Nvidia-Aktie: Darum ist sie noch immer falsch bewertet!
Starke Quartalszahlen bestätigen Dynamik
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erzielte Nvidia 81,6 Milliarden US-Dollar Umsatz, 85 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber dem Vorquartal betrug das Wachstum weitere 20 Prozent. Das war bereits das dritte Quartal in Folge mit einer Beschleunigung des jährlichen Wachstums.
Der Umsatz im Rechenzentrumsgeschäft stieg um 92 Prozent auf 75,2 Milliarden US-Dollar, während Networking sogar um 199 Prozent auf 18,8 Milliarden US-Dollar zulegte. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 1,87 US-Dollar und lag damit über den Erwartungen.
Auch der freie Cashflow markierte mit 48,6 Milliarden US-Dollar einen Rekord. Die Bruttomarge blieb mit 75 Prozent außergewöhnlich hoch.
Zudem liefert die neue Aufteilung des Rechenzentrumsumsatzes wichtige Erkenntnisse. Rund 38 Milliarden US-Dollar entfielen auf Hyperscaler, weitere 37 Milliarden auf KI-Cloud-Anbieter sowie industrielle und unternehmensorientierte Kunden. Nvidia ist damit weniger abhängig von den klassischen Big-Tech-Kunden.
KI-Investitionen steigen weiter
Die Sorge vor zu hohen Investitionsausgaben hat den Technologiesektor zuletzt belastet. Für Nvidia ist die Entwicklung allerdings positiv, denn die großen Cloudkonzerne erhöhen ihre Ausgaben für KI-Infrastruktur weiter.
Alphabet plant 2026 inzwischen Investitionen von 195 bis 205 Milliarden US-Dollar. Amazon erhöhte seine Prognose auf 220 Milliarden US-Dollar. Microsoft erwartet rund 175 Milliarden US-Dollar, während Meta zwischen 130 und 145 Milliarden US-Dollar investieren will.
Zusammengenommen könnten die vier Unternehmen damit bis zu 725 Milliarden US-Dollar für den Ausbau ihrer Infrastruktur ausgeben. Das entspricht einem Anstieg von rund 77 Prozent gegenüber 2025.
Noch wichtiger ist, dass sich diese Investitionen zunehmend in höherem Wachstum niederschlagen. Google Cloud wuchs zuletzt um 82 Prozent, AWS um 37 Prozent und Azure um 43 Prozent. Für Nvidia ist das ein entscheidender Vorteil: Solange die Investitionsbudgets weiter steigen, profitiert der Chipkonzern unabhängig davon, wie schnell sich die Ausgaben bei seinen Kunden amortisieren.
Messlatte für das zweite Quartal liegt hoch
Nvidia erwartet für das zweite Quartal einen Umsatz von 91 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von rund 75 Prozent. Der Analystenkonsens liegt bereits bei 93,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und 2,13 US-Dollar Gewinn je Aktie.
Damit dürfte ein Übertreffen der Unternehmensprognose bereits weitgehend eingepreist sein. Besonders wichtig wird der Ausblick auf das dritte Quartal sein, denn für eine Fortsetzung der aktuellen Wachstumsdynamik müsste der Umsatz in Richtung 100 Milliarden US-Dollar steigen.
Auch die Bruttomarge steht unter Beobachtung. Die Kosten für die nächste Generation der Vera-Rubin-Systeme könnten durch deutlich höhere Speicherpreise steigen. Sollte die Marge dauerhaft unter 75 Prozent fallen, wäre das ein Belastungsfaktor für die Aktie.
Darüber hinaus wird der Zeitplan für Vera Rubin entscheidend. Nvidia erwartet den Start der Auslieferungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 und einen stärkeren Hochlauf im ersten Halbjahr 2027.
China spielt eine immer kleinere Rolle
Chinesische Umsätze sind in Nvidias aktueller Prognose nicht berücksichtigt. Zwar besitzt der Konzern inzwischen Lizenzen für Lieferungen des H200 an rund zehn chinesische Unternehmen, die tatsächlichen Auslieferungen bleiben jedoch begrenzt.
