Vier rote Handelstage in Folge. Der Ölpreis rutscht, und diesmal ist es die Hoffnung auf Diplomatie, die den Markt bewegt. Der Preis für ein Barrel Brent-Rohöl fiel heute zeitweise bis auf 99,54 US$, den tiefsten Stand seit dem 9. September. Das entspricht einem Rückgang von 3,5 Prozent gegenüber Freitag. Zuletzt notierte Brent wieder knapp über der runden Marke, bei 100,40 US$.
Trump, Iran und die Hoffnung auf ein Gespräch
US-Präsident Donald Trump erklärte gegenüber Fox News, dass er "wahrscheinlich" zu einem Treffen mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian am Rande der UN-Generalversammlung in New York bereit sei. Für viele Marktteilnehmer ist das Signal genug. Auch Gespräche mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping sowie womöglich mit Staats- und Regierungschefs der Golfstaaten stehen auf der Agenda. Der Markt liest daraus: weniger Eskalation, mehr Öl.
Hinzu kommt, dass saudische Öllieferungen wieder verstärkt die Straße von Hormus passieren können. Die Aussicht auf mehr Angebot drückt die Notierungen zusätzlich.
Analysten sehen 100 US$ als Gleichgewicht
Analysten-Stimmen legen nahe, dass der Markt gerade eine Wende durchläuft. Xuyi Zhao von Guotai Junan Futures beschreibt es so: Der Markt wechselt von einer Phase mit sich verschlechternder Versorgungslage in eine, in der das Schlimmste der Verknappung möglicherweise vorüber ist. Ihrer Einschätzung zufolge dürfte sich der Brent-Preis vorerst um die 100 US$ einpendeln, weil die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Abwärtstrend noch fehlen.
Zur Erinnerung: Die Sorge vor einer länger andauernden Blockade der Straße von Hormus hatte den Brent-Preis in der vergangenen Woche noch zeitweise bis an die Marke von 110 US$ getrieben. Seit Jahresbeginn hat der Iran-Krieg den Rohstoff um mehr als 60 Prozent verteuert.
Was bedeutet das für Öl-Aktien?
Unternehmen wie Shell, BP oder TotalEnergies spüren jeden Dollar Preisrückgang direkt in den Margen. Sollte die Diplomatie Fahrt aufnehmen und die Straße von Hormus dauerhaft wieder frei befahrbar sein, dürften die Kurse entsprechender Öl-Aktien weiter unter Druck geraten. Das Aufwärtspotenzial, das der Iran-Krieg seit Jahresbeginn in die Bewertungen eingepreist hat, könnte sich dann schrittweise abbauen.
Quelle: dpa-AFX
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