China-Aktien drehen auf: Warum BYD, Geely und Xiaomi plötzlich gefragt sind

Bald neue China-Rally?
Nach dem heftigen Ausverkauf im Oktober kehrt bei chinesischen Aktien zumindest vorübergehend die Kauflaune zurück. BYD, Geely und Xiaomi gehören zu den Unternehmen, die am heutigen Morgen allesamt Kursanstiege verzeichnen. Dahinter steckt mehr als nur eine technische Gegenbewegung: Peking versucht mit einem neuen Maßnahmenpaket, den Aktienmarkt zu stabilisieren. Gleichzeitig liefern einzelne Unternehmen operative Argumente für höhere Kurse. Doch wie nachhaltig ist die Erholung?

Peking zieht die Reißleine: Milliarden für den Aktienmarkt

Der wichtigste gemeinsame Kurstreiber kommt diesmal aus der Politik. Nachdem der chinesische Leitindex CSI 300 im Oktober rund -8,5% eingebüßt hatte und damit den stärksten Monatsverlust seit mehr als zehn Jahren verzeichnete, hat sich die chinesische Regierung mit einem neuen Unterstützungspaket was überlegt.

Die chinesische Zentralbank (PBOC) will eine weitere Runde ihrer sogenannten Swap-Fazilität starten. 31 Wertpapierhäuser und Fondsmanager haben dafür bereits Liquidität von mehr als 100 Milliarden Yuan (rund 14 Milliarden US$) beantragt. Über das Instrument können Finanzinstitute Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen und im Gegenzug Liquidität freigeben, die Unternehmen für Aktienkäufe einsetzen können. Damit ist im Grunde ein Tausch von Wertpapieren gegen zusätzliches Geld gemeint.

Hinzu kommt eine günstigere Finanzierung für Aktienrückkäufe. Die Zinsen für entsprechende Kredite sinken von 1,25 auf 1,0%. Außerdem wird das Kreditprogramm für Rückkäufe und Aktienaufstockungen dauerhaft etabliert. Die Botschaft an den Markt ist eindeutig: Peking möchte verhindern, dass sich der Abwärtstrend verselbstständigt und das Vertrauen der Anleger weiter schwindet.

Für BYD, Geely und Xiaomi bedeutet das zunächst einen breiteren politischen Rückenwind. Allerdings gibt es auch unternehmensspezifische Gründe für die Kursgewinne.

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BYD +3,8%: Starke Exportzahlen

Bei BYD kommt zur politischen Unterstützung eine operative Entwicklung hinzu, die Anlegern tatsächlich Grund zur Hoffnung gibt. Der Elektroautobauer meldete für Oktober 490.200 verkaufte New-Energy-Fahrzeuge. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 11% gegenüber dem Vorjahresmonat und dem höchsten Absatz seit Jahresbeginn.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung im Auslandsgeschäft: Die Exporte haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt und erreichten rund 170.000 Fahrzeuge. Auch die rein elektrischen Modelle entwickelten sich dynamisch und überschritten erstmals die Marke von 300.000 verkauften Einheiten innerhalb eines Monats.

Damit gewinnt das Auslandsgeschäft zunehmend an Bedeutung, während BYD in China weiterhin mit einem intensiven Preiskampf konfrontiert ist.

Die Börse honorierte die Zahlen bereits am Montag mit einem Kursplus von zeitweise mehr als +3%. Heute setzt sich die Erholung fort. Zusätzlichen Rückenwind liefern Berichte über die Integration von Technologie des chinesischen Unternehmens Horizon Robotics in BYDs Fahrerassistenzsystem „Eye of God“.

Ganz ohne Schattenseite ist die Entwicklung allerdings nicht: Im dritten Quartal stieg der Nettogewinn zwar um 28%, blieb aber hinter den Analystenerwartungen zurück. Das Problem ist, dass der Gewinn deutlich langsamer wächst, als der Absatz. Der jüngste Kursanstieg ist deshalb auch eine Gegenbewegung nach der Enttäuschung über die Quartalszahlen.

