliarden € nahezu stabil.
Für das Gesamtjahr erwartet die Bank einen Nettogewinn von mindestens 3,4 Milliarden €. Der Zinsüberschuss soll rund 8,6 Milliarden € erreichen, während die Cost-Income-Ratio inklusive Pflichtbeiträgen auf ungefähr 53% sinken soll.
Das Problem für Neueinsteiger: Diese Entwicklung überrascht den Markt inzwischen nicht mehr. Die Commerzbank muss ihre Ziele übertreffen, um der Aktie aus eigener Kraft einen weiteren deutlichen Schub zu geben.
Auch die Ausschüttungen sind kein Geheimtipp mehr
Für 2026 plant die Bank eine Kapitalrückgabe von rund 3,2 Milliarden €. Davon sollen mindestens 50% als Dividende fließen. Zusätzlich läuft bereits ein Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden €.
Bei einer Marktkapitalisierung von rund 45 Milliarden € bleibt das attraktiv. Die hohe Ausschüttung ist allerdings längst ein zentraler Bestandteil der aktuellen Bewertung und kein übersehener Kurstreiber mehr.
Zudem reduziert jede Kapitalrückgabe den finanziellen Puffer für zusätzliches Wachstum. Die harte Kernkapitalquote von 14,4% liegt zwar komfortabel über dem regulatorischen Mindestwert. Gleichzeitig soll sie nach den Ausschüttungen zum Jahresende weiterhin oberhalb von 14% bleiben. Der Spielraum ist somit vorhanden, aber nicht unbegrenzt.
Jetzt zählen Zinsüberschuss und Kreditqualität
Der nächste fundamentale Prüfstein folgt am 5. November mit den Zahlen zum dritten Quartal. Entscheidend wird sein, ob die Bank ihren Zinsüberschuss trotz des veränderten Zinsumfelds stabil halten kann.
Ebenso wichtig sind die Risikovorsorge und die Kreditqualität im Firmenkundengeschäft. Das Wachstum der Unternehmenskredite in der Eurozone hat sich zuletzt leicht abgeschwächt. Sollte gleichzeitig die Zahl der Kreditausfälle steigen, könnten sich die hohen Gewinnerwartungen schnell als zu optimistisch erweisen.
Die Übernahmefantasie durch UniCredit liefert zwar weiterhin Unterstützung. Anleger sollten jedoch nicht automatisch davon ausgehen, dass ein möglicher Kontrollwechsel eine zusätzliche Prämie bringt.
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Fazit
Die Commerzbank liefert starke Zahlen, doch bei rund 41 € ist die Turnaround-Story nicht mehr günstig. Die Abstufung der Deutschen Bank trifft deshalb einen wunden Punkt: Ohne positive Ergebnisüberraschungen oder eine konkrete Übernahmeprämie erscheint das weitere Kurspotenzial begrenzt. Bestehende Anleger können die Aktie wegen der hohen Kapitalrückgaben halten, Neueinsteiger sollten ihr nach der Rallye aber nicht hinterherlaufen.