H&M: Das gefällt den Anlegern gar nicht
Gewinn deutlich über den Erwartungen
Auf den ersten Blick gibt es an den Zahlen für das dritte Geschäftsquartal wenig auszusetzen. Von Juni bis August steigerte H&M den Nettogewinn von 3,21 auf 4,10 Milliarden SEK. Das Ergebnis je Aktie kletterte um 28,4 % auf 2,58 SEK.
Auch operativ lief es deutlich besser. Das EBIT erhöhte sich um 22,9 % auf 6,04 Milliarden SEK und übertraf damit den Analystenkonsens von 5,14 Milliarden SEK klar. Die operative Marge verbesserte sich von 8,6 auf 10,6 %.
Allerdings profitierte H&M dabei auch von einem positiven Einmaleffekt im Zusammenhang mit Zöllen und Importen, der rund 1,6 Prozentpunkte zur EBIT-Marge beitrug.
Erfreulich entwickelte sich ebenfalls die Bruttomarge. Sie stieg von 52,9 auf 54,0 % und lag damit über den erwarteten 53,4 %. Einsparungen, eine strikte Kostenkontrolle und effizientere Abläufe zahlen sich zunehmend aus.
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Das eigentliche Problem bleibt
Doch genau hier beginnt das Problem der Aktie. H&M wird profitabler – wächst aber kaum.
Der Umsatz erhöhte sich im dritten Quartal in schwedischen Kronen lediglich um 0,3 % auf 57,19 Milliarden SEK. In lokalen Währungen betrug das Plus 1 %. Für September stellt das Management ebenfalls lediglich ein Wachstum von 1 % in lokalen Währungen in Aussicht.
Das ist zu wenig, um Anleger davon zu überzeugen, dass CEO Daniel Erver nach mehreren Quartalen mit stagnierenden oder rückläufigen Erlösen bereits eine nachhaltige Umsatzwende gelungen ist.
Noch deutlicher wird das beim Blick auf die ersten neun Monate: Der Umsatz sank von 169,06 auf 161,62 Milliarden SEK. Gleichzeitig stieg der Nettogewinn von 7,75 auf 8,77 Milliarden SEK.
H&M verdient also trotz geringerer Erlöse mehr Geld. Das ist einerseits ein Beleg dafür, dass die Maßnahmen zur Verbesserung der Profitabilität greifen. Andererseits lässt sich ein Modekonzern auf Dauer nicht ausschließlich über Kostendisziplin und Margenverbesserungen auf Wachstum trimmen.
Hinzu kommt: Zum Quartalsende betrieb H&M rund 2 % weniger Filialen als ein Jahr zuvor. Auch das zeigt, dass die Ergebnisverbesserung bislang weniger von einer kräftigen Expansion als von einem effizienteren Geschäft getragen wird.
Neue Kosten voraus
Und die nächsten Belastungen zeichnen sich bereits ab. H&M investiert in die Modernisierung seiner digitalen Infrastruktur und unter anderem in neue ERP-Systeme. Die damit verbundenen höheren Kosten dürften das zweite Halbjahr 2026 belasten.
Gleichzeitig will der Konzern beim Abbau seiner Lagerbestände vorsichtiger vorgehen. Hintergrund ist die Produktverfügbarkeit: Zu geringe Bestände können gerade im schnelllebigen Modegeschäft dazu führen, dass gefragte Artikel nicht verfügbar sind – und damit Umsatz verloren geht.
Für H&M ist das eine Gratwanderung. Zu hohe Lagerbestände binden Kapital und bergen das Risiko späterer Preisnachlässe. Zu niedrige Bestände können dagegen die ohnehin schwache Umsatzentwicklung zusätzlich bremsen.
Delisting!?
Für zusätzliche Fantasie sorgt seit geraumer Zeit die Eigentümerstruktur. Stefan Persson und verbundene Gesellschaften hielten Ende August mehr als 68 % der H&M-Aktien. Zusammen mit dem Familienzweig um Lottie Tham kommt die Familie auf knapp 74 % des Kapitals und rund 88 % der Stimmrechte.
Allein Ramsbury Invest, die Holding von Stefan Persson, hat seit Jahresbeginn weitere 36,8 Millionen Aktien gekauft.
Damit rückt eine interessante Schwelle näher: Ab einem Anteil von 90 % können Aktionäre nach schwedischem Recht die verbliebenen Anteilseigner herauskaufen. Ein konkretes Übernahmeangebot oder ein entsprechendes Verfahren gibt es bislang allerdings nicht.
Die Familie selbst verweist lediglich auf ihre langfristige Überzeugung vom Unternehmen. Deutsche-Bank-Analyst Adam Cochrane hält einen Börsenrückzug bis 2030 dennoch für möglich.
ℹ️ H&M in Kürze
- H&M ist einer der weltweit größten Modekonzerne und vertreibt neben der Kernmarke H&M unter anderem COS, ARKET, Weekday und & Other Stories.
- Der schwedische Konzern setzt auf die Verzahnung von stationärem Handel und Onlinegeschäft und arbeitet derzeit vor allem an höherer Profitabilität und effizienteren Strukturen.
- An der Börse wird H&M aktuell mit rund 23,8 Milliarden € beziehungsweise knapp 269 Milliarden SEK bewertet.
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Fazit
Die Quartalszahlen zeigen klare Fortschritte: H&M arbeitet effizienter, die Margen steigen und der Gewinn übertrifft die Erwartungen deutlich. Doch ein Umsatzplus von lediglich 1 % in lokalen Währungen und die ähnlich verhaltene September-Prognose sind noch keine Wachstumsstory.
Entscheidend wird sein, ob H&M die höhere Profitabilität künftig mit steigenden Erlösen verbinden kann. Die Käufe der Persson-Familie und Spekulationen über einen möglichen Börsenrückzug sorgen zwar für zusätzliche Fantasie, reichen als Investmentargument allein aber nicht aus.
Nach dem Kursrückgang von rund 17 % seit Jahresbeginn ist die Aktie interessanter geworden. Für einen Neueinstieg fehlt mir dennoch der Beweis einer nachhaltigen Umsatzwende. Investierte Anleger können angesichts der operativen Fortschritte dabeibleiben.