Die Rheinmetall-Aktie stieg am Donnerstag um 4,5% auf 1.054,50 € und gehörte damit zu den stärksten Werten im DAX. Am selben Tag wurde ein Folgeauftrag über 69 Radschützenpanzer vom Typ Schakal für Deutschland und die Niederlande bekannt. Gleichzeitig floss offenbar Geld aus US-Techwerten wie Alphabet und ServiceNow in den Titel. Bis zu den Quartalszahlen am 5. November ist es nur noch eine Woche. Reicht dieser Impuls, damit die Aktie ihren monatelangen Abwärtstrend hinter sich lässt?
OCCAR zieht die Option
Die europäische Beschaffungsagentur OCCAR hat bei Artec, dem Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS, 69 weitere Schakal bestellt. Davon gehen 35 Fahrzeuge an die Bundeswehr und 34 an die niederländischen Streitkräfte. Damit ist die erste Option aus dem Rahmenvertrag abgerufen. Der ursprüngliche Vertrag umfasste 222 Fahrzeuge und eine Option auf bis zu 200 weitere. Mit der neuen Bestellung steigt die Gesamtzahl auf 291 Schakal. Weitere 131 Fahrzeuge sind noch möglich.
Der Schakal kombiniert das Fahrgestell des Boxers mit dem Turm des Schützenpanzers Puma. Rheinmetall liefert unter anderem die 30-Millimeter-Maschinenkanone, außerdem gehört der Panzerabwehrlenkflugkörper MELLS zum System. Den eigenen Anteil am Auftrag beziffert der Konzern auf einen Millionenbetrag im mittleren dreistelligen Bereich. Nach aktueller Planung werden die Fahrzeuge zwischen Mai 2032 und November 2033 ausgeliefert.
Umsatz kommt erst spät
Aus meiner Sicht stärkt der Auftrag vor allem die Planbarkeit. Er füllt den Auftragsbestand bis weit in die 2030er-Jahre. Weil die Auslieferung aber erst 2032 beginnt, wirkt er sich kurzfristig kaum auf Umsatz und Gewinn aus. Gemessen am Börsenwert des Konzerns fällt der Betrag zudem eher klein aus. Wichtiger ist das Signal: Deutschland und die Niederlande rufen bestehende Rahmenverträge tatsächlich ab, und für die verbleibende Option sind Folgebestellungen möglich.
Deutsche Bank Research nahm das Kursziel am 27. Oktober von 1.800 € auf 1.650 € zurück, bleibt aber bei "Buy". Analyst Christoph Laskawi sieht den Konzern vor dem Kapitalmarkttag in einem Erwartungsdilemma. Investoren rechneten mit gesenkten Zielen für 2030 und würden ein zu ehrgeiziges Narrativ abstrafen.
Bewertung mit Vorschuss
Für 2026 erwarten die Analysten im Schnitt einen Gewinn je Aktie von 37,33 €, für 2027 von 53,85 €. Daraus ergibt sich beim aktuellen Kurs ein KGV von rund 28 für 2026 und knapp 20 für 2027. Der Median vergleichbarer Rüstungswerte liegt für 2026 bei etwa 25,9. Rheinmetall ist damit etwas teurer als die Branche. Der Aufschlag hält sich aber in Grenzen, wenn der Gewinn wie erwartet um rund 44% wächst. Das Risiko liegt in der Umsetzung.
Erster Ausbruch im Chart
Mit dem Plus vom Donnerstag hat die Aktie die Abwärtstrendlinie durchbrochen, die seit den Hochs im Sommer verläuft. Charttechnisch bleibt sie aber angeschlagen. Am Ende der Vorwoche notierte sie bei gut 1.016 €, rund 21% unter der 200-Tage-Linie, nachdem sie im Wochenverlauf um 6,7% gefallen war. Mitte Oktober hatte der Titel die Zone zwischen 976 € und 987 € zunächst nicht überwinden können.
Fazit
Der Schakal-Auftrag bestätigt für mich die langfristige Nachfrage nach Rheinmetall-Fahrzeugen, allein reicht dieser Impuls für eine Trendwende aber nicht aus. Ein Teil des Kurssprungs dürfte auf Umschichtungen beruhen, und solche Kapitalströme können sich schnell wieder drehen. Entscheidend wird nun sein, ob Rheinmetall am 5. November einen starken Auftragseingang zeigt und auf dem anschließenden Kapitalmarkttag Ziele vorlegt, die der Markt für erreichbar hält. Fallen die Ziele für 2030 maßvoll gesenkt, aber glaubwürdig aus, könnte die Aktie den Ausbruch bestätigen. Die Bewertung für 2027 ließe dafür noch Luft. Für bestehende Aktionäre könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten. Ein Neueinstieg könnte erst nach den Quartalszahlen interessant werden, wenn die Prognose bestätigt wird und der Kurs sich über der durchbrochenen Trendlinie hält.
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