Starbucks-Aktie: Riskante Chipotle-Wette?

Chipotle-Übernahme im Check
Berichten zufolge prüft Starbucks eine Übernahme der Tex-Mex-Kette Chipotle Mexican Grill und ein heißeres Thema könnte es heute nicht geben, denn es wäre nicht nur die bislang größte Übernahme in der Systemgastronomie. Es wäre ein Strategie-Zug vom Turnaround-Kandidaten Starbucks. Was erst einmal nur die Prüfung einer Übernahme ist, schickte die Starbucks-Aktie rund -4% runter und die Chipotle-Aktie +7% rauf. Wie wahrscheinlich ist das Geschäft, und wie würde Starbucks von der Übernahme profitieren?

What's the deal?

Die Größenordnung wäre mit einem geschätzten Transaktionsvolumen von über 39 bis 41 Milliarden US$. Der Personaldreh- und Angelpunkt ist dabei der jetzige Starbucks-Chef Brian Niccol. Er leitete Chipotle von 2018 bis 2024 und gilt als wichtiger Architekt des damaligen Wachstums der Restaurantkette, bevor er 2024 zu Starbucks wechselte. Eine Übernahme würde ihn also zu der Restaurantkette zurückführen, die er zuvor gut gekannt und geführt hat.

Im August 2024 wechselte Niccol überraschend als CEO zu Starbucks, um die schwächelnde Kaffeehauskette mit seiner Strategie „Back to Starbucks“ wieder auf Kurs zu bringen. Passt ein so gewaltiger Zukauf zur Strategie „Back to Starbucks“ oder übernimmt sich der Konzern?

Eine strategische Erklärung könnte sein, dass Starbucks weltweit rund 40.000 Filialen betreibt, Chipotle knapp 4.000 – überwiegend in den USA. Chipotle könnte über Starbucks' internationale Präsenz schneller neue Märkte erschließen. Umgekehrt könnten Kundenbindungsprogramme und gemeinsame Marketingaktionen Vorteile bringen. Wie groß diese Synergien tatsächlich wären, ist allerdings offen.

Warum feiern die Starbucks-Aktionäre nicht?

Für Starbucks gibt es drei zentrale Probleme. Zum einen steckt Starbucks mitten in einer eigenen operativen Umstrukturierung und hat kaum überschüssiges Cash für eine so gewaltige Barübernahme. Die bereinigte operative Marge lag im dritten Quartal bei 14,4%, gegenüber 16,7% im entsprechenden Quartal zwei Jahre zuvor. Weitere Investitionen in Personal und Filialen belasten die Profitabilität erheblich.

Des Weitern ist der Kaufpreis sehr hoch. Bei rund 41 Milliarden US$ Chipotle-Börsenwert wäre die Übernahme teuer. Üblicherweise müsste Starbucks für eine vollständige Übernahme zusätzlich eine Prämie zahlen. Das würde erhebliche Schulden bedeuten. Anleger befürchten eine zu starke Verwässerung der eigenen Aktien, falls der Deal vor allem über Aktientausch finanziert wird.

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Der Haken

Zuletzt sind die Synergien zwischen Kaffee und mexikanischem Fast-Food fraglich. Es sind zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle, Abläufe und Lieferketten. Analysten sehen bislang keine überzeugenden Synergien, die einen solchen Deal rechtfertigen würden.

Aktionäre des möglichen Übernahmeziels (Chipotle) hoffen auf einen Aufschlag, während Anleger des Käufers (Starbucks) die Kosten und Risiken fürchten. Es handelt sich bisher um Überlegungen in einer frühen Phase, die mit Beratern durchgespielt wurden – ob es zu einem verbindlichen Angebot kommt, ist noch offen.

Ein Kontraargument ist auch ganz klar die Bewertung. Mit einem Forward-KGV von 31 ist Starbucks im Vergleich zu  der Konkurrenz teuer. McDonald's kommt nur auf 19 und weist deutlich stabilere Erträge und einer stärkere Marke auf. On top kommt das Risiko einer Verwässerung der Starbucks-Aktien, was nicht so unerheblich wäre.

ℹ️ Starbucks in Kürze

  • Starbucks mit Sitz in Seattle ist die größte Kaffeehauskette der Welt.
  • Das Unternehmen betreibt über 40.000 eigene und lizenzierte Selbstbedienungscafés in mehr als 80 Staaten der Welt.
  • Neben dem Vertrieb von Kaffeeprodukten und Snacks verkauft die Kette auch ein Sortiment an Kaffeebohnen.
  • Starbucks notiert an der US-Technologiebörse NASDAQ und ist aktuell 106 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Trotz fraglicher Synergien überwiegen für mich die strategischen Chancen für Starbucks und Chipotle. Ich stufe die geplante Übernahme als einen lohnenden Schritt ein, auch wenn es teuer wird. Der entscheidende Vorteil ist der Starbucks-CEO, der Chipotles Geschäftsmodell extrem gut kennt und nun schon den zweiten Turnaround leitet. Er kennt die Probleme der Gastronomien sehr gut und auf seine Kompetenz kann man zählen. Allerdings spricht die derzeitige Bewertung auch nach einem Minus von -4% eher gegen einen Kauf.