Allianz-Aktie: Waymo-Deal – beginnt hier ein Milliardenmarkt?
Mehr als eine gewöhnliche Kfz-Versicherung
Allianz Partners und die Alphabet-Tochter Waymo entwickeln gemeinsam ein komplettes Versicherungs- und Schadenmanagementsystem für autonome Fahrzeugflotten. Geplant sind klassische Flottenversicherungen, internationale Haftpflichtprogramme und Produkthaftpflichtschutz.
Hinzu kommen die digitale Schadenabwicklung über die Allianz-Tochter Solvd, gemeinsame Sicherheitsforschung sowie spezielle Lösungen für die Bergung fahrerloser Fahrzeuge. Die Allianz wird damit nicht lediglich zum Risikoträger. Sie begleitet Waymo entlang nahezu der gesamten Versicherungskette.
Gerade die gemeinsame Auswertung von Unfällen könnte langfristig wertvoll werden. Wer früh versteht, welche Schäden bei autonomen Fahrzeugen auftreten und wie teuer diese sind, kann Risiken besser kalkulieren und passendere Tarife anbieten.
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Das Risiko verschiebt sich
Mit dem autonomen Fahren verschwindet das Versicherungsrisiko nicht. Es verändert sich lediglich. Wenn kein menschlicher Fahrer mehr am Steuer sitzt, verliert dessen persönliches Fehlverhalten an Bedeutung. Dafür gewinnen die Haftung des Herstellers, Softwarefehler, Cyberangriffe und der Ausfall teurer Sensoren an Gewicht.
Waymo verweist inzwischen auf mehr als 350 Millionen vollständig autonom gefahrene Kilometer. Dabei habe das System im Vergleich zu menschlichen Fahrern 16-mal weniger Unfälle mit Schwerverletzten verursacht. Fußgänger- und Fahrradunfälle mit Verletzten sollen ebenfalls erheblich seltener auftreten.
Weniger Unfälle könnten zunächst nach sinkenden Versicherungsprämien klingen. Allerdings können einzelne Schäden wegen der verbauten Kameras, Radar- und Lidarsysteme deutlich teurer werden. Zusätzlich entstehen völlig neue Haftungs- und Cyberrisiken. Für die Allianz eröffnet sich deshalb die Möglichkeit, klassische Kfz-Versicherungen durch komplexere Flotten- und Technologiedeckungen zu ersetzen.
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Deutschland wird zum Testmarkt
Waymo bereitet in München bereits den europäischen Markteintritt vor. Derzeit sollen zunächst manuell gesteuerte Fahrzeuge Daten sammeln. Gegen Ende 2027 ist die kommerzielle Einführung eines vollständig autonomen Fahrdienstes geplant. Deutschland wäre damit Waymos erster Markt in der Europäischen Union.
Die finanziellen Bedingungen der Allianz-Kooperation wurden nicht veröffentlicht. Anleger sollten daher noch keine hohen zusätzlichen Gewinne einplanen. Der unmittelbare Wert liegt im Zugang zu Waymos Betriebs- und Schadendaten. Gelingt später die Expansion in weitere europäische Länder, könnte aus dem Pilotprojekt ein skalierbares Versicherungsmodell entstehen.
Schätzungen von Research and Markets zufolge könnte der weltweite Markt für Versicherungen rund um selbstfahrende Fahrzeuge von 27,4 Milliarden US$ im Jahr 2024 auf knapp 60 Milliarden US$ im Jahr 2030 wachsen. Ein Teil davon ersetzt allerdings bestehende Kfz-Versicherungen und stellt keinen vollständig neuen Umsatz dar.
Das Kerngeschäft liefert weiter
Der Waymo-Deal ergänzt ein ohnehin starkes operatives Geschäft. Im ersten Halbjahr erhöhte die Allianz den Kerngewinn je Aktie um 17,5% auf 16,44 €. Bereinigt um Sondereffekte verblieb ein Wachstum von 10% und damit mehr als das mittelfristige Ziel von jährlich 7 bis 9%.
Die Solvency-II-Quote erreichte komfortable 225%. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin einen operativen Gewinn von 17,4 Milliarden € mit einer Schwankungsbreite von 1 Milliarde €. Zusätzlich läuft ein Aktienrückkauf über bis zu 2,5 Milliarden €.
Nach dem Rücksetzer auf rund 422 € liegt die Dividendenrendite auf Basis der zuletzt gezahlten 17,10 € wieder bei gut 4%. Die DZ Bank sieht den fairen Wert inzwischen bei 495 € und verweist auf die Kombination aus Gewinnwachstum und hohen Ausschüttungen.
ℹ️ Allianz SE in Kürze
- Die Allianz (WKN: 840400) mit Hauptsitz in München ist der größte Versicherungskonzern der Welt.
- Kerngeschäft des Konzerns sind die Kranken-, Lebens-, Sach- und Unfallversicherung.
- Darüber hinaus betreibt die Allianz den Geschäftsbereich Asset Management, in dem sie das Vermögen von Privatpersonen und institutionellen Anlegern verwaltet.
- Die Allianz ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist der Konzern rund 162 Milliarden € wert.
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Fazit
Die Waymo-Kooperation ist noch kein Grund, die Gewinnprognosen anzuheben. Sie verschafft der Allianz aber einen frühen Zugang zu einem potenziell großen Zukunftsmarkt. Zusammen mit dem starken Kerngeschäft, der soliden Bilanz und gut 4% Dividendenrendite halte ich die Aktie nach dem Rücksetzer wieder für attraktiv.