Oracle-Aktie: Kann man jetzt sein Geld verdreifachen?
Weitere Kapitalmaßnahmen
Auslöser des jüngsten Kurseinbruchs der Oracle-Aktie war erneut ein gewaltige Kapitalaufnahme des Technologiekonzerns. Oracle beschaffte sich in den letzten Tagen 20 Milliarden US$ auf dem Kapitalmarkt, je zur Hälfte über Eigen- und Fremdkapital.
Der Konzern führte eine Kapitalerhöhung über 86,2 Millionen neue Aktien zu je 116 US$ aus. Dieser Preis lag rund 11% unter dem Schlusskurs vom 30. Oktober, als die Ausgabe der Aktien angekündigt wurde. Die Zahl der ausstehenden Oracle-Aktien steigt dadurch um ca. 2,9%, was selbstverständlich zu einer Verwässerung der Altaktionäre führt.
Gleichzeitig besorgte sich Oracle auch Fremdkapital über die Ausgabe neuer Anleihen in Höhe von 10 Milliarden US$. Diese laufen in fünf Tranchen von 2029 bis 2046.
Günstig sind die Anleihen nicht. Oracle bezahlt dafür Zinssätze zwischen 7,00 und 8,65%. Für die letzte Anleihenserie mit gleicher Laufzeit (bis 2046) im Februar bezahlt der Konzern nur einen Kupon von 6,55%.
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Reicht das jetzt endlich?
Nun scheint es aber vorerst genug zu sein mit den Kapitalmaßnahmen. Oracle kündigte an, bis zum Geschäftsjahr 2030 kein weiteres Kapital aufnehmen zu wollen.
Die Kreditverbindlichkeiten lagen per Ende August bei 125,3 Milliarden US$. Hinzu kommen noch nicht begonnene Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 288,0 Milliarden US$.
Für die zweite Hälfte des GJ 2028 prognostiziert das Oracle-Management wieder einen positiven freien Cashflow. Im GJ 2029 soll dieser mindestens 30 Milliarden US$ betragen.
Die 100 US$-Marke im Visier
Es könnte diese Woche sehr kritisch im Chart der Oracle-Aktie werden. Der Kurs ging gestern nur noch hauchdünn über dem 12-Monatstief bei 115 US$ aus dem Handel.
Und auch das 3-Jahrestief bei 100 US$ ist nicht mehr allzu weit entfernt. Für mich ist es nicht ausgeschlossen, dass die Oracle-Aktie dieses Tief in den kommenden Tagen testen wird.
Analysten überschlagen sich in Bullishness
Analysten überschlagen sich inzwischen in ihrer Bullishness in Bezug auf die Oracle-Aktie. Die Oberbullen der Investmentbank Guggenheim glauben mit einem Kursziel von 400 US$ an eine mehr als Verdreifachung des aktuellen Kurses von 120 US$.
Aber auch andere Banken und Analysehäuser sehen derzeit ein extrem hohes Upside für die Oracle-Aktie. Hier eine kurze Auswahl der aktuellen Kursziele: Bernstein 325 US$, Cantor Fitzgerald 284 US$, Oppenheimer 275 US$, Barclays 252 US$, UBS und Wells Fargo 250 US$, Bank of America 240 US$.
Selbst die Bären von Goldman Sachs, JPMorgan und RBC Capital sehen mit Kurszielen von 206, 200 und 165 US$ noch ein deutliches Kurspotenzial für die Oracle-Aktie. Das durchschnittliche Kursziele liegt mit 234 US$ rund +95% über dem aktuellen Kursniveau.
Ein großes Risiko
Diese meiner Meinung nach extrem euphorischen Analystenbewertungen gehen davon aus, dass es Oracle innerhalb kurzer Zeit gelingen wird, seine gigantischen Investitionen in seine KI-Cloud-Infrastruktur zu amortisieren. In der Tag macht der Auftragsbestand große Hoffnungen. Er liegt bei rund 640 Milliarden US$.
Es gibt dabei aber einen ebenso großen Risikofaktor. Oracle leidet unter einer gewaltigen Kundenkonzentration. Schätzungen zufolge macht der ChatGPT-Entwickler OpenAI rund die Hälfte dieses Auftragsbestandes aus.
Das muss man nicht unbedingt als Nachteil sehen. Ich gehe davon aus, dass ChatGPT neben Claude (Anthropic), Gemini (Alphabet) und Muse (Meta Platforms) eines der vier marktbeherrschenden KI-Modelle sein wird.
Das lässt aber trotzdem keinen Rückschluss auf den absoluten Erfolg von OpenAI zu. Sollte dieser hinter den Erwartungen zurückbleiben, wird sich das auch auf den Auftragsbestand von Oracle auswirken. OpenAI wird in diesem Fall gebuchte Kapazitäten in den Rechenzentren von Oracle nicht abrufen.
Warum dieser Bewertungsabschlag?
Die Oracle-Aktie ist derzeit vor dem Hintergrund der hochdynamischen Entwicklung des Tech-Konzerns mit einem Forward-KGV von 16 sehr günstig bewertet. Im laufenden und im kommenden Jahr dürfte der Umsatz zwischen 35 und 45% zulegen.
Die große Frage wird sein, ob Oracle dieses Umsatzwachstum auch in Gewinnwachstum ummünzen kann. Der „Bewertungsabschlag“ der Oracle-Aktie signalisiert mir, dass die Börse hinter diese Frage derzeit ein ganz großes Fragezeichen setzt.
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ℹ️ Oracle in Kürze
- Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
- Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
- Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
- Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 361 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Ich rate Anlegern, vorerst noch die Füße bei der Oracle-Aktie still zu halten. Sie wird fundamental sehr kritisch am Markt gesehen und ist charttechnisch stark angeschlagen.
Sollten das 3-Jahreshoch unterboten werden, befürchte ich einen weiteren Sell-off. Oracle wird sich in den kommenden Monaten sehr anstrengen müssen, der Börse die Sorge vor seiner gewaltig kapitalintensiven Expansionsstrategie zu nehmen.