Microsoft und Alphabet haben am Mittwochabend nach US-Börsenschluss ihre Quartalszahlen vorgelegt. Im vorbörslichen US-Handel am Donnerstag verlieren die Alphabet-Papiere 10 Prozent, während Microsoft um 3 Prozent zulegt. Allein bei der Google-Mutter entspricht das einem Börsenwertverlust von rund 200 Milliarden US-Dollar. Wie geht es mit den beiden Technologiewerten nun weiter?
Azure trägt Microsoft
Microsoft ist besser als von Experten erwartet in das laufende Geschäftsjahr gestartet. Haupttreiber war erneut das hohe Wachstum der Cloud-Plattform Azure. Die Investitionen stiegen zwar um 30 Prozent auf gut 45 Milliarden US-Dollar, blieben damit aber unter den Markterwartungen. Jonathan Neilson, Leiter der Investor Relations, führte dies auf Verzögerungen bei der Bereitstellung von Cloud-Kapazitäten durch Drittanbieter zurück.
Die Experten von Index Radar heben hervor, dass Microsoft trotz der rund 45 Milliarden US-Dollar an Investitionen einen freien Mittelzufluss von 18,6 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete und die Erwartungen damit klar übertraf. Der KI-Ausbau koste enorme Summen, lasse sich aber weiterhin aus dem laufenden Geschäft finanzieren, so die Einschätzung von Index Radar. JPMorgan sieht sowohl in den Geschäftszahlen als auch im gesenkten Investitionsausblick Argumente für die Optimisten, die auf eine Wachstumsbeschleunigung setzen.
Alphabet verfehlt Erwartungen
Bei Alphabet fällt die Rechnung deutlich ungünstiger aus. Der Konzern verfehlte im vergangenen Quartal die Umsatzerwartungen des Marktes und enttäuschte zugleich beim Ergebnis. Die Kapitalinvestitionen kletterten auf gut 51 Milliarden US-Dollar und damit über das Niveau von Microsoft.
Der freie Cashflow rutschte nach Angaben von Index Radar mit rund neun Milliarden US-Dollar ins Minus. Aus Sicht der Experten muss Alphabet erst noch beweisen, dass die Investitionen nicht nur das Cloud-Geschäft antreiben, sondern auch das Werbegeschäft langfristig stärken. Ausgerechnet die Suchmaschine, die den KI-Ausbau finanziert, könnte durch neue KI-Anwendungen unter Druck geraten.
Rekordhoch in Reichweite
Die Microsoft-Aktie könnte am Donnerstag ihr bisheriges Rekordhoch von etwas mehr als 555 US-Dollar aus dem Sommer 2025 übertreffen.
Fazit
Der Markt honoriert bei den beiden Technologiekonzernen derzeit vor allem die Finanzierbarkeit der KI-Investitionen. Microsoft liefert mit dem hohen freien Mittelzufluss trotz steigender Ausgaben genau diesen Nachweis, was die Aktie in Richtung Rekordhoch trägt. Risiko bleibt ein möglicher Rücksetzer nach diesem Lauf, zumal die hohen Erwartungen an Azure weiter erfüllt werden müssen.
Bei Alphabet wiegt der ins Minus gerutschte freie Cashflow schwerer als der kurzfristige Kursrutsch. Entscheidend wird, ob sich dies bei weiter steigenden Investitionen verfestigt und ob das Werbegeschäft von den KI-Ausgaben profitiert. Solange diese Fragen offen sind, erscheint eine abwartende Haltung gegenüber Alphabet nachvollziehbar, während Microsoft von den klareren Finanzierungssignalen profitiert.
Quelle: dpa-AFX
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