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Dax: Was bedeutet der Ausgang der Midterms für deutsche Aktien?

Politik bewegt Börsen
Redaktion | Börse

Der Dax geht mit einer frischen Erholung in eine Woche, die gleich mehrere Belastungsproben bereithält. Am Dienstag entscheiden die Amerikaner über alle Sitze im Repräsentantenhaus und rund ein Drittel der Senatssitze, erste Ergebnisse werden wegen der Zeitverschiebung und der Auszählung erst am Mittwochmorgen erwartet. Damit stellt sich die Frage: Was bedeutet der Ausgang der Midterms für deutsche Aktien?

Midterms bestimmen Takt

Aktuell halten die Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird erwartet, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückerobern, während das Rennen im Senat deutlich knapper ausfallen dürfte. Für die Börsen seien der Ausgang der Wahl und Trumps Reaktion darauf entscheidend, sagte Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck.

Greil hält mehrere Reaktionsmuster für möglich, falls die Republikaner mindestens eine Kammer verlieren: ein Infragestellen des Wahlergebnisses, verstärktes Regieren über Verordnungen oder schnelles Handeln in Form neuer Angriffe auf den Iran. Uwe Streich, Aktienanalyst der Landesbank Baden-Württemberg, warnt in dieselbe Richtung: Ein erneuter US-Militärschlag nach den Midterms würde weiteres Öl ins Feuer gießen. Entsprechende Befürchtungen haben die Ölpreise bereits zuletzt angetrieben.

Anleihemarkt sendet Signale

Laut Streich sind die Anleiherenditen zuletzt wieder etwas von ihren hohen Niveaus zurückgekommen, ebenso die stark gestiegenen Renditedifferenzen mehrerer europäischer Staatsanleihen zu deutschen Bundesanleihen, allen voran Frankreichs. Anleger hatten dort wegen der eskalierenden Haushaltskrise und der damit verbundenen massiven sozialen Unruhen eine höhere Risikoprämie verlangt. Dass Moody's die Kreditwürdigkeit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone nicht wie befürchtet herabgestuft hat, hat die Märkte zuletzt beruhigt.

Jobbericht im Fokus

Den Datenreigen eröffnen am Montag die Einkaufsmanagerindizes für das Verarbeitende Gewerbe in China und den Vereinigten Staaten. Der Schwerpunkt liegt aber auf dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Samuel Will, Analyst der Landesbank Hessen-Thüringen, erwartet eine weiterhin niedrige Arbeitslosenquote und ein Lohnwachstum, das auf Vorjahressicht unterhalb der Inflationsrate liegt. Im kommenden Jahr sollten die Reallöhne dank nachlassender Inflation wieder zulegen.

Die Daten wiegen schwer, weil die US-Notenbank sowohl für stabile Preise als auch für Vollbeschäftigung zuständig ist. Ein starker Arbeitsmarkt stützt die US-Wirtschaft insgesamt, kann über den Lohndruck aber auch eine zu hohe Teuerung erzeugen.

Berichtssaison läuft dicht

Parallel läuft die Quartalssaison auf Hochtouren. Am Dienstag legen unter anderem Bayer und die Deutsche Lufthansa ihre Zahlen zum dritten Quartal vor, am Mittwoch folgen BMW und Continental. Am Donnerstag wird die Agenda noch dichter, dann berichten Dax-Mitglieder wie Deutsche Telekom, Commerzbank und DHL.

Fazit

Wir sehen in dieser Woche zwei Risiken, die sich gegenseitig verstärken könnten: einen unklaren oder angefochtenen Wahlausgang in den USA und einen Ölpreis, der durch eine militärische Eskalation weiter nach oben getrieben werden könnte. Beides lässt sich kaum vorhersagen, weshalb breit angelegte Positionierungen auf steigende Kurse aus unserer Sicht derzeit wenig attraktiv erscheinen. Entscheidend dürfte sein, ob die zuletzt beobachtete Entspannung bei Anleiherenditen und französischen Risikoaufschlägen Bestand hat, denn sie trägt die Erholung mehr als die Nachrichtenlage aus Washington. Für bestehende Positionen könnte es sinnvoll sein, die Quartalsberichte der kommenden Tage als Qualitätsfilter zu nutzen und die Reaktion auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag abzuwarten, statt auf ein bestimmtes Wahlszenario zu setzen.

Quelle: dpa-AFX

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