+++ Dieser kleine Explorer will Europas Rohstoff-Lücke schließen und die Abhängigkeit von China verringern. Jetzt mehr erfahren +++
stock.adobe.com/Gabriel

Volkswagen-Aktie +2,8%: Ist der Milliardenverlust eingepreist?

Börsen-Fantasie trotz Verlust
Redaktion | Börse

Volkswagen meldet für das dritte Quartal einen Verlust von rund 5,82 Milliarden €, doch die Aktie legt am Nachmittag 2,8% auf 70,96 € zu. Seit Jahresbeginn steht damit trotzdem ein Minus von knapp einem Drittel zu Buche. Damit stellt sich die Frage: Ist das erste Verlustjahr seit dem Diesel-Skandal bereits eingepreist, oder kommt das Schlimmste erst noch?

Buchverluste dominieren das Quartal

Für die ersten neun Monate weist der Konzern ein Ergebnis nach Steuern von minus 2,72 Milliarden € aus. Den größten Einzelposten bildet eine Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche in Höhe von rund 6,4 Milliarden €, die zwar nicht zahlungswirksam ist, den ausgewiesenen Gewinn aber massiv belastet. Hintergrund sind gesenkte Erwartungen an die Entwicklung der Stuttgarter Tochter, die zuletzt unter dem Einbruch im China-Geschäft, den US-Zöllen und Korrekturen bei der Elektro-Strategie gelitten hatte.

Von den für das Gesamtjahr erwarteten Sonderkosten von rund 10 Milliarden € sind 8,7 Milliarden bereits verbucht. Dazu zählt auch der geplante Verkauf des Werks Osnabrück an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen, zu dem der Konzern keine Summe nannte. Ohne diese Sondereffekte hätte Volkswagen in den ersten neun Monaten operativ 8,8 Milliarden € verdient, bei einem Konzernumsatz von 233,4 Milliarden € und einem Rückgang von 2,2%.

Elektro-Erfolg kostet Marge

Jedes fünfte bis Ende September in Europa ausgelieferte Fahrzeug war ein reiner Stromer, rund 40% des Auftragsbestands entfallen auf E-Modelle, und allein für die Kleinwagen-Familie um den ID. Polo lagen zuletzt 150.000 Bestellungen vor. Finanzchef Arno Antlitz zufolge liegt die Nachfrage auf einem Niveau, das der Konzern erst für 2029 erwartet hatte.

Der Haken liegt in der Rendite. Antlitz sagte, der Markterfolg der Elektrofahrzeuge setze das Ergebnis zusätzlich unter Druck, da der schnelle Hochlauf die Gewinnmarge verwässere. Beim ID. Cross liegt die Marge bei 70 bis 80% eines vergleichbaren Verbrenners, bei anderen Modellen darunter. Antlitz erwartet eine Verstärkung dieses Effekts in den kommenden Monaten und verweist auf die Notwendigkeit, Kosten zu senken. Der Boom soll dem Konzern zunächst helfen, die CO2-Flottengrenzwerte der EU einzuhalten und Strafzahlungen zu vermeiden.

China bricht weiter weg

In den ersten neun Monaten sanken die Verkäufe in China um gut 30% auf 1,38 Millionen Fahrzeuge, während das Unternehmen in Spitzenzeiten jährlich mehr als vier Millionen Autos dort absetzte. China-Chef Ralf Brandstätter sprach von einem Markt im freien Fall: Nach mehr als 24 Millionen verkauften Autos im Jahr 2025 werden für 2026 weniger als 19 Millionen erwartet.

Für 2026 rechnet VW in China vor Abschreibungen nur noch mit einem Ergebnis um die Gewinnschwelle, nach 200 bis 600 Millionen € positivem anteiligem Beitrag, die nach dem ersten Halbjahr noch in Aussicht standen. Antlitz sieht ein erhebliches Risiko, dass das vierte Quartal das Ergebnis vor Abschreibungen ins Minus drückt. In Spitzenjahren verdiente VW dort mehr als 4 Milliarden €. Zusätzlich wurde der Wert komplett kontrollierter chinesischer Tochterfirmen um rund eine Milliarde € nach unten korrigiert.

Markt bekannte Belastungen

Die hohen Sonderbelastungen waren seit der Gewinnwarnung im September bekannt. Analyst Philippe Houchois von der US-Investmentbank Jefferies schrieb, die detaillierten Zahlen seien im Wesentlichen wie erwartet ausgefallen. Beim Zahlungsmittelzufluss aus dem Automobilbereich tendiere der Konzern zudem zum oberen Ende der Jahresprognosespanne.

Fazit

Wir sehen bei Volkswagen zwei unterschiedliche Baustellen. Die Porsche-Abschreibung ist einmalig und nicht zahlungswirksam, der Margendruck durch den E-Auto-Hochlauf und der Einbruch in China wirken dagegen strukturell weiter. Dass das Management im Tagesgeschäft für das Gesamtjahr höchstens mit einem Mini-Gewinn rechnet und im vierten Quartal weitere Sonderkosten etwa für Vorruhestandsregelungen anfallen dürften, spricht gegen eine schnelle Erholung der Ergebnisse.

Entscheidend wird sein, ob es dem Konzern gelingt, die Kosten je Elektrofahrzeug schneller zu senken, als der Anteil der Stromer am Absatz steigt, und ob China mindestens die Gewinnschwelle hält. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, da ein großer Teil der Belastungen seit September bekannt und vom Markt offenbar verarbeitet ist. Einen Neueinstieg allein auf den Kursverfall von knapp einem Drittel seit Jahresbeginn zu stützen, erscheint dagegen zu dünn begründet.

Quelle: dpa-AFX

Volkswagen kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über Volkswagen und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Volkswagen weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »