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BMW-Aktie: Nahe dem Allzeit-Tief rät HSBC jetzt zum Kauf

Kursziel 71 €
Polina Dmitrovskaya
BMW leidet, und zwar sehr. Ohne einmal eigene Zahlen zu liefern, gerät die Aktie wegen der soeben gemeldeten schwachen VW-Zahlen unter Druck. Dann auch noch der dritte Starter-Rückruf innerhalb eines Jahres und Chinas Luxussteuer, die BMW voll trifft. Doch mitten in diesem Dauerdruck gibt es ein Signal, das aufhorchen lässt. Wie weit kann das KGV und der Aktienkurs von BMW noch sinken, bis die Wende kommt?

Der Auslöser von heute

Volkswagen meldete für das zweite Quartal einen Gewinneinbruch von einem Drittel und senkte gleichzeitig die Umsatzprognose für 2026. Diese Kombination aus Gewinnschwäche und gekapptem Ausblick reicht an der Börse fast immer, um eine ganze Branche mit nach unten zu ziehen, denn Anleger fürchten branchenweiten Margendruck und eine abkühlende Nachfrage, nicht nur ein Einzelfirmenproblem.

Die BMW-Aktie gab daraufhin ebenfalls nach und notiert gefährlich nahe am Allzeit-Tief von 46 € bei aktuell rund 56 €. Nicht mehr weit und auch dieser „Meilenstein” ist erreicht.

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Der zweite Auslöser: China

Was VW und BMW aktuell eint, ist vor allem ein Markt: China. BMWs Auslieferungen brachen dort im ersten Halbjahr um 20% ein, was der zentrale Grund für BMWs Prognosesenkung im Juni gewesen ist. Ein wesentlicher Treiber dahinter ist die vor einem Jahr abgesenkte Luxussteuer-Schwelle in China. Oberhalb eines bestimmten Verkaufspreises wird auf Fahrzeuge eine zusätzliche Sondersteuer von 10% auf den Endverkaufspreis fällig. Sie greift inzwischen bereits ab 900.000 Yuan statt zuvor 1,3 Millionen Yuan, und trifft damit genau das Kerngeschäft deutscher Premiumhersteller.

Cui Dongshu, Generalsekretär des chinesischen Pkw-Verbands, beobachtet, dass die Nachfrage nach Verbrennern in genau dieser Preisspanne deutlich zurückgegangen ist, während Kunden verstärkt zu chinesischen Elektro- und Hybrid-Oberklassemodellen sowie zu günstigeren Gebrauchtwagen wechseln. China hat ihr Ziel damit erreicht.

Für BMW bedeutet das aber einen doppelten Nachteil: Die Steuer verteuert das eigene Angebot künstlich, während gleichzeitig die heimische chinesische Konkurrenz im margenstärksten Preissegment aufholt. Der einst wichtigste Wachstumsmarkt der Branche wird damit zusehends zur strukturellen Bremse.

Noch mehr Bad News

Als wäre die China-Schwäche nicht genug, sorgt BMW aktuell auch technisch für Schlagzeilen: Erst am 20. Juli weitete der Konzern einen Rückruf wegen möglicher Anlasser-Probleme aus. Mittlerweile sind weltweit über 740.000 Fahrzeuge betroffen, nach bereits zwei ähnlichen Rückrufaktionen seit Herbst 2025. Ursache sind Ablagerungen im Starterrelais, die im schlimmsten Fall zu einem Kurzschluss mit Brandgefahr führen können.

Verletzte gab es bislang keine, der Austausch ist für Kunden kostenlos, doch für das Anlegervertrauen ist es ein weiterer Trigger. Wo die operative Prognose einmal gesenkt wurde, wächst die Sensibilität für jede weitere schlechte Nachricht, selbst wenn sie wie hier eher das Markenimage als die Bilanz belastet. Selbst die Dividendenrendite von rund 7% schafft es nicht die Investoren zu halten.

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Der Silberstreif: Europa und die Analysten-Wende

Ganz anders sieht es in Europa aus. BMW steigerte die Neuzulassungen in der EU im Juni um 16%, kräftig getragen vom Boom bei Elektro- und Hybridfahrzeugen. Genau hier liegt allerdings auch das nächste Risiko verborgen, chinesische E-Auto-Hersteller drängen zunehmend aggressiv auch auf den europäischen Markt, sodass sich der aktuelle Vorteil mittelfristig relativieren könnte. Das schreckt ein weiteres mal vor einem Kauf ab.

Bemerkenswert ist deshalb die Reaktion von HSBC: Analyst Mike Tyndall stufte BMW bereits vor der heutigen VW-bedingten Delle von „Hold" auf „Buy" hoch und hob das Kursziel auf 71 € an.

Seine Argumentation: Die im Juni gesenkten Jahresziele seien inzwischen realistisch, weil sowohl die China-Krise als auch die Folgen des Nahostkriegs im Ausblick eingepreist seien. Das Risiko weiterer Gewinnwarnungen sei damit spürbar reduziert, ein Gedanke, der für antizyklisch denkende Anleger durchaus interessant ist. Denn wenn das Schlimmste bereits in der Prognose steckt, braucht es nur noch mäßig gute Nachrichten, um positiv zu überraschen könnte man meinen.

ℹ️ BMW in Kürze

  • Die BMW AG (WKN: 519000) baut Automobile und Motorräder im Premiumbereich. Neben der Stammmarke BMW gehören auch die Marken Mini und Rolls-Royce zum Autokonzern aus München.
  • Mit rund 2,5 Millionen abgesetzten Fahrzeugen (2025) zählt BMW zu den 15 größten Autoherstellern der Welt.
  • BMW ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. Das Unternehmen wird aktuell mit 34,5 Milliarden € bewertet.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Die spannende Frage für die kommenden Quartale lautet, ob China BMW (sowie andere europäische Autobauer) in BMWs Heimatmarkt Europa überholt, oder ob sich der gute deutsche Autobauer bewährt. Gelingt der Ausbau der Elektro- und Hybridpalette schnell genug, könnte der Konzern die China-Schwäche zumindest teilweise kompensieren.

Wer der HSBC-These folgt, dass die Risiken inzwischen im Kurs stecken, findet bei dem derzeitigen Kurs von rund 56 € einen möglichen antizyklischen Einstiegspunkt, muss aber im gleichen Zuge viel Geduld und nerven aus Stahl mitbringen. Ich finde es nicht riskant in die Aktie zu investieren, aber ich vermute, dass sie noch günstiger wird und ihr Allzeit-Tief von 46 € noch erreicht.