Ein Gewinnplus von 28% reicht BYD derzeit nicht. Nach den Zahlen zum dritten Quartal fiel die Aktie am gestrigen Donnerstag in Deutschland um 3,6% auf 7,71 €. Im US-OTC-Handel rutschte das Papier zeitweise auf 8,54 US$ und damit auf ein neues 52-Wochen-Tief. Damit stellt sich die Frage: Ist der Abwärtstrend jetzt eine Chance für Anleger, oder zeigen die Zahlen, dass sich die Schwäche festsetzt?
Gewinn verfehlt die Erwartungen
Im dritten Quartal 2026 verdiente BYD 10,02 Milliarden Yuan und damit 28% mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 13,6% auf 221,49 Milliarden Yuan, der Gewinn je Aktie um 29% auf 1,10 Yuan. Die Analysten hatten für das Quartal allerdings einen Gewinn zwischen 11,4 Milliarden und 12,95 Milliarden Yuan erwartet. Selbst das untere Ende dieser Spanne hat BYD klar verfehlt.
Über die ersten neun Monate betrachtet sehen die Zahlen noch schwächer aus. Von Januar bis September sank der Nettogewinn um 4,2% auf 22,34 Milliarden Yuan, der Umsatz trat mit 566,30 Milliarden Yuan praktisch auf der Stelle. Auch beim Absatz lag BYD nach neun Monaten 3,94% unter dem Vorjahr. Die Erholung im dritten Quartal reicht also nicht aus, um den Rückstand aus dem ersten Halbjahr aufzuholen.
Preiskampf frisst Wachstum
Aus meiner Sicht liegt das Kernproblem im chinesischen Heimatmarkt. Die Rabattschlacht drückt auf die Margen, und die Nachfrage im Inland bleibt schwach. Im September kam BYD in China auf einen Marktanteil von 15,3%. Dagegen wächst das Exportgeschäft kräftig: Die Ausfuhren von Pkw und Hybriden legten im September um 154% zu. Dieses Wachstum fängt die Schwäche im Inland bislang aber nur zum Teil auf.
JPMorgan sieht genau hier die Risiken. Ende September stufte die US-Bank die in Hongkong gehandelte Aktie von "Overweight" auf "Neutral" ab und senkte das Kursziel von 124 HK$ auf 88 HK$. Inzwischen hat JPMorgan auch die A-Aktien von "Neutral" auf "Underweight" gesenkt und dort das Kursziel von 88 Yuan auf 65 Yuan gekürzt. Als Gründe nennt die Bank die schwache Nachfrage in China, steigende Kosten, niedrigere Exporterstattungen sowie EU-Importquoten für Plug-in-Hybride. Damit trifft ein Teil der Kritik ausgerechnet das Auslandsgeschäft, auf dem die Hoffnungen ruhen. Das halte ich für das größte Risiko für die Gewinnentwicklung der kommenden Quartale.
Optisch günstige Bewertung
Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2026 kommt BYD auf ein KGV von rund 13,5. Für einen Konzern, der Batterien, Motoren und weitere Kernkomponenten selbst fertigt und im Ausland stark wächst, halte ich das nicht für einen hohen Wert. Allerdings beruht diese Kennzahl auf Schätzungen, die nach dem verfehlten Quartal noch sinken dürften. Fällt der Jahresgewinn niedriger aus, steigt das tatsächliche KGV.
Die Mehrheit der Analysten bleibt dennoch zuversichtlich. Von zehn Häusern raten acht zum Kauf und zwei zum Halten. Der Median der Kursziele liegt bei 14,21 €. Vom 52-Wochen-Hoch bei 12,20 € im April ist die Aktie mittlerweile rund 37% entfernt.
Fazit
Für mich zeigen die Zahlen ein Unternehmen, das weiter wächst, aber seine Gewinne nicht im erhofften Tempo steigert. Die moderate Bewertung bietet aus meiner Sicht wenig Halt, solange die Schätzungen eher nach unten zeigen. Ich gehe davon aus, dass der Markt zunächst Belege dafür sehen will, dass das Auslandsgeschäft profitabel genug ist, um das schwache Inlandsgeschäft aufzuwiegen.
Entscheidend wird, ob BYD im vierten Quartal die Margen stabilisieren kann und wie stark die europäischen Quoten den Export tatsächlich bremsen. Den Abwärtstrend sehe ich deshalb noch nicht als Chance. Bestehende Anleger könnten die Aktie angesichts der Bewertung halten, ein Verkauf nach dem Kursrutsch erscheint mir wenig zwingend. Ein Neueinstieg drängt sich für mich trotz des Abschlags dagegen nicht auf. Wer einsteigen möchte, könnte abwarten, bis der Abwärtstrend erkennbar endet und sich die Gewinnschätzungen stabilisieren.
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