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Commerzbank-Aktie: Orcels 1,3-Milliarden-Plan – Fluch oder Segen?

Rüsten für nach der Übernahme
Vincent Uhr
UniCredit-Chef Andrea Orcel legt offen, wie er die Profitabilität der Commerzbank nach einer Übernahme steigern will. Rund 1,3 Milliarden € beziehungsweise jeden fünften Kosten-Euro möchte der Italiener einsparen. Dahinter steckt weit mehr als die Zusammenlegung einiger Niederlassungen. Orcel plant einen tiefen Umbau der Frankfurter Bank. Für Aktionäre könnte daraus erhebliches Gewinnpotenzial entstehen. Allerdings droht die Radikalkur ausgerechnet jene Stärken zu beschädigen, die das Geschäft der Commerzbank auszeichnen. Die Aktie notiert aktuell bei rund 38,88 € und damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch.

Jeder fünfte Kosten-Euro soll verschwinden

Orcel möchte die jährliche Kostenbasis der Commerzbank um rund 20% reduzieren. Betroffen wären vor allem zentrale Funktionen, Beratungskosten und das internationale Netzwerk. Frühere Planungen von UniCredit sahen zudem den Abbau von etwa 7.000 Stellen vor.

Die Commerzbank soll zunächst eigenständig bleiben. Eine vollständige Zusammenlegung mit der deutschen UniCredit-Tochter HypoVereinsbank ist offenbar erst für 2029 oder 2030 vorgesehen. Orcel könnte die Frankfurter Bank damit schon vorher auf sein Effizienzniveau trimmen.

Bis 2030 soll die Aufwand-Ertrags-Relation der Commerzbank auf 37% sinken. Von jedem verdienten Euro würden dann lediglich 37 Cent für den laufenden Geschäftsbetrieb benötigt. Das wäre selbst im europäischen Bankensektor ein außergewöhnlich niedriger Wert.

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UniCredit liefert das Vorbild

Wie der Umbau aussehen könnte, zeigt Orcels bisherige Arbeit bei UniCredit. Seit seinem Amtsantritt 2021 verringerte sich die Belegschaft um etwa ein Fünftel. Zwischen Vorstand und kundenbezogenen Positionen bestanden zuvor neun Managementebenen. Mittlerweile sind es nur noch vier.

Die Zahl der organisatorischen Einheiten sank von rund 11.500 auf etwa 6.400. Gleichzeitig drückte Orcel die Aufwand-Ertrags-Relation von ungefähr 52% auf 34%. Zusammen mit steigenden Erträgen und höheren Zinsen sorgte das für Rekordgewinne. Die UniCredit-Aktie hat sich seit Orcels Amtsantritt etwa verzehnfacht.

Das Vorgehen besitzt jedoch eine Kehrseite. Bei UniCredit verließen zahlreiche erfahrene Führungskräfte das Unternehmen. Zudem beobachten Aufsichtsbehörden genau, ob Kontrollbereiche wie Compliance und Risikomanagement trotz der Einsparungen ausreichend besetzt bleiben.

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Commerzbank liefert bereits starke Ergebnisse

Ob die Frankfurter Bank eine derart harte Sanierung überhaupt benötigt, ist fraglich. Im zweiten Quartal stieg das Nettoergebnis auf 898 Millionen €. Die Erträge legten um 9% auf 3,3 Milliarden € zu. Im gesamten ersten Halbjahr verdiente die Bank netto 1,8 Milliarden € und erreichte eine Eigenkapitalrendite von 12,6%.

Auch die Aufwand-Ertrags-Relation verbesserte sich ohne Pflichtbeiträge bereits auf 50%. Mit der eigenständigen Strategie „Momentum 2030“ will die Commerzbank diesen Wert bis 2030 auf 43% senken und eine Eigenkapitalrendite von 21% erreichen.

Orcels Ziel geht damit deutlich weiter. Allerdings arbeitet UniCredit stärker mit standardisierten Produkten. Die Commerzbank setzt insbesondere im Firmenkundengeschäft auf langfristige Beziehungen und individuelle Lösungen. Zu starke Einschnitte könnten deshalb das Geschäftsmodell schwächen.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44,0 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Der Sparplan zeigt, welches zusätzliche Gewinnpotenzial Orcel in der Commerzbank sieht. Die Übernahme wird dadurch finanziell nachvollziehbarer, operativ aber nicht einfacher. Die Bank liefert bereits aus eigener Kraft Rekordergebnisse. Bei Kursen nahe dem Jahreshoch ist viel Übernahmefantasie eingepreist. Attraktiv bleibt die Aktie vor allem, wenn Orcel Effizienz und Kundenbindung miteinander versöhnen kann.