Bayer-Aktie: Liegt der faire Wert jetzt bei 70 €?
Pharma sorgt für positive Überraschung
Bayer hat Zahlen zum dritten Quartal vorgelegt und sendet damit ein starkes Lebenszeichen. Der Konzernumsatz legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,1% auf 10,05 Milliarden € zu. Analysten hatten mit 9,87 Milliarden € gerechnet. Noch stärker fiel die Überraschung beim bereinigten EBITDA aus: Dieses kletterte um 6,9% auf 1,62 Mrd. € und übertraf damit die Markterwartungen von rund 1,43 Mrd. € deutlich.
Allerdings ist das Zahlenwerk nicht frei von Schönheitsfehlern. Das EBIT rutschte mit minus 110 Millionen € in die Verlustzone, das bereinigte Ergebnis je Aktie blieb mit 0,31 € hinter den erwarteten 0,39 € zurück. Belastend wirkten unter anderem Wertminderungen von insgesamt 522 Millionen € auf die Medikamente Xofigo und Claritin sowie Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten. Unter dem Strich stand ein Verlust von 672 Millionen €.
Sehr gut lief es in der Pharmasparte. Nubeqa und Kerendia entwickelten sich mit Umsatzsteigerungen von rund 61% beziehungsweise 69% zu echten Wachstumstreibern. Das bereinigte EBITDA des Segments legte um knapp 24% zu. Konzernchef Bill Anderson sprach bereits von einem Wendepunkt in der Wachstumsentwicklung. Dagegen enttäuschte Crop Science mit einem Ergebniseinbruch von 41%.
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Prognose angehoben – Analysten werden optimistischer
Die operative Stärke im Pharmageschäft veranlasste das Management, die Jahresziele anzuheben. Für 2026 erwartet Bayer nun ein währungsbereinigtes bereinigtes EBITDA von 9,8 bis 10,3 Milliarden € statt zuvor 9,6 bis 10,1 Milliarden €. Auch die erwartete EBITDA-Marge steigt von 23 bis 25 auf 25 bis 27%. Gleichzeitig verbesserte sich die Prognose für den Free Cashflow um 1 Milliarden € auf minus 1,5 bis minus 0,5 Milliarden €. Die Nettofinanzverschuldung soll zum Jahresende nur noch 28 bis 29 Milliarden € betragen.
Die Analysten honorieren insbesondere die positive Ergebnisüberraschung. JPMorgan bleibt mit „Overweight“ und einem Kursziel von 61 € optimistisch. Goldman Sachs sieht den fairen Wert bei 63,50 €, die UBS bei 62 €. Barclays schraubte das Kursziel sogar auf 70 € nach oben. Die DZ Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Ziel von 60 €. Vorsichtiger bleibt Jefferies mit einem „Hold“-Rating und einer Kursprognose von 46 €. Die Begründung: Trotz der operativen Fortschritte sei die rechtliche Entlastung in den USA noch nicht endgültig gesichert.
Glyphosat-Streit: Der entscheidende Befreiungsschlag?
Doch genau hier könnte der nächste große Kurstreiber liegen. Das Grundsatzurteil des US Supreme Court im Juni 2026 zugunsten von Bayer hat die rechtlichen Möglichkeiten vieler Kläger deutlich eingeschränkt. Ende Oktober folgte ein weiterer wichtiger Erfolg: Ein Geschworenengericht in Missouri wies eine Klage gegen den Konzern vollständig ab. Parallel steht ein milliardenschwerer Sammelvergleich über maximal 7,25 Milliarden US$ im Raum. Die endgültige gerichtliche Genehmigung wäre ein großer Befreiungsschlag. Ganz ausgestanden ist das Thema allerdings erst, wenn die rechtliche Umsetzung tatsächlich abgeschlossen ist.
Bewertung und Charttechnik: Jetzt wird es spannend
Mit einem Forward-KGV von etwa 10 erscheint Bayer im Branchenvergleich weiterhin günstig. Der Abschlag gegenüber Pharmawerten wie Sanofi oder Merck reflektiert allerdings die hohe Verschuldung und die verbliebenen Rechtsrisiken. Gelingt die operative Stabilisierung dauerhaft und kommt bei Glyphosat die erhoffte Klarheit, besitzt die Aktie durchaus Potenzial für eine Neubewertung.
Auch charttechnisch hat sich das Bild schon jetzt erheblich aufgehellt. Seit April 2025 befindet sich Bayer in einem starken Aufwärtstrend und hat sich gegenüber dem damaligen Tief annähernd verdreifacht. Der Rücksetzer Ende September und Anfang Oktober wurde an der 200-Tage-Linie aufgefangen. Inzwischen haben die Bullen wieder das Kommando übernommen. Das Bewegungshoch von Anfang Juli bei 53,92 € rückt unmittelbar in Reichweite. Darüber wartet bei rund 58,20 € die übergeordnete Abwärtstrendlinie seit dem Rekordhoch von 2015. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre ein charttechnischer Befreiungsschlag.
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Fazit
Für mich bestätigen die Zahlen, dass Bayer operativ auf dem richtigen Weg ist. Das Pharmageschäft liefert endlich wieder überzeugendes Wachstum, die Prognose steigt und auch bei Cashflow und Verschuldung zeichnet sich eine Verbesserung ab. Natürlich bleiben Crop Science, die Bilanz und insbesondere Glyphosat Risikofaktoren. Doch die Kombination aus operativem Fortschritt, juristischen Erfolgen und einer weiterhin moderaten Bewertung spricht für den laufenden Turnaround. Meiner Meinung nach besitzt die Aktie trotz der jüngsten Erholung weiteres Upside-Potenzial.
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ℹ️ Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Bayer ist im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 gelistet. An der Börse wird der Konzern aktuell mit ca. 51 Milliarden € bewertet.