Alphabet-Aktie: Der 15-Milliarden-US$-Trick mit der Kälte!
Finnland löst gleich zwei Probleme
Der Betrieb leistungsfähiger KI-Rechenzentren benötigt nicht nur enorme Mengen Strom. Ein erheblicher Teil der Energie fließt außerdem in die Kühlung der Prozessoren. Niedrige Außentemperaturen verschaffen Finnland deshalb einen natürlichen Standortvorteil.
Google nutzt diesen Effekt bereits seit 2009 in seinem Rechenzentrum in Hamina. Die neuen Standorte in Kajaani, Muhos und Vaala sollen die Kapazitäten nun erheblich erweitern. Zusätzlich investiert der Konzern in Windenergie, Batteriespeicher und den Ausbau der Stromnetze.
Besonders interessant ist die Vereinbarung mit dem finnischen Energieversorger Fortum. Google will sich von 2030 bis 2049 bis zu 50% der Produktion des Atomkraftwerks Loviisa sichern. Der Vertrag liefert Alphabet über 22 Jahre planbaren und weitgehend CO₂-armen Strom. Gleichzeitig reduziert er das Risiko, dass steigende Energiepreise die Wirtschaftlichkeit der Rechenzentren nachträglich verschlechtern.
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Die Nachfrage ist bereits vorhanden
Alphabet baut die neuen Kapazitäten nicht nur in der Hoffnung auf einen späteren KI-Boom. Im zweiten Quartal stiegen die Erlöse von Google Cloud um +82% auf 24,8 Milliarden US$. Der noch nicht abgearbeitete Cloud-Auftragsbestand erhöhte sich gegenüber dem Vorquartal von rund 460 auf 514 Milliarden US$.
Damit besitzt Alphabet bereits vertraglich zugesicherte Nachfrage, die aufgrund fehlender Rechenkapazitäten nur schrittweise in Umsatz umgewandelt werden kann. Die neuen Rechenzentren könnten diesen Engpass verringern und gleichzeitig die Position bei europäischen Kunden stärken. Kurze Datenwege und eine Verarbeitung innerhalb der EU sind insbesondere für regulierte Unternehmen und Behörden wichtig.
Hinzu kommt Alphabets technischer Vorteil. Der Konzern entwickelt mit seinen Tensor Processing Units eigene KI-Chips und ist dadurch weniger vollständig von Nvidia abhängig als viele Wettbewerber. Die finnischen Rechenzentren können somit mit einer stärker selbst kontrollierten Kombination aus Hardware, Software und Energieversorgung betrieben werden.
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Die Auslastung entscheidet über die Rendite
Der Haken bleibt der enorme Kapitalbedarf. Alphabet investierte allein im zweiten Quartal 44,9 Milliarden US$ und verbuchte einen negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden US$. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern inzwischen Investitionen zwischen 195 und 205 Milliarden US$.
Der finnische Ausbau ist deshalb nur dann wertsteigernd, wenn die neuen Kapazitäten schnell ausgelastet werden. Leer stehende Rechenzentren würden hohe Abschreibungen verursachen, ohne entsprechende Erlöse zu liefern. Das Wachstum des Cloud-Geschäfts und der Auftragsbestand sprechen derzeit jedoch dafür, dass Alphabet die zusätzliche Leistung tatsächlich benötigt.
ℹ️ Alphabet in Kürze
- Alphabet Inc. (WKN: A14Y6H) ist eine im kalifornischen Mountain View ansässige Holding und Muttergesellschaft der weltgrößten Suchmaschine Google.
- Neben Google betreibt Alphabet auch die Videoplattform YouTube und ein Cloud-Business. Zudem gehören zahlreiche Venture-Unternehmen, wie beispielsweise DeepMind und Waymo, zur Holding.
- Alphabet ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Konzern wird zu den sogenannten „Big Five“ der Technologieindustrie gezählt und ist aktuell rund 4,03 Billionen US$ wert.
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Fazit
Die 15,1 Milliarden US$ sind keine gewöhnliche Standortinvestition. Alphabet sichert sich gleichzeitig günstige Kühlbedingungen, langfristig verfügbaren Atomstrom und zusätzliche Kapazitäten innerhalb Europas. Der Plan erscheint mir strategisch überzeugend. Für die Alphabet-Aktie bleibt dennoch entscheidend, ob das starke Cloud-Wachstum die explodierenden Investitionen rechtzeitig in neuen freien Cashflow verwandelt. Allein aufgrund der starken Wettbewerbsposition im Bereich der Suchmaschinen, Streaming (YouTube) und der Betriebssysteme für Smartphones mit Android bleibt die Aktie für mich ein langfristiger Kauf.