Commerzbank-Aktie: Nur noch die EZB – fällt jetzt die letzte Hürde?

Hochspannende Wochen
Vincent Uhr
Die Commerzbank-Aktie erholt sich am Montag auf rund 41 €, nachdem sie am Freitag -2,6% verloren hatte. Neue Gespräche zwischen Berlin und UniCredit sowie die noch ausstehende Genehmigung der Europäischen Zentralbank erwecken den Eindruck, die Übernahme stehe unmittelbar bevor. Ganz so einfach ist es nicht: Ein positives EZB-Votum würde UniCredit zwar fast die Kontrolle verschaffen, aber noch keine vollständige Verschmelzung ermöglichen.

Berlin verhandelt plötzlich über Bedingungen

Das Treffen zwischen Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel markiert einen Wendepunkt. Erstmals seit rund zwei Jahren sprach das Ministerium wieder direkt mit der Führung der italienischen Großbank über die Zukunft der Commerzbank.

Berlin fordert nun, dass die Bank ihren Hauptsitz und ihre Börsennotierung in Frankfurt behält. Außerdem soll die Finanzierung des deutschen Mittelstands im In- und Ausland gesichert bleiben. Statt die Übernahme grundsätzlich verhindern zu wollen, versucht die Bundesregierung damit zunehmend, deren konkrete Ausgestaltung zu beeinflussen.

Orcel bezeichnete das Treffen als konstruktiven ersten Austausch, dem zügig weitere Gespräche folgen sollen. Auch innerhalb der Commerzbank wird der Abwehrkampf inzwischen deutlich nüchterner beurteilt. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Michael Kotzbauer hatte Ende August bereits eingeräumt, dass die Bank den Übernahmekampf verloren habe.

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Was die EZB tatsächlich entscheidet

UniCredit hält momentan 26,77% des Kapitals direkt. Weitere 17,6% wurden während des Übernahmeangebots angedient, hinzu kommen Finanzinstrumente mit Anspruch auf die Lieferung von 3,22%. Nach Abschluss aller Schritte käme die italienische Bank damit auf 47,59% des Kapitals beziehungsweise 49,65% der stimmberechtigten Aktien.

Bevor die zusätzlich angedienten Papiere übertragen werden können, muss die EZB der Überschreitung der aufsichtsrechtlich relevanten Beteiligungsschwellen zustimmen. Die Aufsicht prüft dabei unter anderem die finanzielle Solidität des Käufers, dessen Zuverlässigkeit, die künftige Unternehmensführung sowie die Auswirkungen auf Kapitalausstattung und Überwachbarkeit der Zielbank.

Ob die Bundesregierung die Transaktion politisch begrüßt oder ob den Aktionären ein besonders attraktiver Preis geboten wurde, gehört dagegen nicht zu den zentralen EZB-Kriterien. Die offene Genehmigung ist deshalb eine echte regulatorische Hürde, aber kein Instrument, mit dem Berlin die Übernahme allein aus industriepolitischen Gründen stoppen könnte.

Selbst nach einer Zustimmung wäre UniCredit jedoch nicht vollkommen frei. Mit annähernd 50% der Stimmrechte dürfte der Konzern zwar gewöhnliche Beschlüsse auf der Hauptversammlung kontrollieren. Für tiefgreifende Strukturmaßnahmen wie einen Beherrschungsvertrag oder eine Verschmelzung wären jedoch höhere Mehrheiten und weitere rechtliche Schritte erforderlich.

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Jetzt zählt vor allem der Preis

Bemerkenswert ist, wie UniCredit diese starke Position erreicht hat. Von den rund 73% des Kapitals, die überhaupt angedient werden konnten, nahmen weniger als 18 Prozentpunkte das Angebot an. Eine breite Zustimmung der freien Aktionäre sieht anders aus.

UniCredit benötigt momentan trotzdem nicht zwingend ein deutlich verbessertes Angebot. Nach der aufsichtsrechtlichen Freigabe könnte die Bank zunächst ihre beinahe kontrollierende Beteiligung nutzen und später über eine engere Integration verhandeln. Für Anleger ist eine hohe zusätzliche Übernahmeprämie deshalb keineswegs garantiert.

Fundamental besitzt die Commerzbank weiterhin eine starke Verhandlungsposition. Im ersten Halbjahr stieg der Nettogewinn um 40% auf den Rekordwert von 1,81 Milliarden €, die Eigenkapitalrendite erreichte 12,6% und die harte Kernkapitalquote lag bei 14,4%. Für 2026 peilt das Management mindestens 3,4 Milliarden € Gewinn an.

Bei einem Kurs von rund 41 € liegt das aktuelle Analystenkonsensziel von etwa 44 € allerdings nicht mehr weit entfernt. Ein zusätzlicher Kursschub dürfte daher entweder ein verbessertes Angebot oder weitere operative Prognoseanhebungen erfordern.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44,5 Milliarden € bewertet.

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Vincent Uhr

Fazit

Der politische Widerstand gegen UniCredit verliert sichtbar an Kraft. Eine EZB-Genehmigung würde den Einfluss der Italiener erheblich stärken, wäre aber noch nicht gleichbedeutend mit einer vollständigen Fusion. Da eine höhere Übernahmeprämie keineswegs sicher ist und die Aktie bereits viel Optimismus einpreist, würde ich das Papier auf dem aktuellen Niveau eher halten als neu kaufen.