Nvidias Marktanteil in China ist damit massiv gefallen. Während er 2024 noch bei rund 95 Prozent lag, werden aktuell nur noch etwa 8 Prozent geschätzt. Huawei kommt dagegen auf rund 50 Prozent.
Für Nvidia ist China damit weiterhin ein regulatorisches Risiko, aber kein zentraler Bestandteil der aktuellen Wachstumsthese.
Bewertung bleibt überraschend moderat
Bei rund 219 US-Dollar liegt das bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis bei etwa 31,6. Auf Basis der erwarteten Gewinne für die kommenden zwölf Monate sinkt es auf rund 22.
Das wirkt angesichts des erwarteten Gewinnwachstums attraktiv. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnen Analysten mit einem Gewinn je Aktie von 8,97 US-Dollar und einem Wachstum von 88 Prozent. Für 2028 und 2029 werden weitere Zuwächse von 40 beziehungsweise 20 Prozent erwartet.
Zum Vergleich: Zwischen den Geschäftsjahren 2023 und 2026 lag Nvidias durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis bei rund 47,6. Die Bewertung hat sich damit deutlich reduziert, obwohl die Gewinne weiter stark wachsen.
Sollte Nvidia langfristig mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 30 bewertet werden und die Gewinnprognosen eintreffen, wäre weiterhin ein erhebliches Renditepotenzial vorhanden.
Finanzierung des KI-Booms birgt Risiken
Das größte Risiko liegt derzeit weniger in der Bewertung als in der zunehmenden finanziellen Verflechtung des KI-Ökosystems.
Nvidia hat Vereinbarungen und mögliche Finanzierungen im Umfang von mehreren hundert Milliarden US-Dollar angekündigt. Dazu gehören Partnerschaften mit Speicherherstellern sowie Überlegungen, die Finanzierung von Rechenzentrumskapazitäten für OpenAI zu unterstützen.
Die zunehmenden Verflechtungen zwischen Chipherstellern, Cloudanbietern und KI-Unternehmen bergen Risiken. Wenn Unternehmen gegenseitig Kapital bereitstellen, Chips kaufen und Infrastruktur finanzieren, können daraus komplexe und schwer durchschaubare Geld- und Umsatzströme entstehen.
Die großen Technologieunternehmen finanzieren ihren KI-Ausbau zwar weiterhin überwiegend über eigene Cashflows und Fremdkapital. Dennoch bleibt die Entwicklung ein Punkt, den Anleger genau beobachten sollten.
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Langfristig weiterhin eine attraktive Wette
Die Aktie erscheint trotz ihrer starken Erholung weiterhin vergleichsweise günstig, wenn man die erwartete Gewinnentwicklung berücksichtigt. Gleichzeitig steigen die KI-Investitionen der wichtigsten Kunden weiter und beginnen sich zunehmend in höherem Umsatzwachstum niederzuschlagen.
Die Kombination aus starkem Gewinnwachstum, hohen Margen und anhaltender Nachfrage spricht daher weiterhin für eine positive langfristige Perspektive. Risiken bestehen vor allem bei den Margen, der Finanzierung des KI-Ökosystems und der geopolitischen Entwicklung rund um China.
ℹ️ Nvidia Corporation in Kürze
- Die Nvidia Corporation (WKN: A1K023) ist einer der weltweit größten Entwickler von Grafikprozessoren und Chipsätzen.
- Die Chips und Prozessoren des Konzerns kommen in Personal Computern, Spielekonsolen, Rechenzentren und autonom fahrenden Autos zum Einsatz.
- Das in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien beheimatete Unternehmen ist Marktführer im Bereich Hochleistungschips für Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz.
- Nvidia ist Mitglied in den US-Indizes Nasdaq 100, S&P 500 und Dow Jones und ist aktuell mit rund 5,4 Billionen US$ das zweitwertvollste Unternehmen der Welt.
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Fazit
Nvidia wächst derzeit deutlich schneller, als es der Aktienkurs widerspiegelt. Solange die KI-Investitionen weiter steigen und der Konzern seine Margen verteidigen kann, bleibt die Aktie trotz bestehender Risiken langfristig sehr aussichtsreich.
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