Tesla-Aktie: Zwischen Absatzsorgen und Milliardenfantasie
Europa macht Hoffnung, China sorgt für Gegenwind
Für positive Impulse sorgen zunächst die europäischen Zulassungszahlen. In Schweden schossen Teslas Neuzulassungen im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat um 248% nach oben. Norwegen verzeichnete ein Plus von 131%, Dänemark immerhin 34%. Höhere Kraftstoffpreise, staatliche Kaufanreize und die wachsende Elektroauto-Nachfrage spielen Tesla dabei in die Karten. Allerdings ist auch die niedrige Vergleichsbasis zu berücksichtigen. Erst die noch ausstehenden Daten aus Deutschland und Großbritannien werden zeigen, ob sich die Erholung auf breiter Front fortsetzt.
Ausgerechnet in China fällt das Bild deutlich weniger erfreulich aus. Die Auslieferungen aus der Gigafactory Shanghai sanken im Oktober gegenüber dem Vormonat um 28,9% auf 67.829 Fahrzeuge. Zwar steht auf Jahressicht ein Wachstum von 10,3% zu Buche, doch der chinesische Elektroautomarkt wächst deutlich dynamischer. Während heimische Wettbewerber wie BYD, XPeng und Xiaomi ihre Position ausbauen, muss Tesla einen erheblichen Teil der Shanghai-Produktion exportieren. Das belastet die Perspektive für Absatz und Margen.
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SpaceX-Fantasie befeuert die Bullen
Noch mehr Aufmerksamkeit erhält derzeit allerdings die mögliche Fusion mit SpaceX. Beide Unternehmen haben Sonderausschüsse eingerichtet, um einen Zusammenschluss zu prüfen. Eine reine Aktientransaktion gilt unter Analysten als das wahrscheinlichste Szenario. Die Bank of America kommt in ihrer Modellrechnung auf einen Zielwert von 486 US$, sofern eine Prämie ausgehandelt wird. Das entspräche einem Aufschlag von rund +30%. Piper Sandler hält eine Fusion per Aktientausch inzwischen für wahrscheinlicher als nicht, warnt aber vor schwer kalkulierbaren Konditionen und möglichen Abschlägen wegen der unsicheren Genehmigung.
Besonders China könnte zur entscheidenden Hürde werden: Dort steht rund die Hälfte der weltweiten Tesla-Produktion. Hinzu kommt die erforderliche Zustimmung der Aktionäre. Ein Abschluss ist also keineswegs sicher. Dennoch sorgt die Fantasie bereits für steigende Kursziele: Barclays sieht 450 US$, die Bank of America 460 US$ und Mizuho ebenfalls 460 US$. Der Analystenkonsens liegt mit rund 417 US$ dagegen nur moderat über dem aktuellen Kursniveau.
Bewertung und Chart: Viel Potenzial, aber hohe Hürden
Fundamental bleibt Tesla anspruchsvoll bewertet. Ein Forward-KGV von deutlich über 100 zeigt, wie viel Zukunftsfantasie für Robotaxis, KI und Software bereits im Aktienkurs eingepreist ist.
Charttechnisch ist die Rückeroberung der 400-US$-Marke ein wichtiges Signal. Seit Ende Juli befindet sich die Aktie in einer starken Aufwärtsbewegung. Nun warten bei 404 US$ die Abwärtstrendlinie seit dem Rekordhoch Ende 2025, bei 414,50 US$ das frühere Rekordhoch von 2021 und bei 422 US$ das so wichtige 61,8%-Fibonacci-Retracement. Gelingt der Ausbruch, rücken das Rekordhoch und anschließend 500 US$ in den Fokus. Unterstützungen liegen bei 400 US$ und der 50-Tage-Linie bei 370,42 US$.
ℹ️ Tesla in Kürze
- Der 2003 gegründete US-Autohersteller mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas ist derzeit der weltweit zweitgrößte Hersteller von Elektroautos. Neben Fahrzeugen stellt Tesla (WKN: A1CX3T) auch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen her.
- Die Fahrzeuge und teilweise auch die Batterien werden in Gigafactories genannten Großfabriken produziert. Derzeit betreibt Tesla Gigafactories in den USA, Deutschland und China.
- Tesla ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei rund 1,59 Billionen US$.
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Fazit
Ich sehe Tesla trotz der Schwächen in China weiterhin positiv. Die europäische Nachfragebelebung, die Chancen im autonomen Fahren und vor allem die SpaceX-Fantasie liefern reichlich Stoff für weitere Kursgewinne. Allerdings ist die Bewertung das große Warnsignal: Sie nimmt bereits sehr viel Positives vorweg und lässt kaum Raum für Enttäuschungen. Kurzum Für mich bleibt Tesla damit eine spannende Wachstumsstory, deren Risiken aber nicht unterschätzt werden sollten.
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