Geely +1,3%: Analysten sehen erhebliches Aufwärtspotenzial

Auch der Autobauer Geely profitiert von einer besseren operativen Entwicklung. Der chinesische Autobauer steigerte seine Fahrzeugverkäufe im Oktober um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wächst das Unternehmen weiterhin kräftig, obwohl die Konkurrenz auf dem chinesischen Automarkt immer aggressiver wird.

Die jüngsten Quartalszahlen fielen allerdings nicht uneingeschränkt überzeugend aus. Der bereinigte Nettogewinn erreichte im dritten Quartal 5,2 Milliarden Yuan und lag damit zwar 31,6% über dem Vorjahreswert, verfehlte aber die eigene Prognose des Analysehauses UOB Kay Hian leicht.

Interessant ist deshalb die Einschätzung der Analysten: UOB Kay Hian bestätigte Ende Oktober seine Kaufempfehlung und sieht den fairen Wert der Aktie bei 21 Hongkong-Dollar (derzeit rund 14 Hongkong-Dollar). Zuvor lag das Kursziel allerdings noch bei 29 Hongkong-Dollar. Als Wachstumstreiber nennen die Analysten neue Technologien, eine starke Modellpalette, die internationale Expansion und den Trend zu höherpreisigen Fahrzeugen der Luxusmarke Zeekr, die .

Die Kombination aus steigenden Verkaufszahlen, internationalem Wachstum und einer vergleichsweise niedrigen Bewertung (Forward-KGV von 5,4 vs. 15,5 bei BYD) könnte Geely damit interessant halten. Der jüngste Kursanstieg fällt allerdings moderater aus als bei BYD.

Xiaomi +6%: Analysten sehen Erholung des Smartphone-Geschäfts

Bei Xiaomi rückt dagegen die Erholung der chinesischen Technologiewerte in den Mittelpunkt. Die Aktie legte bereits am Montag um über +6% zu und gehörte damit zu den stärkeren Werten im Hang Seng Tech Index.

Zusätzliche Unterstützung kam am Dienstag von Daiwa. Das Analysehaus hob sein Kursziel für Xiaomi auf 35 Hongkong-Dollar an (derzeit rund 28 Hongkong-Dollar). Die Analysten sehen Anzeichen dafür, dass sich das Smartphone-Geschäft verbessern könnte. Xiaomi sei zudem gelungen, gestiegene Kosten über höhere durchschnittliche Verkaufspreise an Kunden weiterzugeben.

Das ist ein wichtiger Punkt, denn der Smartphone-Markt steht unter Kostendruck, unter anderem durch steigende Komponentenpreise. Kann Xiaomi diese Mehrkosten tatsächlich weiterreichen, ohne zu viele Kunden zu verlieren, könnte das die Margen stabilisieren. Bei Apple konnte man ein starkes Smartphone-Wachstum trotz stark gestiegener Preise sehen (+17% mehr Umsatz).

Neben Smartphones bleibt auch das Elektroautogeschäft ein wichtiger Bestandteil der langfristigen Wachstumsgeschichte und sollte nicht unterschätzt werden.

Allerdings sollte man den Kursanstieg nicht ausschließlich auf die neue Analystenbewertung zurückführen. Auch die allgemeine Erholung chinesischer Technologieaktien und die staatlichen Stützungsmaßnahmen spielen eine Rolle. Diejenige, die diesem Rückenwind nicht trauen, dürften an unserem Jahresendspurt: 3 Trend-Aktien fürs Schlussquartal 2026 interessiert sein.

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Fazit

Können allein diese Faktoren den fundamentalen Umschwung in die Wege leiten? Vermutlich nein. Die politische Unterstützung ist momentan der wichtigste gemeinsame Faktor, aber alleine viel zu schwach. Peking versucht nicht nur, den Aktienmarkt zu stabilisieren, sondern sendet auch ein Signal an institutionelle Investoren, dass man den Kursverfall nicht einfach hinnehmen möchte. Allerdings fehlt noch grundsätzlich mehr Transparenz chinesischer Unternehmen für europäische und amerikanische Anleger und wenn das fehlt, wird es langfristig keinen Aufschwung geben.