Renk-Aktie: Zukauf abgeschlossen, warum fällt sie jetzt weiter?
Die Renk-Aktie findet keinen Boden. Am gestrigen Montag gab das Papier um 1,34% auf 36,38 € nach, nachdem es schon am Freitag um 1,66% auf 36,92 € gefallen war. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von rund 32,6% zu Buche. Dabei hat der Augsburger Antriebsspezialist gerade die Übernahme von David Brown Defence abgeschlossen und präsentiert sich ab dem heutigen Dienstag auf der Marinemesse Euronaval in Paris. Am Donnerstag folgt die Quartalsmitteilung. Damit stellt sich die Frage: Warum verpuffen die guten Nachrichten, und was müssen die Zahlen liefern, damit die Aktie wieder Tritt fasst?
Zukauf stärkt das Marinegeschäft
Renk hat David Brown Defence vom Finanzinvestor Stellex Capital Management übernommen. Der Abschluss erfolgte am 2. November nach Erhalt der behördlichen Genehmigungen. Der britische Spezialist mit Sitz in Huddersfield ist auf Antriebssysteme für U-Boote ausgerichtet und soll Renk bei der Lieferung für das Global Combat Ship (Type 26) unterstützen. Im Landsystemgeschäft kommen britische Programme wie Challenger 2, Challenger 3 und Boxer hinzu.
Den Auftragsbestand und die Pipeline von David Brown Defence für die Jahre 2026 bis 2030 beziffert Renk auf mehr als 700 Millionen Pfund. Mit dem Kauf baut der Konzern seine Präsenz in Großbritannien und den Five-Eyes-Staaten aus. Dort laufen langfristige Rüstungsprogramme mit einem lukrativen Ersatzteil- und Servicegeschäft. Auf der Euronaval zeigt Renk erstmals Antriebe für mittelgroße unbemannte Überwasserschiffe. Zudem hat die Tochter Renk Magnet-Motor von Saab einen Auftrag über drei Stirling-Systeme zur Stromerzeugung für ein U-Boot-Programm erhalten.
Gesenkter Ausblick belastet
Schwerer wiegt für den Markt die neue Jahresprognose. Renk will das Gleitlagergeschäft an den österreichischen Konzern Miba verkaufen und hat seine Ziele deshalb auf die fortgeführten Aktivitäten umgestellt. Der Vorstand rechnet für 2026 nun mit einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden € sowie einem bereinigten EBIT zwischen 240 und 255 Millionen €. Zuvor hatte Renk mehr als 1,5 Milliarden € Umsatz und ein bereinigtes EBIT im oberen Bereich der Spanne von 255 bis 285 Millionen € in Aussicht gestellt.
Börsianer werteten die Anpassung auch als leichte operative Senkung. Für mich liegt hier der eigentliche Belastungsfaktor. Ein Rüstungswert, der Wachstumsziele zurücknimmt, büßt einen Teil seines Vertrauensvorschusses ein. Der Verkauf an Miba wartet zudem noch auf die Freigabe der Kartellbehörden. Vorbehaltlich der Genehmigungen soll die Sparte ab dem vierten Quartal 2026 als aufgegebenes Geschäft bilanziert werden.
Die Analysten haben reagiert, bleiben aber positiv. Die DZ Bank nahm ihren fairen Wert am 23. Oktober von 64 auf 56 € zurück, hält aber an der Kaufempfehlung fest. JPMorgan kappte das Kursziel von 62 auf 50 € und blieb wie Barclays bei der Einstufung „Overweight“. Insgesamt reichen die Kursziele von DZ Bank, JPMorgan und Oddo BHF von 50 bis 64 €.
Bewertung bleibt sportlich
Renk ist an der Börse rund 3,7 Milliarden € wert. Auf Basis der Gewinne für 2025 ergibt sich ein KGV von rund 53,6. Der Börsenwert entspricht knapp dem 15-Fachen des bereinigten EBIT, das Renk für 2026 anpeilt. Nach dem Kursrutsch ist das deutlich weniger ambitioniert als zu Jahresbeginn. Für ein Unternehmen, das gerade seine Ziele gesenkt hat, ist die Aktie aus meiner Sicht aber eher fair als günstig bewertet.
Fazit
Ich sehe bei Renk eine Aktie, die strategisch vieles richtig macht, operativ aber den Beweis schuldig bleibt. Die Übernahme von David Brown Defence und die Konzentration auf das Verteidigungsgeschäft halte ich auf lange Sicht für stimmig. Kurzfristig zählt für den Markt jedoch, ob Renk am Donnerstag die gestutzte EBIT-Spanne klar bestätigt und beim Auftragseingang Dynamik zeigt. Gelingt das, könnte sich die Aktie von ihrem niedrigen Niveau aus erholen. Schon das niedrigste Kursziel liegt rund 37% über dem aktuellen Kurs.
Solange der Abwärtstrend intakt ist und die Zahlen noch ausstehen, wäre mir ein Neueinstieg zu früh. Ein erneuter Dämpfer beim Ausblick könnte die Aktie weiter unter Druck setzen. Anleger könnten die Entwicklung daher bis zur Quartalsmitteilung von der Seitenlinie aus beobachten. Für bestehende Aktionäre mit langem Anlagehorizont könnte es sinnvoll sein, die Position zu halten, solange Renk seine angepassten Ziele erreicht.
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