+++ Dieser kleine Explorer will Europas Rohstoff-Lücke schließen und die Abhängigkeit von China verringern. Jetzt mehr erfahren +++
chatGPT

Deutsche Wirtschaft +0,2%: Jetzt offensiver bei deutschen Aktien?

Konjunktur überrascht positiv
Redaktion | Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal 2026 um 0,2% zum Vorquartal gewachsen, obwohl Ökonomen wegen des Niedrigwassers im Sommer mit einer Stagnation gerechnet hatten. Das Statistische Bundesamt stützt sich dabei auf vorläufige Daten. Damit ist das Bruttoinlandsprodukt vier Quartale in Folge gewachsen, und die Bundesregierung erwartet für das Gesamtjahr ein Plus von 1,3%. Trägt diese Erholung weit genug, um bei deutschen Aktien wieder offensiver zu werden?

Konsum als Stütze

Die Konsumausgaben legten im Sommerquartal leicht zu. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher sieht den privaten Konsum als Wachstumstreiber und verweist darauf, dass die höheren Energiepreise den privaten Haushalten die Kauflaune nicht verdorben hätten, auch wenn gestiegene Preise fürs Tanken und Heizen trotz Tankrabatt belasten. Jens-Oliver Niklasch von der LBBW bilanzierte, die Konjunktur laufe weiterhin besser als gedacht.

Die Investitionen gingen den vorläufigen Erkenntnissen zufolge zurück, und die Exporte schwächten sich im dritten Quartal 2026 nach Angaben der Statistiker merklich ab, nachdem sie im ersten Halbjahr noch sehr dynamisch gewachsen waren. In den ersten beiden Quartalen hatte die Wirtschaft um 0,4% beziehungsweise 0,3% zugelegt, das Tempo hat sich also verlangsamt.

Niedrigwasser belastet Industrie

Niedrige Pegelstände am Rhein bremsten im Sommer die Binnenschifffahrt und belasteten Branchen wie Chemie und Stahl. Die befürchtete Stagnation blieb dennoch aus.

Arbeitsmarkt und Stimmung

Die Zahl der Arbeitslosen sank im Oktober saisonbedingt um 40.000 auf 2,955 Millionen, die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 6,3% zurück. BA-Chefin Andrea Nahles bezeichnete den Rückgang als relativ schwach und sagte, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien für eine Besserung am Arbeitsmarkt nach wie vor nicht ausreichend. Gegenüber Oktober 2025 liegt die Zahl der Arbeitslosen um 44.000 höher.

Nils Jannsen, Leiter Konjunktur Deutschland am Kiel Institut für Weltwirtschaft, rechnet damit, dass sich die Erholung in den kommenden Quartalen fortsetzt. Laut Ifo-Institut hat sich die Stimmung in den Unternehmen den sechsten Monat in Folge verbessert, und die Erwartungen an eine Belebung des Exportgeschäfts sind laut jüngster Ifo-Erhebung so gut wie seit Beginn des Kriegs in der Ukraine im Februar 2022 nicht mehr. 2025 hatte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2% zugelegt, davor war die deutsche Wirtschaft zwei Jahre in Folge geschrumpft.

Inflation bleibt erhöht

Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erläuterte, die Unternehmen reagierten auf die kräftig gestiegenen Preise für Rohöl und Erdgas, die in der zweiten Oktoberhälfte den höchsten Stand seit 2022 erreicht hätten. Er erwartet, dass die Inflation in den kommenden Monaten sowohl bei den Erzeuger- als auch bei den Verbraucherpreisen weiter zunimmt, da immer mehr Firmen Preiserhöhungen planen. Der ungelöste Konflikt zwischen den USA und Iran heizt die Energiepreise an, zusätzlich besteht das Risiko, dass wegen des Ölpreisschocks auch andere Preise über teurere Transport- und Lagerkosten anziehen.

Die Konsumklimastudie der Nürnberger Institute NIM und GfK zeigt bereits Zurückhaltung bei größeren Anschaffungen, Haushalte greifen wegen gestiegener Preise teils auf Ersparnisse zurück. In einer YouGov-Umfrage für die Postbank gaben 42,6% von 2.117 Befragten an, Rücklagen zu nutzen, um ihre Lebenshaltungskosten zu bezahlen.

Fiskalpolitik als Treiber

Ein Großteil des aktuellen Aufschwungs ist von staatlichen Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Verteidigung getrieben. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski gibt zu bedenken, dass ein paar Quartale mit Aufschwung noch nicht automatisch eine nachhaltige Erholung bedeuten. LBBW-Ökonom Niklasch erklärte, erst 2027 werde sich zeigen, ob die Belebung der Konjunktur dauerhaft sei oder nur ein von der Fiskalpolitik gespeistes Strohfeuer, zumal die Investitionen bislang nicht stärker zulegten.

Fazit

Die Wachstumsdaten fallen besser aus als erwartet, tragen aber vor allem durch den privaten Konsum und staatliche Ausgaben, während Investitionen und Exporte schwächeln. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, hängt davon ab, ob die Unternehmensinvestitionen 2027 anziehen, bevor die fiskalischen Impulse nachlassen. Solange die Energiepreise erhöht bleiben und die Inflation den privaten Konsum belastet, sprechen die Risiken für eine vorsichtige statt offensive Haltung gegenüber zyklischen deutschen Werten. Eine Neubewertung würde sich eher anbieten, wenn sich sowohl die Investitionstätigkeit als auch die Preisentwicklung spürbar aufhellen.

Quelle: dpa-AFX

Wenn Du die Märkte im Blick behalten möchtest, bist Du mit unseren kompakten und verlässlichen Updates immer einen Schritt voraus. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über relevante Nachrichten aus Wirtschaft, Börse und den einzelnen Unternehmen.

Sichere Dir hier Deinen Informationsvorsprung »