Technologiewerte geraten heute unter Druck, und der Auslöser ist ein einziger Medienbericht. Das Nachrichtenportal "The Information" berichtet, die chinesische Regierung könnte Unternehmen wie Alibaba oder Bytedance den Kauf neuer Nvidia-Chips des Typs RTX Pro 5500 erlauben. Was klingt wie eine Liberalisierung, befeuert genau das Gegenteil: Die Sorge, dass Chinas eigene KI-Hardware-Industrie dadurch geschwächt werden könnte, treibt die Kurse lokal in den Keller.
SK Hynix, Infineon, Aixtron unter Druck
In Seoul verliert die SK Hynix-Aktie, die als Stimmungsbarometer der Branche in Fernost gilt, mehr als vier Prozent. Hierzulande zeigt sich Infineon mit einem Prozent im Minus, die Branchenausrüster Aixtron und Suss Microtec fallen sogar bis zu 2,3 Prozent. Auch Nvidia selbst handelt im vorbörslichen Geschäft etwas unterhalb des Nasdaq-Schlusskurses vom Freitag.
OpenAI und das Nahost-Risiko
Dazu kommt noch etwas, das die Stimmung zusätzlich belastet. ChatGPT-Entwickler OpenAI hat nach einem neuen Zwischenfall das Training seiner leistungsstärksten KI-Modelle ausgesetzt. Marktbeobachter Andreas Lipkow von CMC Markets bringt es auf den Punkt: Die bislang so robuste KI-Story bekomme erneut Risse. Die grundlegende Frage, ob das enorme Wachstumstempo der vergangenen Jahre wirklich haltbar ist, stellt sich damit wieder mit voller Wucht. Hinzu bleibt die geopolitische Anfälligkeit rund um die Lage in Nahost.
Nvidia zwischen Washington und Peking
Nvidia steckt in einem Geflecht aus US-Exportbeschränkungen und chinesischen Restriktionen. Zwar hat Washington zuletzt einige Beschränkungen für Nvidia-Chips aufgehoben, allerdings vor allem für ältere Generationen. Politisch nähern sich die USA und China wieder an. Chinas Staatschef Xi Jinping reiste am vergangenen Mittwoch zu einem dreitägigen Staatsbesuch nach Washington. US-Präsident Donald Trump hat eine Gegeneinladung angenommen und kündigte auf seiner Plattform Truth Social an, man werde sich im November erneut in China treffen, im Dezember dann beim G20-Gipfel in Miami, Florida.
Fazit
Die Kombination aus OpenAI-Trainingstopp und der China-Nvidia-Meldung dürfte den ohnehin angespannten Tech-Sektor kurzfristig weiter belasten. Sollte sich bestätigen, dass Peking westliche Chips erneut zulassen, könnten chinesische KI-Hardwarewerte stärker unter Druck geraten, während Nvidia selbst mittelfristig profitieren dürfte. Für Infineon und die europäischen Branchenausrüster wie Aixtron bleibt das Umfeld schwierig, solange die großen Fragen rund um das KI-Investitionstempo unbeantwortet sind.
Quelle: dpa-AFX
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