Bitcoin geht mit Rückenwind in den Tag des Fed-Entscheids. Am heutigen Mittwochmorgen kostete die älteste Kryptowährung 80.913 US$, ein Plus von 1,72% binnen eines Tages. In der Nacht pendelte der Kurs zwischen 79.416 und 81.159 US$. Bis zum durchschnittlichen Einstandspreis der US-Spot-ETFs von rund 81.500 US$ ist es damit nicht mehr weit. Die Fonds selbst haben am Dienstag den zweiten Tag in Folge Geld eingesammelt. Kann Bitcoin diese Linie nach dem Zinsentscheid am Abend zurückerobern, oder droht der nächste Rücksetzer?
BlackRock zieht Kapital an
Am 27. Oktober flossen netto 175,99 Millionen US$ in die US-Spot-ETFs auf Bitcoin. Davon gingen 151,5 Millionen US$ an den iShares Bitcoin Trust von BlackRock und 24,5 Millionen US$ an den Bitcoin-Fonds von Fidelity. Bei den übrigen zehn Produkten gab es weder Zu- noch Abflüsse. Schon am Montag waren 110,3 Millionen US$ hereingekommen. Für beide Tage zusammen ergibt das 286,3 Millionen US$.
Ich werte das vorerst als Stabilisierung der Nachfrage. Am vergangenen Donnerstag und Freitag hatten Anleger zusammen 773 Millionen US$ aus den Fonds abgezogen. Die neuen Zuflüsse gleichen davon nur rund 37% aus. Außerdem kommt das frische Geld fast nur bei einem Anbieter an. Strategy, das Unternehmen mit den meisten Bitcoin, hat in der Woche vom 19. bis 25. Oktober nichts gekauft. Es hält weiterhin rund 848.517 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von etwa 75.446 US$. Alle US-Spot-ETFs zusammen verwalten derzeit 103,9 Milliarden US$. Das sind rund 6,4% der gesamten Bitcoin-Marktkapitalisierung.
Die Einstandslinie entscheidet
Vom Kurs am Mittwochmorgen fehlten bis zum durchschnittlichen Einstandspreis der US-Spot-ETFs etwa 587 US$ oder 0,72%. Gegen 09:41 Uhr erreichte Bitcoin mit 81.512 US$ diese Marke kurzzeitig. Im Mai war eine Erholung knapp unter diesem Niveau ins Stocken geraten. In den vergangenen Wochen hat der Kurs an dieser Linie dagegen mehrfach Halt gefunden.
Aus meiner Sicht ist die Marke für Anleger wichtig, weil sie das Verhalten der größten institutionellen Käufergruppe beeinflussen kann. Bleibt Bitcoin länger darunter, liegen die ETF-Halter im Schnitt im Minus. Das könnte zusätzlichen Verkaufsdruck auslösen. Als nächste wichtige Unterstützung gilt dann der Bereich um 77.500 US$, der durchschnittliche Einstandspreis aller Bitcoin-Halter. Am Dienstag war der Kurs zeitweise unter 80.000 US$ gefallen. Damit verließ er die Spanne von 80.000 bis 87.000 US$, in der er sich rund einen Monat lang bewegt hatte.
Warsh gibt die Richtung vor
Die US-Notenbank verkündet ihren Zinsentscheid um 19:00 Uhr MEZ, eine halbe Stunde später spricht Fed-Chef Kevin Warsh vor der Presse. Seit der Zinserhöhung im September liegt der Leitzins in einer Spanne von 3,75 bis 4,00%. Am Terminmarkt gilt eine Zinspause mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 bis 92% als eingepreist. Für Bitcoin zählen deshalb vor allem Warshs Hinweise auf die Sitzung im Dezember. Steigende Zinsen machen sichere Staatsanleihen für Großanleger attraktiver und schwächen damit die Nachfrage nach riskanteren Anlagen. Danach geht es dicht weiter: Am Donnerstag kommen der PCE-Preisindex und die Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum, am Freitag laufen Bitcoin-Optionen im Wert von 11,1 Milliarden US$ aus.
Fazit
Die Ausgangslage vor dem Fed-Abend halte ich für solide, mehr aber auch nicht. Galaxy Research hält den Bärenmarkt seit Juni für beendet und sieht Bitcoin in einer Phase, in der Anleger nach und nach zukaufen. Mir fehlt dafür noch eine Bestätigung im Kurs. Bitcoin liegt rund 36% unter seinem Rekordhoch von 126.080 US$ und steuert im Oktober auf ein Minus von 3,2% zu.
Entscheidend wird nun sein, ob Bitcoin nach Warshs Pressekonferenz über die Einstandslinie der Fonds steigt und sich dort hält. Klingt Warsh mit Blick auf Dezember nach weiteren Zinserhöhungen, dürfte die nächsttiefere Unterstützung beim Einstandspreis aller Halter wieder in den Blick rücken. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, ihre Position zu halten, solange der Kurs nicht nachhaltig unter die Tiefs vom Dienstag rutscht. Ein Nachkauf könnte erst interessant werden, wenn sich Bitcoin über der ETF-Einstandslinie hält und die Zuflüsse mehrere Wochen anhalten.
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