XRP: Was bringen Ripples 900 Millionen US-Dollar dem Token?
Ripple hat auf seiner Hauskonferenz Swell in New York ein ehrgeiziges Umsatzziel vorgelegt, doch XRP hat darauf nicht reagiert. Am Donnerstagmorgen kostete der Token 1,29 US$. Das sind -2,6% binnen 24 Stunden und -28,8% seit Jahresbeginn. Zugleich wächst der hauseigene Stablecoin RLUSD kräftig. Damit stellt sich die Frage: Drängt Ripple seinen eigenen Token an den Rand?
Ripple wächst im Produktgeschäft
Bis Ende 2026 will Ripple im Produktgeschäft auf eine annualisierte Umsatzrate von rund 900 Millionen US$ kommen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Es handelt sich um eine Hochrechnung auf Basis des erwarteten Geschäftsverlaufs, eingenommen ist dieser Umsatz also noch nicht. Getragen wird das Wachstum von Zahlungsabwicklung, Verwahrung, Stablecoins, Prime Brokerage und Treasury-Diensten für Unternehmen. Dazu kommen mehrere Zukäufe. Nach Unternehmensangaben hat sich die Zahl der Kunden und Partner, die mehrere Ripple-Lösungen nutzen, verdreifacht. Darunter sind BNY, Robinhood und DriveWealth.
Zwei Tage vor der Konferenz hatte die US-Bankenaufsicht OCC die Ripple National Trust Bank endgültig genehmigt. Sie soll die Reserven hinter RLUSD verwalten. Wie viel das Unternehmen selbst wert ist, zeigt ein Aktienrückkauf: Im März dieses Jahres kaufte Ripple eigene Anteile für 750 Millionen US$ zurück und legte dabei eine Bewertung von 50 Milliarden US$ zugrunde. Im November 2025 waren es noch 40 Milliarden US$.
RLUSD wächst schneller
Die Marktkapitalisierung von RLUSD ist in diesem Jahr um 88% auf 2,6 Milliarden US$ gestiegen. Der Stablecoin ist inzwischen bei Coinbase, Robinhood, Binance, Kraken und OKX handelbar. Viele XRP-Anleger stört, dass Ripple in der Ankündigung keine Umsätze direkt mit XRP verknüpft. Hinzu kommt, dass Robinhood Zahlungen auf dem XRP Ledger mit RLUSD abwickeln will, der Token selbst spielt dabei keine Rolle. Außerdem hat Ripple nach dem zweiten Quartal 2025 aufgehört, seine vierteljährlichen XRP-Marktberichte zu veröffentlichen.
Ripple-Chef Brad Garlinghouse widersprach den Zweifeln auf der Bühne. Ripple werde XRP „niemals aufgeben“, sagte er, und nannte Token und Stablecoin einander ergänzende Produkte. Auf Sicht von fünf Jahren hält er XRP für den institutionellen Goldstandard für Krypto-Zahlungsschienen. Gleichzeitig räumte er ein, dass Ripple auf klassische Währungen oder RLUSD setzt, wenn das den Kunden besser dient. Genau das ist aus meiner Sicht der Kern des Problems. Ripple kann als Unternehmen stark wachsen, ohne dass dafür im gleichen Maß XRP gekauft werden muss. Ein positives Signal für den Token ist immerhin, dass BNY die Verwahrung von XRP in sein Angebot aufgenommen hat.
ETF-Gelder fließen zögerlich
Bei den US-Spot-ETFs auf XRP gingen am 29. Oktober netto 8,43 Millionen US$ ein. Den größten Anteil hatte der Franklin XRP ETF mit 5,57 Millionen US$, danach folgte der Bitwise XRP ETF mit 2,86 Millionen US$. Insgesamt verwalten die Produkte 1,465 Milliarden US$. Seit dem Start sind netto 1,809 Milliarden US$ zugeflossen. Zuvor hatte es erstmals seit 13 Wochen eine Woche mit Abflüssen gegeben.
Großanleger reduzieren Bestände
Andere Marktdaten sprechen dagegen für Verkaufsdruck. Die Zahl der Wallets mit 10 bis 100 Millionen XRP ist von 351 auf 339 gesunken. Auf Handelsplätzen liegen inzwischen 11,05 Milliarden XRP, was oft als Zeichen für Verkaufsbereitschaft gilt. Außerdem wurde am vergangenen Sonntag 1 Milliarde XRP aus dem Treuhandkonto freigegeben. Charttechnisch gilt die Marke von 1,25 US$ als wichtige Unterstützung. Hält sie, wäre ein Anstieg bis zur Nackenlinie einer möglichen umgekehrten Schulter-Kopf-Schulter-Formation bei 1,55 US$ denkbar. Fällt XRP unter 1,20 US$, rückt die Marke von 1 US$ in den Blick.
Fazit
Ich sehe in den Swell-Ankündigungen vor allem eine gute Nachricht für das Unternehmen Ripple. Für XRP selbst bringen sie wenig. Garlinghouses Bekenntnis zum Token kostet Ripple nichts, und die wachsenden Geschäftsfelder zeigen bisher vor allem auf RLUSD und klassische Währungen. Solange Ripple nicht offenlegt, welcher Teil des Zahlungsvolumens über XRP läuft, würde ich Unternehmenswachstum und Kurs des Tokens getrennt betrachten. Aus meiner Sicht ersetzt RLUSD den Token noch nicht, schwächt aber seine Rolle als Brückenwährung, die bislang als zentrales Kaufargument galt.
Entscheidend wird nun sein, ob große Partner wie BNY XRP ausdrücklich als Abwicklungswert einsetzen. Ebenso wichtig ist, ob die frisch freigegebenen Token auf dem Markt landen. Die leichten ETF-Zuflüsse können den Druck durch große Verkäufer derzeit kaum ausgleichen. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, ihre Position zu halten, solange die charttechnische Unterstützung trägt. Wer neu einsteigen will, könnte die Entwicklung zunächst von der Seitenlinie aus beobachten. Ein Einstieg könnte erst interessant werden, wenn Ripple XRP in den neuen Partnerschaften messbar einsetzt.
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