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Nebius-Aktie: Bietet sich hier gerade eine Mega-Chance?

Verluste von knapp -30% seit Anfang Oktober
Die wachsenden Sorgen über die immensen Finanzierungskosten im KI-Sektor haben nun auch die Aktie des niederländischen Neocloud-Pioniers Nebius auf Talfahrt geschickt. Seit Anfang Oktober büßte der NASDAQ-Wert fast ein Drittel seines Kurses ein – allein am Mittwoch krachte das Papier um über 10 % nach unten. Damit stellt sich die fundamentale Frage: Bietet dieser heftige Rücksetzer eine attraktive Einstiegschance oder sollten Anleger vorerst an der Seitenlinie bleiben?

Finanzierungssorgen überschatten den KI-Boom

Auslöser des jüngsten Ausverkaufs waren höher als erwartete US-Inflationsdaten und die damit verbundenen Sorgen vor weiter steigenden Zinsen. Bei kapitalintensiven KI-Infrastrukturunternehmen reagieren Anleger besonders empfindlich auf höhere Finanzierungskosten. Auch der Wettbewerber CoreWeave geriet massiv unter Druck, zumal dessen Geschäftsmodell besonders stark auf Fremdfinanzierung angewiesen ist. Hinzu kommt die grundsätzliche Frage, ob sich die Milliardeninvestitionen in zusätzliche Rechenleistung schnell genug bezahlt machen.

Nebius bleibt davon nicht verschont. Das Unternehmen plant Investitionen von 20 bis 25 Milliarden US$. Zugleich ist die Verschuldung zuletzt deutlich gestiegen. Zwar hat Nebius im laufenden Jahr bereits mehr als zwei Milliarden US$ über eine Aktienemission aufgenommen. Das schafft finanziellen Spielraum, garantiert aber noch keine dauerhaft rentable Expansion.

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Milliarden-Aufträge und steigende Preise als Lichtblicke

Für mich wäre es allerdings falsch, die Wachstumsgeschichte allein wegen der aktuellen Börsenschwäche abzuschreiben. Der Umsatz legte im zweiten Quartal um beeindruckende 454% auf 582,3 Millionen US$ zu. Zudem verfügt Nebius über einen gewaltigen vertraglichen Auftragsbestand von mehr als 40 Milliarden US$. Großkunden wie Microsoft und Meta sichern einen bedeutenden Teil davon ab.

Auch die Preiserhöhungen für On-Demand-GPU-Dienste, darunter Angebote auf Basis von Nvidia H100 und B200, sind ein positives Signal. Sie sprechen für eine weiterhin hohe Nachfrage nach KI-Rechenleistung und eine gewisse Preissetzungsmacht. Ob daraus langfristig entsprechend hohe Gewinne entstehen, muss Nebius allerdings erst beweisen.

Zwischen Analysten-Zuspruch und hoher Bewertung

Rückenwind kommt zudem von der Analystenseite: Rosenblatt Securities empfiehlt die Aktie zum Kauf und nennt ein Kursziel von 304 US$. BNP Paribas sieht mit einem Ziel von 399 US$ sogar noch mehr Potenzial. Im Durchschnitt sehen die Experten die Aktie mit 289 US$ fair bewertet.

Solche Einschätzungen sind aber kein Freifahrtschein – gerade angesichts der hohen Bewertung. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 38 lässt wenig Raum für Enttäuschungen.

Insiderverkäufe und Charttechnik mahnen zur Vorsicht

Verkäufe von Führungskräften belasteten zuletzt zusätzlich die Stimmung. Allerdings erfolgten entsprechende Transaktionen teilweise über vorab eingerichtete Handelspläne. Sie sind daher kein Beleg dafür, dass Insider spontan das Vertrauen in das Unternehmen verloren haben.

Charttechnisch befindet sich Nebius nach der Mega-Rallye von Anfang April bis Mitte Juni in einer Konsolidierung. Auf die Erholung von Ende Juli bis Mitte August folgte zuletzt neuer Verkaufsdruck. Mit dem Bruch der 50- und 100-Tage-Linie sowie dem Fall unter 200 US$ hat sich das Bild eingetrübt. Nun rückt die 200-Tage-Linie bei 173,13 US$ in den Fokus. Sie stoppte bereits im Februar einen Abverkauf und könnte erneut als wichtige Unterstützung dienen. Fällt auch diese Marke nachhaltig, drohen weitere Rückschläge.

ℹ️ Nebius in Kürze

  • Nebius (WKN: A1JGSL) mit Sitz in Amsterdam ist ein Technologieunternehmen, das KI-Cloud-Infrastruktur anbietet.
  • Das Unternehmen betreibt Rechenzentren und verkauft Rechenleistungen und sonstige Mehrwertdienste an große Tech-Konzerne.
  • Zudem besitzt Nebius zahlreiche Beteiligungen an Technologieunternehmen, darunter Avride (Robotaxis), TripleTen (Edtech-Plattform), Toloka (KI-Trainingsdaten) und Clickhouse (Datenbankmanagement).
  • Nebius wurde 1989 als Holding für die russische Suchmaschine Yandex gegründet. 2024 wurde das komplette Russlandgeschäft aufgrund des Ukrainekrieges veräußert.
  • Nebius notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist aktuell 47,23 Milliarden US$ wert.

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Fazit

Ich sehe den Kurssturz vor allem als Warnsignal für die Finanzierung des KI-Booms, jedoch keineswegs als Beweis für das operative Scheitern von Nebius. Aus meiner Sicht ist die Finanzierung des Wachstums besser abgesichert als bei deutlich stärker fremdfinanzierten Wettbewerbern wie CoreWeave. Entscheidend bleiben dennoch die Bilanzentwicklung und der Weg zu nachhaltig positiven Mittelüberschüssen.

Für langfristig orientierte Anleger könnte die Korrektur deshalb eine interessante Gelegenheit eröffnen. Ich gehe davon aus, dass die Erfolgsgeschichte von Nebius weitergehen kann. Wer allerdings schwache Nerven hat oder kurzfristig auf schnelle Gewinne setzt, sollte die Finger von der Aktie lassen. Die Chancen sind groß – die Risiken und Kursschwankungen aber ebenso.

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