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PayPal-Aktie: Was ist hier jetzt eigentlich Sache?

Payment-Riese sucht nach Impulsen
Redaktion
Die gescheiterte Übernahme von PayPal hat den Aktienkurs deutlich belastet, die Bewertung erscheint inzwischen jedoch vergleichsweise niedrig. Selbst bei nur geringem Umsatzwachstum könnten Aktienrückkäufe den Gewinn je Aktie deutlich steigern und damit weiteres Kurspotenzial schaffen.

Übernahme gescheitert, Bewertung bleibt attraktiv

Stripe und Advent International hatten im Juli 60,50 Dollar je PayPal-Aktie geboten, zogen das Angebot am 27. August jedoch zurück. Die Aktie fiel daraufhin auf 53,66 Dollar und bewegt sich seitdem überwiegend seitwärts. Zuletzt schloss sie bei 54,61 Dollar und damit weiterhin unter dem durchschnittlichen Analystenziel von 56,92 Dollar.

Entscheidend ist aus Bewertungssicht, dass der gebotene Preis bereits nur gut dem 11-Fachen der diesjährigen Gewinnprognose entsprach. Heute wird PayPal mit etwa dem 10-Fachen dieser Prognose und weniger als dem 9,5-Fachen der erwarteten Gewinne für das kommende Jahr bewertet.

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Das operative Bild ist gemischt

Die größte Schwäche bleibt das klassische Online-Checkout-Geschäft. Das Wachstum lag im zweiten Quartal lediglich bei 2 Prozent und damit auf dem Niveau des Vorquartals. Während der Onlinehandel weiter wächst, verliert PayPal Marktanteile.

Auch im dritten Quartal zeichnet sich bislang keine deutliche Beschleunigung ab. Das Unternehmen rechnet beim markenbezogenen Checkout mit einem währungsbereinigten Wachstum von lediglich 1 bis 2 Prozent.

Für die Investmentthese muss das Geschäft allerdings nicht deutlich wachsen. Entscheidend ist vielmehr, dass es nicht nachhaltig schrumpft und weiterhin hohe Cashflows generiert.

Venmo bietet Wachstumspotenzial

Deutlich attraktiver erscheint Venmo. Der Umsatz stieg 2025 um 20 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. Gleichzeitig nimmt die Nutzung der Debitkarte stark zu. Kunden, die sowohl die Karte als auch Pay with Venmo nutzen, erzielen deutlich höhere Umsätze als reine Peer-to-Peer-Nutzer.

Neue Cashback-Angebote sollen die Kartennutzung zusätzlich fördern. Durch die organisatorische Ausgliederung von Venmo in eine eigene Sparte wird zudem eine separate Bewertung des Geschäfts erleichtert.

Braintree gewinnt an Dynamik

Auch Braintree entwickelt sich positiv. Das Zahlungsvolumen wuchs im zweiten Quartal um 13 Prozent nach 11 Prozent im ersten Quartal und 7 Prozent in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres.

Besonders relevant ist, dass das Management das Wachstum inzwischen als profitabel bezeichnet. Damit verbessert sich die Qualität des Geschäfts und nicht lediglich dessen Volumen.

Aktienrückkäufe werden zum wichtigsten Kurstreiber

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 5 Prozent auf 8,68 Milliarden Dollar, während die operative Marge zurückging. Gleichzeitig erhöhte PayPal seine Jahresprognose auf rund 5,38 Dollar bereinigten Gewinn je Aktie und stellte rund 6 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe in Aussicht.

Diese Summe entspricht ungefähr 13 Prozent des aktuellen Börsenwerts. Bereits im zweiten Quartal lag die verwässerte Aktienzahl mit 882 Millionen deutlich unter den 977 Millionen des Vorjahres.

Unter der Annahme eines weitgehend stagnierenden Nettogewinns könnten weitere Rückkäufe die durchschnittliche Aktienzahl bis 2027 auf rund 781 Millionen reduzieren. Daraus ergäbe sich ein Gewinn je Aktie von etwa 6 Dollar und damit ein Wachstum von rund 11,5 Prozent, obwohl keinerlei operative Verbesserung unterstellt wird.

Bewertung lässt viel Luft

PayPal wird derzeit mit rund dem 9-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet. Visa und Mastercard liegen bei etwa dem 24-Fachen, Adyen, Block und Affirm ebenfalls deutlich höher. Lediglich einige schwächer entwickelte Zahlungsabwickler werden ähnlich niedrig bewertet.

Gerade im Vergleich zu Block erscheint die Differenz schwer zu rechtfertigen. Beide Unternehmen verbinden ein Verbrauchergeschäft mit Lösungen für Händler, doch Block wird trotz der höheren Wachstumsrate mit einem deutlich höheren Gewinnmultiplikator bewertet.

Bei einem Gewinn je Aktie von 6 Dollar und einem Bewertungsmultiple von 11 ergibt sich ein Kursziel von 66 Dollar. Das entspricht einem moderaten Aufschlag gegenüber der Bewertung, die bereits im früheren Übernahmeangebot enthalten war.

Chancen und Risiken bleiben ausgewogen

Das größte Risiko besteht in einem anhaltenden Rückgang des klassischen Checkouts. Apple Pay, Shop Pay und die Kartennetzwerke gewinnen Marktanteile, während PayPal zusätzlich mit einer sinkenden Take Rate und organisatorischen Veränderungen konfrontiert ist.

Auch der Wettbewerb im Bereich KI-Commerce ist schwer einzuschätzen. Sollte die Kontrolle über Kundenidentität und Zahlungsabwicklung künftig stärker bei KI-Plattformen oder Kartennetzwerken liegen, könnte PayPal zu einem austauschbaren Zahlungsanbieter werden.

Auf der anderen Seite verfügt das Unternehmen über hohe Cashflows, eine deutlich sinkende Aktienzahl und ein wachsendes Venmo-Geschäft. Kostensenkungen könnten zusätzliche Margenverbesserungen ermöglichen, auch wenn deren Effekt zunächst nicht vollständig in die Bewertung einbezogen werden sollte.

ℹ️ PayPal in Kürze

  • PayPal (WKN: A14R7U) betreibt den weltweit bekanntesten Online-Bezahldienst. Im letzten Quartal nutzten über 420 Millionen Verbraucher weltweit den Service für Online-Überweisungen und die Bezahlung von Rechnungen im Internet.
  • Das Unternehmen mit Sitz in San José im US-Bundestaat Kalifornien ist Teil des Nasdaq 100 und des S&P 500 Index.
  • PayPal ist Mitglied im S&P 500 und rund 47 Milliarden US$ wert.

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Redaktion

Fazit

PayPal muss nicht zum Wachstumswert werden, damit die Aktie attraktiv ist. Hohe freie Cashflows, umfangreiche Rückkäufe und das Wachstum von Venmo bieten bei der niedrigen Bewertung ausreichend Potenzial für eine Neubewertung.

Unser Basisszenario geht von einem weitgehend stabilen bereinigten Nettogewinn und einem Gewinn je Aktie von rund 6 Dollar im Jahr 2027 aus. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 ergibt sich daraus ein Wert von 66 Dollar. Dieses Ziel erscheint trotz der Schwächen im Checkout-Geschäft erreichbar, während ein erneutes Übernahmeinteresse zusätzliches Potenzial darstellen würde.

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