ThyssenKrupp-Aktie -13%: Panik haben oder cool bleiben?
Das ist der Grund für den Kurseinbruch
Einen Grund zur Panik gibt es nicht. Anleger können sich entspannt zurücklehnen.
Der Grund für den heutigen Kursabschlag der ThyssenKrupp-Aktie ist nämlich rein strategisch-technischer Natur. Der deutsche Industriekonzern hat seine Tochtergesellschaft TK Accelis an die Börse gebracht. Dabei handelt es sich um die Werkstoffhandelssparte von ThyssenKrupp.
Der TK-Konzern spaltet 49% von Accelis ab und behält mit 51% weiterhin die Mehrheit. ThyssenKrupp-Aktionäre erhielten automatisch für 20 Aktien des Mutterkonzerns 1 Aktie von TK Accelis ins Depot gebucht.
Der Wertverlust der ThyssenKrupp-Aktie wurde somit rechnerisch durch den Wertzuwachs der neuen Accelis-Aktien ausgeglichen. Die TK Accelis-Aktie startete mit einem Kurs von 27,80 € in den Handel, woraus sich ein Börsenwert von knapp 1,80 Milliarden € ergibt.
Mit dem erfolgreichen Spin-off der dritten Tochtergesellschaft (nach der Wasserstoffsparte Nucera und der Marinesparte TKMS) kommt ThyssenKrupp einen weiteren Schritt bei der Umsetzung seiner Strategie ACES 2030 voran. Damit will Vorstandschef Lopez den Konzern zu einer reinen Finanzholding mit Mehrheitsbeteiligungen an verschiedenen Industrie- und Technologieunternehmen umbauen.
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So sieht der Konzern nun aus
Nach dem Spin-off des ehemaligen Werkstoff- und Dienstleistungsgeschäfts besteht der ThyssenKrupp-Konzern nun nur noch aus den drei Sparten Steel Europe, Automotive Technology und Decarbon Technologies.
Das traditionelle Stahlgeschäft gehört nach wie vor zum Konzern, wobei hier seit längerer Zeit strukturelle Veränderungen, Partnerschaften und Verselbstständigungsschritte vorangetrieben werden. Die Gespräche zwischen Thyssenkrupp und dem indischen Konzern Jindal Steel International über eine mögliche Übernahme von Thyssenkrupp Steel Europe wurden bereits im Mai auf Eis gelegt. Offenbar präferiert der deutsche Konzern derzeit ein Spin-off nach dem Vorbild der anderen Konzerntöchter.
Im Bereich Automotive Technology entwickelt und produziert ThyssenKrupp Komponenten und Bauteile für die Automobilindustrie. Dazu gehören vor allem Lenkungssysteme, Federn, Stabilisatoren und Antriebskomponenten.
Und im Segment Decarbon Technologies bündelt ThyssenKrupp die auf die Energiewende und grüne Technologien ausgerichteten Aktivitäten. Dazu zählen neben der Wasserstoffelektrolyse auch der Anlagenbau für die Chemie- und Zementindustrie sowie Großlager und Lagertechnologien.
Das 3-Monatstief rückt nahe
Das Chartbild der ThyssenKrupp-Aktie verdüstert sich durch den heutigen Kursverlust deutlich. Der Kurs fällt fast auf das 3-Monatstief bei 12 €. Sollte dieser wichtige Support nicht halten, könnte sich der Kursrückgang bis rund 11 € fortsetzen.
Es ist und bleibt ein Gemischtwarenladen
Ich bin und bleibe kein Fan der ThyssenKrupp-Aktie. Meiner Meinung nach ist der Kurs des deutschen Industriekonzerns in jüngster Vergangenheit viel zu stark gestiegen. Innerhalb der letzten 24 Monate hat er sich nahezu versechsfacht.
Aktuell wird die ThyssenKrupp-Aktie mit dem Elffachen ihrer Gewinnschätzung für das kommende Jahr gehandelt. Das ist meiner Einschätzung nach ein viel zu hoher Wert für einen Industriekonzern, der sich in einer riesengroßen strategischen Transformation befindet und seit mehreren Jahren operativ rote Zahlen schreibt.
Die Idee von ThyssenKrupp, sich zu einer Industrie- und Technologieholding zu wandeln, mag reizvoll klingen. Einen Blumentopf kann man damit an der Börse meiner Meinung nach nicht gewinnen.
Generell stehen die Finanzmärkte „Gemischtwarenläden“ wie ThyssenKrupp skeptisch gegenüber. Deshalb werden die Aktien von Mischkonzernen in der Regel auch mit einem starken Konglomeratsabschlag gehandelt.
Zudem sehe ich bei den beiden Kernbereichen Stahl und Automobiltechnologie keine große Zukunft. Die Produktion von Stahl ist aufgrund der hohen Energiepreise in Deutschland kein Zukunftsgeschäft und auch die europäische Autoindustrie befindet sich auf dem absteigenden Ast.
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ℹ️ ThyssenKrupp in Kürze
- ThyssenKrupp (WKN: 750000) mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- ThyssenKrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell 8,0 Milliarden € wert.
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Fazit
Ich sehe vor diesem Hintergrund derzeit kein Upside für die ThyssenKrupp-Aktie. Sie hat sich in den letzten Monaten zu stark entwickelt und die Bewertung passt nicht mehr zur Geschäftsentwicklung der Konzerns.
Die Börse scheint vom strategischen Umbau des Konzerns begeistert zu sein. Ich bin es nicht.